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RuhrTriennale, Uraufführung: „Corpus delicti“ von Juli Zeh

Premiere am 15. September 2007 um 20 Uhr, Maschinenhaus der Zeche Carl, Essen.

 

Jung, attraktiv, begabt und unabhängig: Das ist Mia Holl, eine Frau von dreißig Jahren. Man stellt sie vor ein Schwurgericht. Was wird ihr zur Last gelegt?

Ein Zuviel an Liebe (zu ihrem Bruder), ein Zuviel an Verstand (sie denkt naturwissenschaftlich) und ein Übermaß an geistiger Unabhängigkeit (für sie ist Gott passé). In einer Gesellschaft, in der alles Komplexe zu kompliziert ist, reicht diese Innenausstattung aus, um als gefährliches Subjekt eingestuft zu werden.

 

Juli Zeh entwirft ein spannendes Science-Fiction-Szenario, in dem sie eine mythische Hexenfigur in einer Gesellschaft unserer nahen Zukunft abwirft, die sich ganz auf Gesundheitsvorsorge und -kontrolle verlegt hat. Partnerschaftsplanung, Bewegungspensum, Monatsvorsorge, Ernährungstabellen - der Körper wurde heiliggesprochen, die Seele musste gehen. An einer Frau, an deren Verlangen nach Sinn sich keiner messen lassen will, lässt sich leicht ein menschliches Drama durchspielen. Zumal sie an einem bestimmten Punkt ihrer Geschichte die reine, einfache Revolte hinter sich lassen könnte, indem sie die Verpflichtungen des Gesundheitsstaates zu übernehmen begänne. Und genau hier wird die Geschichte zum Justizdrama, in dem erst einmal geklärt werden muss, was das meint: das persönliche Wohl.

Tausend Jahre hindurch war die Hexe der einzige Arzt des Volkes. Von Roland Barthes stammt die Bemerkung, dass Hexerei nichts anderes war als die erste Medizin in einer Gesellschaft, in der die Beziehungen langsam verarmen: Als sie völlig entleert sind, triumphiert die Hexe.

 

Ein Auftragswerk der RuhrTriennale.

 

Regie:

Anja Gronau

Bühne, Kostüme:

SABINE KOHLSTEDT

Dramaturgie:

Dag Kemser

Licht:

Holger Duwe

 

Mit:

Rosa Enskat, Norman Hacker, Arnd Klawitter, Christoph Luser, Vivien Mahler, Anne Ratte-Polle

 

– weitere Vorstellungen am 16., 18., 19., 22., 23. und 25. September, jeweils 20 Uhr.

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