Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Undine geht" nach Ingeborg Bachmann, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin"Undine geht" nach Ingeborg Bachmann, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin"Undine geht" nach...

"Undine geht" nach Ingeborg Bachmann, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Premiere 12.10.2022, 20.30 Uhr, Studio

Undine kommt aus dem Wasser, Hans aus der Siedlung. Beide verlassen ihr Element, um einander zu begegnen. Wer ruft und wer kommt, scheint stets verschieden; was geschieht, wenn sie aufeinandertreffen, bleibt ungewiss. Klar ist, dass sie aneinander scheitern – jedes Mal. Und es immer wieder neu versuchen: Jede ihrer Lieben ist ehrlich und vollkommen.

 

Copyright: Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Jede Enttäuschung, jeder Verrat ebenso. Laut dem Mythos der schaumgeborenen Undine, die, um eine Seele zu erlangen, aus dem Wasser kommt, bleiben nach dem Verrat nur der Verrätermord oder die Selbstauflösung. Doch was, wenn uns diese Optionen nicht mehr genügen?

Ingeborg Bachmann entwirft in ihrer poetisch verschlungenen Erzählung von 1961 nicht nur die Geschichte eines gescheiterten Liebespaares. Undine und Hans sind ebenso zwei Extreme in einem gemeinsamen Körper. Aufgespalten und abgetrennt voneinander, sich uneins. Ihr Aufeinanderzu, ihr Verschmelzen ist Utopie – als Glitch, als fluide Störung im binären System – mit klarer Position: gegen das Patriarchat, gegen feste Rollenzuschreibungen, gegen ein kapitalistisches System der konstanten Produktion und der biologischen Reproduktion. Jede Utopie muss scheitern, und doch versuchen sie es immer wieder. Ein letztes Aufbäumen vor dem Gang ins Wasser. Undine fließt. Undine zerfließt. Undine geht.

In der ersten Inszenierung der Regisseurin Christina Deinsberger an der Schaubühne begegnen Carolin Haupt und Renato Schuch Ingeborg Bachmanns Text und dem Mythos der Undine körperlich und choreographisch. Zu den Kompositionen des Jazzmusikers Bertram Burkert wagen sie den Grenzgang. Nicht den Gang an der Grenze entlang, sondern durch die Grenze hindurch, durch die Membran, die Ulla Willis über die Bühne spannt – mal permeabel, mal undurchdringlich.

In einer Fassung von Marcus Peter Tesch und dem Team

Regie: Christina Deinsberger    
Bühne: Ulla Willis    
Kostüme: Vanessa Sampaio Borgmann    
Musik: Bertram Burkert    
Dramaturgie: Angelika Schmidt, Marcus Peter Tesch    
Licht: Diana Swieca    

Mit: Carolin Haupt, Renato Schuch

14.10.2022, 20.30
15.10.2022, 19.30
16.10.2022, 20.00
18.10.2022, 19.30
19.10.2022, 19.30
21.10.2022, 19.30
22.10.2022, 19.30
23.10.2022, 19.30

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

"Krabat", Ballett nach einem Buch von Otfried Preußler von Demis Volpi in der Deutschen Oper am Rhein

Das 2013 in Stuttgart uraufgeführte Handlungsballett „Krabat“ nach dem beliebten Roman von Ottfried Preußler, in dem er eine sorbische Sage verarbeitet, hatte jetzt an der Deutschen Oper am Rhein…

Von: Dagmar Kurtz

Rocky Horror Picture Show trifft auf Homer

Heftiges Klopfen an der Tür. Es ist nicht der verstorbene Komtur, sondern ein junges Paar, das Einlass begehrt. In ihrer Inszenierung des „Don Giovanni“ für die Deutschen Oper am Rhein“ nutzt Karoline…

Von: Dagmar Kurtz

Der schöne Schein

Täuschungen über Täuschungen, Doppelmoral und Betrug. In der Operette „Die Fledermaus“ macht jeder jedem etwas vor, allein die schwungvolle Musik mit Wiener Walzerseligkeit täuscht darüber hinweg und…

Von: Dagmar Kurtz

„Vástádus eana/The answer is land“ von Elle Sofe Sara im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Hoch im Norden Europas lebt das indigene Volk der Samen. Mit ihrer Lebensart beschäftigt sich Elle Sofe Sara in ihrem Stück „Vástádus eana/The answer is land“ jenseits folkloristischer Attitude. So…

Von: Dagmar Kurtz

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑