Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
«Schweiz»-Ausstellung im Schauspielhaus Theater Basel«Schweiz»-Ausstellung im Schauspielhaus Theater Basel«Schweiz»-Ausstellung im...

«Schweiz»-Ausstellung im Schauspielhaus Theater Basel

CH-Kreuze I - XIV Installationen von Elisabeth Hoffmann — Schauspielhaus, 1. Stock

 

Im Kontext der Schauspielproduktion der Schweiz-Revue «Wer hat’s erfunden?» zeigt das Theater Basel im 1. Stock des Schauspielhauses vom 23. Mai bis 22. Juni 2008 dreizehn Bilder der Künstlerin Elisabeth Hoffman. Die Künstlerin beschäftigt sich in ganz anderer und doch wieder ähnlicher Weise wie der Theaterabend mit dem Thema «Schweiz».

 

Am Anfang war die Fahne: ihre graphische Ästhetik, ihre mathematische Symmetrie, ihre Einzigartigkeit, ein Farbenspiel wie man es nur im grellen Sonnenlicht eines Schweizer Bergsees erlebt, wenn man eine Tube leuchtenden Rots auf weißes Papier drückt. Schnell fließen die Assoziationen um Formen und Farben, um Mythen und Klischees, Reales und Projeziertes. Sie kristallisieren sich an Motiven und Bildern, in denen es denn auch nicht um Schweizer Befindlichkeiten geht, sondern um das, was durch einen derart entrückten Moment in einer Nichtschweizerin entsteht.

 

Die Schweizer Fahne ist Chiffre und ungebrochene Projektionsfläche für die vielfältigsten Sehnsüchte der Nichtschweizer: Wohlstand, basisdemokratisches Gemeinwesen, landschaftliche Schönheit, kulturelle Vielfalt, ein langsamerer Pulsschlag. Es sammeln sich die Klischees wie schillernde Perlen um das berühmte Körnchen Wahrheit. Und interessant wird es, wenn der zum «verkitschten» Klischee degenerierte Mythos des Tellschen Apfels selbst wieder zum Mythos wird.

 

Wie so oft bei der Betrachtung besteht das Perfekte nur aus der Ferne. Je näher man kommt, desto auffälliger werden die Risse, Ungenauigkeiten, die ungerade Linie. Ganz aus der Nähe sieht man, wie sehr das glatte weiße Kreuz aus ungeraden, unebenen, schiefen, ungleich langen Seiten besteht, in denen man aber zugleich seine Individualität und damit seinen Charakter erkennt.

 

Vielleicht können «echte» Schweizer ein Lied von derlei Betrachtungen singen, vielleicht geht ihre Selbstwahrnehmung aber auch völlig andere Wege.

 

Elisabeth Hoffmann

geboren 1969 in Wesseling bei Köln. Arbeitet und lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Weinheim an der Bergstraße bei Heidelberg.

 

Wer hat’s erfunden? – Eine Schweiz-Revue

Premiere der Uraufführung am 23. Mai 2008, 20.00 Uhr — Schauspielhaus

 

Ausstellung vom 23. Mai bis 22. Juni 2008, an Vorstellungstagen ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, der Eintritt ist gratis.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑