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Schweizer Erstaufführung: "Heuschrecken", Schauspiel von Biljana Srbljanović, Theater Basel

Premiere Freitag, 22. April 2016, 20 Uhr, Kleine Bühne. -----

Eine bitterböse Komödie über drei verlorene Generationen. Ob jung oder alt − die Protagonisten sind allesamt vergreist und ausschliesslich damit beschäftigt, sich gegenseitig zu misstrauen, die zehnjährige tyrannische Allegra genauso wie der bereits mit 35 Jahren frühverrentete Polizist Milan und der alte Herr Simić, ein Niemand mit mysteriöser politischer Vergangenheit.

Ständig kämpfen sie mit geschliffenen worten um Aufmerksamkeit, Macht und Geld. Aber wo Zugewandtheit und Verantwortung gefragt sind, sind sie hilflos und paralysiert. Dann gleichen sie auf erschreckende Art und Weise dem dementen, zuckerfressenden Grossvater, dessen man sich am liebsten auf dem Autobahnparkplatz entledigen würde.

 

Biljana Srbljanovićs Raffinesse besteht darin, dass sie ihre Figuren nicht als Monster zeichnet, sondern sie nah an uns heranrückt. Bekannt ist die Serbin nicht nur als erfolgreiche Dramatikerin, sondern auch als unbequeme Intellektuelle. Schonungslos analysiert sie in ihren Stücken, Essays und öffentlichen äußerungen die mafiösen Strukturen, die sich nach der Ermordung des Reformpolitikers Zoran Ðinđić in Serbien breitgemacht haben. Mit großer Wahrhaftigkeit erzählt die Autorin nicht nur über ihr Land, sondern über alle Gesellschaften, die sich mit den Konsequenzen des schmerzvollen Scheiterns des Generationenvertrags beschäftigen müssen: in denen Faltentiefe Gradmesser für Erfolg ist, in denen sich die wenigsten trauen, Kinder zu bekommen. Und in denen niemand weiss, wohin mit den vielen Alten.

 

Der Belgrader Miloš Lolić inszeniert zum ersten Mal ein Stück von Biljana Srbljanović, und das bewusst nicht in ihrer gemeinsamen Heimatstadt; denn er liest «Heuschrecken» als eine universelle, menschliche Komödie über das Loslassen und Abschiednehmen, von den Eltern genauso wie von Idealen. Nach zahlreichen Inszenierungen im ex-­jugoslawischen Raum, in Wien, Düsseldorf und Berlin, arbeitet er zum ersten Mal in der Schweiz.

 

Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann

 

Regie: Miloš Lolić, Bühne: Hyun Chu, Kostüme: Jelena Miletić, Komposition: Nevena Glušica

 

Mit: Pia Händler (Nadežda, 35), Vincent Leittersdorf (Milan, 35), Nicola Kirsch (Dada, 36), Thomas Schweiberer (Fredi, 39), Katja Jung (Allegra, 10), Barbara Horvath (Žana, 50), Thomas Reisinger (Maksim (Maks), 55), Urs Peter Halter (Herr Ignjatović, 75, Akademiemitglied), Michael Wächter (Herr Simić, 75, ein Niemand, mit keinem verwandt oder verschwägert), Lisa Stiegler (Frau Petrović, 78, Žanas Mutter)

 

 

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