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Start der Reihe Black Box 20_21 mit zeitgenössischer Musik in der Hamburgischen Staatsoper: zwei Werke von Aribert Reimann

Premiere: 24. November 2012, 20.00 Uhr in der Opera stabile: »I am your opus«

»Lady Lazarus« und »Unrevealed« von Aribert Reimann. -----

»Dying is an art like everything else / I do it exceptionally well«, schrieb Sylvia Plath in ihrem Gedicht »Lady Lazarus«. Es ist der Ausgangspunkt für das neue Projekt in der Opera stabile.

 

 

Im November 2012 startet mit »I am your opus« die Reihe Black Box 20_21. Die Studiobühne der Staatsoper wird zum Experimentierfeld für eine innovative Form des Musiktheaters, in der Kompositionen und Texte aus dem 20. und 21. Jahrhundert einander gegenüber gestellt werden. Szenisch umgesetzt soll eine neue interpretative Richtung entstehen.

 

Den Anfang machen zwei Werke von Aribert Reimann, dessen Oper »Lear« im Januar 2012 erfolgreich an der Staatsoper Premiere feierte. Nun entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten eine szenische Collage aus zweien seiner Werke, die durch Texte des Liebespaares Sylvia Plath und Ted Hughes aufgebrochen werden. Dass mit »I am your opus« nun ein »neues« Stück von ihm entstanden ist, verfolgte Aribert Reimann mit großem Interesse: »Durch diese Collage aus meinen Kompositionen und den Textfragmenten sind neue Möglichkeiten entstanden, diese Werke in das Musiktheater einzubeziehen«, so Reimann. »›Lady Lazarus‹ ist von mir ja schon sehr theatralisch gedacht, ›Unrevealed‹ ist eigentlich ein Konzertstück. Aber so, wie es jetzt aufgeteilt ist, hat es eine theatralische Funktion.«

 

»Die beste – aufregendste, rücksichtsloseste – Dichterin ihrer Generation«, nannte John Updike Sylvia Plath. Die Amerikanerin, die sich 1963 mit 30 Jahren das Leben nahm, wurde nach ihrem Tod zur Ikone der literarischen Moderne. Die Amerikanerin, die sich mit 30 Jahren 1963 das Leben nahm, wurde nach ihrem Tod zur Ikone der literarischen Moderne. Mit dem Dichter Ted Hughes verband sie zuerst eine tiefe Liebe, doch Eifersucht und Rivalität zerstörten die Beziehung. Ted Hughes veröffentlichte über 20 Jahre nach Sylvia Plaths Tod die »Birthday letters«, eine Sammlung von an Sylvia Plath adressierten Gedichten. Und auch Sylvia Plaths Lyrik und Prosa sind Zeugnisse ihrer Leidenschaft, ihres Leidens und ihrer Obsession.

 

Eines dieser Gedichte, »Lady Lazarus«, enthält die Zeile »I am your opus«. Aribert Reimann vertonte es 1992 als Szene für Sopran solo. Hayoung Lee, Sopranistin im Ensemble der Staatsoper, interpretiert das virtuose Werk. Sie sang Cordelia in »Lear« und konnte mit dieser Partie einen großen Erfolg für sich verbuchen. Eine zweite Komposition Aribert Reimanns wird »Lady Lazarus« gegenüber gestellt: »Unrevealed«, ein Werk für Bariton und Streichquartett auf Texte von Lord Byron. Diese singt Viktor Rud, ebenfalls Mitglied des Hauses.So ist die Reihe Black Box 20_21 für die Ensemblemitglieder der Staatsoper eine Möglichkeit, andere Facetten ihres Könnens zu zeigen als bei Produktionen im Großen Haus.

 

Die beiden Schauspieler Birte Leest und Martin Timmy Haberger kontrastieren Reimanns Kompositionen mit Texten von Sylvia Plath und Ted Hughes.

 

Für die szenische Umsetzung zeichnet Regisseurin Petra Müller, Spielleiterin im Haus an der Dammtorstraße, verantwortlich. Sie hat in der Opera stabile bereits Werke von Thomas Adès, HK Gruber und Christian Jost inszeniert. »Natürlich habe ich mich in der Vorbereitung sehr viel mit der Lebensgeschichte von Sylvia Plath beschäftigt, denn in ihren Texten liegt ja auch ein starkes autobiographisches Moment. Aber ich werde mich nicht an einzelnen Stationen ihrer Vita abarbeiten. Es geht mir um Atmosphären, um seelische Zustände«, erzählt Petra Müller. »Diese Frau hat ihren eigenen Tod überlebt. Einmal ganz wörtlich, indem sie sich nach einem Selbstmordversuch wie Lazarus von den Toten auferstanden fühlte. Dann aber vor allem in einem übertragenen Sinne, denn obwohl sie sehr ehrgeizig war, schuf paradoxerweise erst ihr Tod die Voraussetzungen für ihre Anerkennung als eine der größten Lyrikerinnen englischer Sprache.« Heinrich Tröger von Allwörden entwirft das Bühnenbild, Doris Kirchhof gestaltet die Kostüme. Das Konzept zur neuen Reihe stammt von Operndirektor Francis Hüsers und der Leitenden Dramaturgin Kerstin Schüssler-Bach.

 

Die musikalische Leitung hat Samuel Hogarth. Der englische Dirigent und Pianist ist seit 2011 an der Staatsoper tätig. »Diese Stücke sind voller komplexer und differenzierter Emotionen«, sagt er. »Es gibt Feinheiten in jeder Phrase, die um Hoffnung, Trost, Selbstbestimmung und Verantwortung kreisen. Die Herausforderung ist es, all das durch unsere musikalische Interpretation deutlich zu machen. Aber wenn man eine absolut klare Vorstellung über die Bedeutung jeder Phrase hat, wird der Ausdruck auf einmal ganz natürlich. Wenn wir Mozart aufführen, verstehen wir das ganz intuitiv, und bei Neuer Musik, wie der von Reimann, scheinen wir es manchmal zu vergessen. Aber bei großer Musik muss man eigentlich gar nichts anderes machen, egal ob Mozart oder Reimann.«

 

Black Box 20_21 wird im April 2013 mit dem Werk »Vanitas« von Salvatore Sciarrino fortgesetzt.

 

Musikalische Leitung: Samuel Hogarth

Inszenierung: Petra Müller

Bühnenbild: Heinrich Tröger von Allwörden

Kostüme: Doris Kirchhof

Konzept / Dramaturgie: Kerstin Schüssler-Bach, Francis Hüsers

 

Mit Hayoung Lee (Sylvia 2), Viktor Rud (Byron), Birte Leest (Sylvia 1) und Martin Timmy Haberger (Ted)

 

Vorstellungen: 26. und 30. November, 2. Dezember 2012, 20.00 Uhr

 

Karten für 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) sind an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer 040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

 

 

 

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