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Stuttgarter Ballett, Livestream: tänzerische Höhepunkte,

27. Nov 2020, 19:00 Uhr, www.stuttgarter-ballett.de und You Tube

Das Stuttgarter Ballett zeigt drei Ballette aus dem ursprünglich geplanten Ballettabend HÖHEPUNKTE.

 

Copyright: Roman Novitzky

Die einen nennen ihn „Höhepunkt“, die anderen „kleinen Tod“. Wie nah beieinander der ekstatische Moment, in dem (potentiell) neues Leben entsteht, und der, in dem wir aus dem Leben ausscheiden, liegen, inspirierte Jiří Kylián zu Petite Mort. Zu den elegischen Klängen von Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzerten lässt Kylián zwölf TänzerInnen buchstäblich auf Messers Schneide tanzen; es entstehen betörende Bilder, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Eingeleitet wird Petite Mort durch ein weiteres Ballett von Kylián: Falling Angels. Das kurzweilige Stück zu Steve Reichs treibenden Schlagzeugklängen besteht aus einer reinen Frauenbesetzung, die kraftvoll und beseelt durch Licht und Schatten tanzt.

Wie verführerisch der Tod sein und wie schnell ein Leben ausgelöscht werden kann, zeigt der Choreograph Roland Petit in seinem ikonischen Kultwerk Le Jeune Homme et La Mort (zu Dt. „Der junge Mann und der Tod“). In diesem Kurzballett nach einem Libretto von Jean Cocteau erzählt er die Geschichte eines Mannes, der von einer verlockend schönen Frau in seiner Pariser Dachkammer besucht wird. Sie verdreht ihm so den Kopf, dass er diesen bereitwillig in die Schlinge legt. Das Stuttgarter Ballett tanzt mit Le Jeune Homme et La Mort zum ersten Mal ein Werk von Petit und ergänzt damit das Repertoire um einen Klassiker der Ballettgeschichte.

Einen wahren Höhepunkt – im metaphorischen wie im buchstäblichen Sinne – bildet Maurice Béjarts Bolero zur gleichnamigen, sich immer steigernden Musik von Maurice Ravel. Auf einem großen, roten Tisch fordert ein Solotänzer oder eine Solotänzerin eine Schar Männer mit hypnotischen Gesten und Schritten auf: ob zu einem heidnischen Fruchtbarkeitsritual oder zum Tanz, bleibt offen. Fest steht, dass dieses Ballett in seiner Deutung des menschlichen „Höhepunktes“ kaum zu übertreffen ist und ein ekstatisches wie erschöpftes Publikum hinterlässt.

Musikalische Leitung
Mikhail Agrest / Wolfgang Heinz, Staatstorchester Stuttgart

Falling Angels
Choreographie
Jiří Kylián
Musik
Steve Reich
Kostüme
Joke Visser
Bühnen- und Lichtkonzept
Jiří Kylián
Lichtdesign
Joop Caboort
Uraufführung
23. November 1989, Nederlands Dans Theater, Den Haag

Petite Mort (Erstaufführung)
Choreographie, Bühnen- und Lichtkonzept
Jiří Kylián
Musik
Wolfgang Amadeus Mozart
Kostüme
Joke Visser
Licht
Joop Caboort
Uraufführung
23. August 1991, Nederlands Dans Theater

Le Jeune Homme et la Mort (Erstaufführung)
Choreographie
Roland Petit
Musik
Johann Sebastian Bach
Orchestriert von
Ottorino Respighi
Libretto
Jean Cocteau
Bühne
Georges Wakhévitch
Kostüme
Karinska
Licht
Jean-Michel Désiré
Uraufführung
25. Juni 1946, Ballets des Champs Elysées

Bolero
Choreographie
Maurice Béjart
Musik
Maurice Ravel
Licht
John van der Heyden
Uraufführung
10. Januar 1961, Ballet du XXe Siècle

 

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