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TAG - Theater an der Gumpendorfer Strasse - in Wien: Ausschreibung "Lügen/Scheinwelten"

Einreichfrist bis Freitag, den 26. Februar 2010.

Nach dem großen Erfolg der WERKTAGE 09/10 setzt das TAG sein einzigartiges Projekt auch in der Saison 10/11 fort. TheatermacherInnen können im Rahmen der Ausschreibung für die WERKTAGE 10/11 Projekte zum Thema “Lügen/Scheinwelten” einreichen. Das TAG wählt daraus Projekte aus, die in der Saison 10/11 am TAG mit seinem Ensemble umgesetzt werden.

I. Die Ausschreibung der Werktage 10/11

Die Ausschreibung der WERKTAGE 10/11 richtet sich an professionelle TheatermacherInnen. Gesucht werden Projekte zum Thema “Lügen/Scheinwelten” für maximal vier Personen – zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler. Unter „TheatermacherIn“ verstehen wir eine/n KünstlerIn, der/die sowohl für die Konzeptionierung / Autorenschaft / Dramatisierung als auch für die Inszenierung / Umsetzung verantwortlich ist.

Wir wünschen uns einerseits völlig selbstentwickelte Konzepte/Stücke oder aber auch Projekte, die auf einer Roman-, Film- oder Stückvorlage basieren, die von dem/der TheatermacherIn weiterentwickelt/dramatisiert werden. Ob Monolog oder ein Konzept für vier Personen, alles ist gleich willkommen.

 

Geben Sie bitte Projektbeschreibungen von max. zwei A4-Seiten ab (Stücke bzw. Vorlagen können in ganzer Länge hinzugefügt werden). Die Unterlagen sollten eine kurze Biografie mit Angabe von Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse beinhalten. Bitte schicken Sie nach Möglichkeit keine Originale. Aus der Einsendung entsteht kein Rechtsanspruch.

Die Einreichfrist endet mit Freitag, den 26. Februar 2010.

Einreichungen bitte per E-Mail an: werktage@dasTAG.at

oder per Post an:

 

Das TAG Kennwort „Werktage“ Gumpendorfer Straße 67/10 A-1060 Wien Österreich

Die TeilnehmerInnen werden bis spätestens Mittwoch, den 31.März 2010, schriftlich verständigt, ob sie zur Teilnahme an den Werktagen 10/11 eingeladen werden.

 

II. Das Thema der Werktage 10/11

„Es ist die Wahrheit, die der Lüge erst ihre anregende Schärfe gibt.“

(Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann)

Statistisch betrachtet lügt jeder Mensch bis zu 200 mal am Tag. Lügen erhöhen nicht nur das Selbstwertgefühl und erleichtern ein harmonisches Miteinander, sie bringen uns oft auch ans Ziel und verschönern uns das Leben. In der Gesellschaft, den Medien, der Politik oder innerhalb der Familie ist vieles ganz anders als es scheint...

 

Am TAG fordern wir deshalb nächste Saison: Runter mit den Fassaden! Wir gehen ein Jahr lang mit den Lügen ehrlich um. Wir wollen die großen politischen Skandale genauso wie filigrane Familiengeschichten, die an Lügen zu zerbrechen drohen. Wir wollen die Realitätsflucht in virtuelle Räume genauso wie Geschichten über Selbstbetrug und Lebenslügen.

 

Alles ist möglich, Hauptsache irgendetwas stimmt nicht! Ganz egal ob komisch oder tragisch, ob nach einer Roman- Film- oder Stückvorlage, ob auf einer realen Begebenheit basierend oder völlig frei erlogen – wir zeigen jede gute Lügengeschichte und bringen sie ans TAG! Denn welcher Ort kennt die Lüge besser als das Theater?

 

III. Der Ablauf der Werktage 10/11

 

WERKTAGE PHASE 1 – Konzeptvorstellungen von 17. bis 22. Mai 2010

Ausgewählte TheatermacherInnen werden zu Gesprächsterminen eingeladen, um das TAG und sein Team kennenzulernen und ihr eingereichtes Projekt in einem einstündigen Gespräch persönlich vorzustellen.

 

Am Ende dieser Woche entscheidet sich die Leitung des TAG für diejenigen TheatermacherInnen, die an ihren Projekten in Phase 2 mit dem TAG-Ensemble arbeiten werden.

 

Die Anreisekosten und der Aufenthalt müssen in Phase 1 von den TheatermacherInnen selbst getragen werden.

WERKTAGE PHASE 2 – DIE WERKTAGE von 16. August bis 11. September 2010

In diesem Zeitraum bekommt jede/r der ausgewählten TheatermacherInnen die Möglichkeit, jeweils eine Woche mit dem TAG-Ensemble an seinem/ihrem Projekt zu arbeiten. Die dramaturgische Betreuung sowie Ausstattungsbetreuung leistet das TAG.

 

Am Ende der Werktage Phase 2 werden die Projekte für die Produktion „Rohbau 2 / Lüge!“ ausgewählt und die Projekte, die in der Saison 10/11 komplett ausproduziert werden.

 

Für diese Arbeitswoche erhält jede/r TheatermacherIn ein Honorar von 500 Euro. Die Anreise und Aufenthaltskosten trägt das TAG.

 

WERKTAGE PHASE 3 – DIE ROHBAUPHASE Proben: 25. Oktober bis 4. Dezember 2010 Premiere: „ROHBAU 2 / LÜGE!“ am 4. Dezember 2010

Die für den „Rohbau 2 / Lüge!“ ausgewählten Projekte werden gemeinsam an einem Abend der Öffentlichkeit präsentiert. Innerhalb des sechswöchigen Zeitrahmens der Phase 3 wird an jedem Rohbauprojekt zwei bis drei Wochen mit dem TAG-Ensemble geprobt. Die dramaturgische Betreuung sowie die Ausstattung leistet das TAG Team.

 

Der Abend „Rohbau 2 / Lüge!“ wird in den Repertoire-Spielplan des TAG übernommen und im Laufe der Saison mehrmals gezeigt.

Für den „Rohbau 2 / Lüge!“ erhält jede/r TheatermacherIn ein Honorar von 2000 Euro. Die Anreise und Aufenthaltskosten trägt das TAG.

WERKTAGE PHASE 4 – Die Tagwerke Tagwerk 7: voraussichtliche Proben: 13. bis 23. Dezember 2010 und 3. Jänner bis 5. Februar 2011, voraussichtliche Premiere: 5. Februar 2011 Tagwerk 9: voraussichtliche Proben: 28. März 2011 bis 7. Mai 2011, voraussichtliche Premiere: 7. Mai 2011

Maximal zwei der in den Werktagen (Phase 2) erarbeiteten Projekte werden vom TAG voll ausproduziert und mit dem TAG-Ensemble verwirklicht. Als „Tagwerke“ werden diese Produktionen in den Repertoire-Spielplan übernommen. Das TAG stellt dabei die Infrastruktur seiner Mittelbühne mit Proberaum, Bühne, Technik, Ausstattung, Dramaturgie, Presse- und Marketingarbeit und ein maximal vier SchauspielerInnen umfassendes Ensemble (2m, 2w) zur Verfügung.

Ein Regiehonorar von 4.500 Euro pro TheatermacherIn wird ausbezahlt. Das TAG trägt die Kosten für Anreise und Aufenthalt.

 

IV. Impulstext zum Thema der Werktage 10/11

 

DER WILLE ZUM SCHEIN. ÜBER WAHRHEIT UND LÜGE

Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann

 

Wir lügen alle! Ohne Ausnahme. Lügen ist uns eine Lust und ein Bedürfnis, wir lügen nicht nur aus Eigennutz und aus Not, sondern aus der Freude an der Täuschung, der Verstellung, der Unwahrheit. Der Mensch ist das lügende Tier, Lügen ist nahezu so etwas wie eine zweite Natur des Menschen, vielleicht die zweite Natur, die uns zu bewußten und zivilisierten Wesen macht. Und: wir lügen nicht nur, wenn wir wissen, daß wir lügen. Wir lügen auch dann, wenn wir glauben aufrichtig zu sein. Denn wir können gar nicht anders, als Unwahrheiten zu formulieren. Jeder Satz, den wir sagen, jede Behauptung, die wir aufstellen, jede Empfindung, die wir äußern, ist, betrachten wir es einmal genau, eine Spielart der Lüge. Und wer immer sich darüber aufregt oder empört, daß er belogen worden ist, ärgert sich nicht über das Faktum der Lüge, sondern darüber, daß der andere so schlecht gelogen hat, daß man es durchschaut hat.

 

Die Fähigkeit zu lügen setzt das Wissen der Wahrheit voraus. Wer lügt, könnte auch die Wahrheit sagen, so wie jemand, der schnell laufen kann, auch langsamer laufen könnte, während der Lahme beim besten Willen nicht schneller laufen kann. Anders formuliert: Lügen können ist eine kommunikative Kompetenz, während Wahrhaftigkeit als Charaktereigenschaft einen Mangel darstellt. Der Wahrhaftige kann immer nur die Wahrheit sagen, er ist ihr ausgeliefert wie ein Behinderter seiner Behinderung; der Lügner verfügt jedoch souverän über Wahrheit und Lüge, zumindest aus seiner Innenperspektive.

 

Der Lügner muß also kreativ sein, etwas von einem Schauspieler an sich haben und über eine souveräne Kontrolle seines Erinnerungsvermögens verfügen, um jenen Widersprüchen zu entgehen, an denen der schlechte Lügner rasch zu scheitern pflegt.

Gerade im Alltag möchten wir allerdings wissen, ob das, was uns jemand erzählt, auch von ihm selbst für wahr gehalten wird, oder ob er bei sich etwas ganz anderes denkt. Auch wenn wir unter erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten nicht die Wahrheit sagen können – unter der Voraussetzung, daß es so etwas wie ein Für-wahr-Halten gibt, möchten wir doch zumindest hin und wieder wissen, ob Menschen, die uns im Brustton der Überzeugung etwas weismachen wollen - daß ein Land zum Beispiel Massenvernichtungswaffen besitzt -, dies auch wirklich vor sich selbst für wahr halten. Unter diesen Gesichtspunkten wäre der eigentliche Gegenbegriff zur Lüge nicht die Wahrheit, sondern die Wahrhaftigkeit, und dieses Gegensatzpaar kann dann sehr wohl in einem moralischen Sinn betrachtet werden.

 

Wie aber dringt man in das Innerste eines Menschen ein? Die Methoden variieren und gehorchen in der Regel den sozialen und technischen Standards der jeweiligen Epoche. Keine Frage, daß die anstößige Faszination der Folter daher rührt, daß sie eines der ersten und bis heute brutalsten Mittel gewesen sein mag, einen Menschen dazu zu zwingen, sein Innerstes preiszugeben. Es ist die äußere Gewalt, der Schmerz, der das Innere aufbricht. Zivilisierte Methoden trachteten schon seit jeher danach, jene Spuren zu entdecken und richtig zu deuten, durch die sich der Lügende gleichsam von selbst verrät… Entscheidend dabei ist die Hoffnung, daß das Herz sich selbst verrät, kein Inneres so abgeschlossen sein kann, daß nichts nach außen dringt.

Woran ein Lügner zu erkennen sei, darüber weiß die alltägliche Menschenkenntnis ebenso Bescheid wie die forensische Psychologie. Und nicht zuletzt geben zahlreiche Sachbücher Rat, wie man die Lügen seiner Mitmenschen entlarven kann. Vom Stocken der Stimme über das Erröten, den abgewendeten Blick bis hin zu den Schweißausbrüchen reichen die bekannten Symptome, die helfen sollen, der Lüge habhaft zu werden. Die bekannten technischen Instrumente wie der Lügendetektor oder noch modernere computergestützte Verfahren zur Stimmanalyse folgen im Grunde demselben Prinzip: Das Innerste, wie verschlossen auch immer, dringt nach außen – und sei es auch nur in kleinsten Abweichungen der Stimme, des Pulsschlags oder der Augenbewegungen, die als Folge der alles entscheidenden Differenz zwischen dem Gesagten und dem dabei Gewußten auftreten. Nur wer mit Lügnern zu tun hat, weiß deshalb, was es heißt, einem Menschen auf den Grund seines Herzens sehen zu wollen. Deshalb kann man sich mittlerweile auch schon Lügendetektoren für den Hausgebrauch kaufen, die auf akustische Signale reagieren und bei einem Telefongespräch mit dem Partner durch ein rotes Lämpchen anzeigen, wann dieser lügt, oder man kann sich einen amerikanischen Ratgeber kaufen, der verspricht, wie sich Unwahrheiten erkennen lassen und demjenigen, der diese Technik beherrscht, gleich verspricht, daß dadurch die Chance gegeben ist, das "Leben und [die] Beziehungen auf nachhaltige Weise positiv zu beeinflussen." Letzte Sicherheit aber ist kaum zu gewinnen.

 

Alle physisch meßbaren Veränderungen, die eine Lüge indizieren können, können auch andere Ursachen haben. Die Provokation der Lüge besteht darin, daß sie das Innere eines Menschen als einen unendlichen Raum erscheinen läßt. Man ist nie damit am Ende zu wissen, daß der andere etwas weiß, was er nicht sagt. Noch die aufrichtigste Geste eines Freundes kann inszeniert sein, noch der ehrlichste Blick einer Geliebten kann der einer begabten Schauspielerin sein, noch die tiefste Wahrheit einer Philosophie kann sich als gleißender Schein entpuppen… (Auszug aus dem Eröffnungsvortrag des 8. Philosophicum Lech am 16. September 2004 in Lech/Arlberg. Alle Rechte bei Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann)

 

V. Das Werktage-Team 10/11

 

Margit Mezgolich – Künstlerische Leiterin TAG 1971 in Wien geboren, ist Regisseurin und Autorin. Ihre Stücke werden erfolgreich im In- und Ausland aufgeführt (Vereinigte Bühnen Graz, Horizont Theater Köln, Landestheater Linz, Stadttheater Luzern, Stadttheater Ingolstadt, Theater der Jugend Wien u.a.) und beim Kaiser Verlag Wien verlegt. Inszenierungen: Volkstheater Wien, Theater der Jugend Wien, Theater Drachengasse Wien, Next Liberty Graz, Landestheater Linz u.a. Schauspielausbildung an der Schauspielschule des Volkstheaters, Engagements: Landestheater Linz, Volkstheater Wien, Renaissancetheater Berlin, Stadttheater Klagenfurt u.a. 1997 Gründung des L.U.S.Theater gemeinsam mit Ferdinand Urbach. Seit 2005 ist Margit Mezgolich im Leitungsteam des TAG. Seit der Saison 2009/2010 ist sie die alleinige künstlerische Leitung.

 

Isabelle Uhl – Dramaturgie Jahrgang 1968, Schauspielerin, Regisseurin, Dramaturgin. Studium der Informationswissenschaft, Neuere Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft an der Universität des Saarlandes. Schauspielausbildung an der Schauspielschule Prof. Krauss in Wien. Engagements als Schauspielerin u.a. am Burgtheater Wien, Volkstheater Wien, dietheater Wien, Staatstheater Saarbrücken, Kosmos Bregenz, Theater Bozen, Theater Innsbruck sowie im urtheater Wien. Seit 2005 ist sie Mitglied des Leitungsteams des TAG.

 

Tina Clausen – Dramaturgie 1972 in München geboren. Studium der Germanistik und Musikwissenschaft in Köln und Wien. Regieassistentin, Dramaturgieassistentin und Dramaturgin u. a. für Produktionen des L.U.S.Theaters, am Burgtheater Wien, am TAG Wien sowie am Theater Drachengasse Wien. Arbeitete als Lektorin und Pressesprecherin des Picus Verlags Wien. Langjährige Redakteurin des Festivalkatalogs Wien Modern. Seit der Saison 2009/10 ist sie als Dramaturgin am TAG tätig.

 

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