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Theater Freiburg: Wunschkinder - Die Technisierung der menschlichen Fortpflanzung - Performances / Vorträge / Diskurse

20.-22. Mai 2011. -----

 

Wir können heute jede einzelne Phase der menschlichen Fortpflanzung technisch beeinflussen und kontrollieren. Welche Kinder wollen wir auf die Welt bringen, in welcher Familienkonstellation und in welcher Lebensphase? Ist unerfüllter Kinderwunsch ein technisch lösbares Problem?

 

 

Lassen sich heutzutage über Leihmütter und Samenspender auf der ganzen Welt Kinder bestellen? Haben wir überhaupt ein »Recht auf eigene Kinder«? Wie bewältige ich mein Schicksal?

 

Vom 20. bis 22. Mai verwandelt sich das Theater Freiburg in einen Ort, der künstlerische Arbeit, Wissenschaft und öffentliche Debatte zusammenbringt, um die brennenden Fragen zur Technisierung der menschlichen Fortpflanzung zu verhandeln. Ca. 50 Menschen unterschiedlicher Generationen arbeiten seit November 2010 mit Regisseuren, Ethikern und Dramaturgen an einer Recherche, die in vier Theaterperformances mündet. Ihre Themen sind: Leihmütter, Samenspender, Google-Babys; Unerfüllter Kinderwunsch; Baby mit 50; Designerbabys. Parallel dazu entsteht »Diese Kinder sind in Ordnung«, ein Stück mit Schauspielern des Theater Freiburg unter der Leitung des Regisseurs Boris Nikitin, sowie drei weitere szenische Lesungen des Ensembles.

 

In der spannungsreichen Beziehung zwischen wissenschaftlicher Debatte und individuellen Erfahrungsberichten entstehen ungewöhnliche, lebensnahe Einsichten im Sinne einer »narrativen Bioethik«. Ärzte, Juristen, Samenspender, Theologen, Filmemacher, Soziologen, Philosophen und Betroffene versuchen ihre Perspektiven in Diskussionen und Gesprächsforen miteinander abzugleichen, um Handlungsspielräume auszuloten und Grenzen zu formulieren.

 

»Wunschkinder« ist das zweite Diskursprojekt am Theater Freiburg. Die Kulturstiftung des Bundes förderte bereits 2009 das sehr erfolgreiche Projekt »Die Optimierung des menschlichen Gehirns« mit 60 Schülern, Ethikern, Wissenschaftlern und Künstlern.

 

Ein Projekt des Theater Freiburg und des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

 

Alle Informationen finden Sie auch auf www.wunschkinderprojekt.de

 

Freitag, 20.5.

 

18 Uhr, Großes Haus: Begrüßung, Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Otfried Höffe: »Wunschkind? Wunschkind! Philosophische Überlegungen.«

 

20 Uhr, Kleines Haus: Premiere »Diese Kinder sind in Ordnung« (Regie: Boris Nikitin)

 

20 Uhr, verschiedene Spielstätten: Performances »Designerbabys«; »Unerfüllter Kinderwunsch«

 

21 Uhr: Szenische Lesung »Die Unmöglichen« nach dem Hörspiel von Julian Kamphausen und Paul Plamper

 

Samstag, 21.5.

 

9.30 Uhr, Winterer-Foyer: Vortrag von Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel: »Aktuelle Tendenzen und kommende Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin«

 

12 bis 22 Uhr, verschiedene Spielstätten: Premieren der Performances »Baby mit 50« und »Leihmütter, Samenspender, Google-Babys«; Vorstellungen der Performances »Diese Kinder sind in Ordnung«, »Designerbabys«, »Unerfüllter Kinderwunsch«; außerdem Filme und Gesprächsrunden.

 

16 Uhr, Winterer-Foyer: Vortrag von Prof. Dr. Monika Frommel: »Die Gesetzgebung wird widersprüchlich beim Embryonenschutzgesetz«

 

ab 19.30 Uhr: Szenische Lesungen »Die Kopien« von Caryl Churchill, »Natürliche Auslese« von Paul Jenkins

 

Sonntag, 22.5.

 

11 Uhr, Kleines Haus: Vortrag von Prof. Dr. Eva Illouz: »Mutterschaft und Familie – Soziologische Perspektiven« (auf Englisch mit Übersetzung)

 

12.30 Uhr, verschiedene Spielstätten: Vorstellungen der Performances »Designerbabys«, »Baby mit 50« und »Leihmütter, Samenspender, Google-Babys«

 

14 Uhr, Winterer-Foyer: Abschlussveranstaltung

 

Preise: Tagesticket 12 €, erm. 8 €. Gesamtticket 22 €, erm. 15 €. Schüler 8 €

 

Die Theaterperformances:

 

Diese Kinder sind in Ordnung

Mit Rebecca Klingenberg; Gabriel von Berlepsch, Konrad Singer

(Regie: Boris Nikitin)

 

Baby mit 50 – Erst Karriere, dann Kinderkriegen?

Ausgehend von den Extremfällen von heute – Gianna Nannini (1. Baby mit 54), Eva (1.Baby mit 48), Dominique C. (1. Baby mit 64) und diversen ganz normalen Vätern über 50, machen sich sieben Frauen zwischen 17 und 80 auf den Weg in die Zukunft: das Speichern von Fruchtbarkeitsreserven, wie z.B. Egg-Freezing und Eizellenspenden, sind Normalität. Unsere Lebensläufe und Familienmodelle sind dadurch neu strukturiert, der Begriff der MUTTER ist ein völlig anderer, er verteilt sich auf mehrere Bezugspersonen. Der Lebenslauf einer Frau wird endlich nicht mehr von ihrer biologischen Uhr bestimmt, sondern der Freiheit, wirklich ihr eigenes Leben in die Hand nehmen zu können. Karriere und Selbstverwirklichung müssen nicht mehr getrennt werden von Familie und Kind!

Künstlerische Leitung: Katrin Hentschel / Dramaturgie: Viola Hasselberg / Wissenschaftliche Beratung: Claudia Bozzaro, Dr. Oliver Müller

 

Designerbabys – Was für ein Kind will ich haben?

Was für ein Kind möchte ich? Welche Eigenschaften soll es haben? Werden diese Fragen in naher Zukunft für Menschen mit Kinderwunsch selbstverständlich sein? Durch die rasanten Fortschritte in der humangenetischen Forschung und die wachsenden Möglichkeiten vorgeburtlicher Diagnostik und Manipulation zielt die ethische Frage, wer wir als Gattung sind und sein möchten, auf vorpersonales Leben, auf das Stadium des Achtzellers und könnte im Labor beantwortet werden. Elf Darsteller begeben sich stellvertretend für uns alle in einen Fragendschungel und auf eine internationale Themenreise, die auf La Gomera beginnt: Hier brach Ingrids Krankheit aus. Im Rollstuhl übernimmt sie die Reiseleitung zur dänischen Storchenklinik, zur staatlich finanzierten Präimplantationsdiagnostik (PID) in Israel, zu dem deutschen Frauenarzt Bloechle, der sich selbst anzeigte. Ein Designerbaby klagt seine Eltern an, ein Biologiestudent exportiert improvisierte Humangenetiklabore als Exportschlager nach Brasilien, ein Paar wünscht sich die künstliche Befruchtung bei zeitgleichem sexuellen Höhepunkt und ein junger Mann mit andersartiger Begabung bringt alle wieder zur Vernunft.

Künstlerische Leitung: Jessica Glause / Dramaturgie: Ruth Feindel / Wissenschaftliche Beratung: Tobias Eichinger

 

Unerfüllter Kinderwunsch – Ein technisch lösbares Problem?

»Wie weit würden Sie gehen, um ein eigenes Kind zu bekommen?« Diese Fragestellung steht am Beginn eines 90minütigen Parcours durch ein Labyrinth gesellschaftlicher Tabus, wiederkehrender Enttäuschungen, reproduktionsmedizinischer Behandlungsangebote im In- und Ausland, individueller Konfliktsituationen und geweckter Hoffnungen. Die Zuschauer begeben sich paarweise auf eine Reise mit ungewissem Ausgang.

Künstlerische Leitung: Frank Oberhäußer / Dramaturgie: Heike Müller-Merten / Wissenschaftliche Beratung: Dr. Jochen Boldt

 

Leihmütter, Samenspender, Google-Babys – Kind auf Bestellung?

Zweihundert Kinder haben? Geburten outsourcen? Sich eine Familie aus dem Katalog zusammenstellen? Alles möglich! In der Regel kostet es nur etwas Geld und Geduld. Ist das pervers? Ist das legitim? Meine Mutter hat mich als Eizelle vor fünfzig Jahren einfrieren lassen. Vor zwanzig Jahren hat ihr Enkel die Eizelle mit seinem Sperma befruchtet. Meine Mutter ist also meine Großmutter und mein Vater ist mein Neffe. Sind Schicksale wie dieses bald Normalität? Meine Tochter sieht aus wie ich! Mein Vater gleicht mir! Gehören diese Sätze bald der Vergangenheit an? »Leihmütter Samenspender Googlebabies« untersucht die Erschütterung der Identitäten unter reproduktionsmedizinischen Vorzeichen. Was ist natürlich, welches Schicksal akzeptiere ich als Schicksal und wo bestimme ich?

Künstlerische Leitung: Andreas Liebmann / Dramaturgie: Josef Mackert / Wissenschaftliche Beratung: Uta Bittner

 

Außerdem:

 

Gesprächsrunden u. a. mit: Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff (kath. Moraltheologe), Ed Houben (Samenspender aus Holland), Martin Spiewak (Wissenschaftsjournalist der ZEIT), Josephine Johnston (Bioethikerin / Juristin am Hastings Center, New York, USA), Prof. Dr. Johannes Huinink (Soziologe), Zippi Brand Frank (Regisseurin des Films »google baby«), Prof. Dr. Giovanni Maio (Bioethiker) und Freiburger Reproduktionsmedizinern

 

*****

 

Informationen über die referierenden Experten:

 

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otfried Höffe

Professor für Philosophie an der Universität Tübingen und seit 2009 Präsident der Nationalen Ethikkommission der Schweiz. Von 1997 bis 2000 war er außerdem Mitglied der zentralen Ethikkommission der Deutschen Bundesärztekammer.

Prof. Dr. Jan-Steffen Krüssel

Leiter des Kinderwunschzentrums der Uniklinik Düsseldorf und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin.

Prof. Dr. Franz Geisthövel

Reproduktionsmediziner am `Centrum für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin´ (CERF) in Freiburg.

Ed Houben

Samenspender aus den Niederlanden, der bisher biologischer Vater von über 70 Kindern auf der ganzen Welt ist.

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff

Professor für katholische Moraltheologie an der Universität Freiburg und Mitglied des Deutschen Ethikrates.

Martin Spiewak

Redakteur im Wissens-Ressort der ZEIT und Autor des Buches "Wie weit gehen wir für ein Kind? Im Labyrinth der Fortpflanzungsmedizin", in dem er seine eigenen Erfahrungen mit künstlicher Befruchtung beschreibt.

Josephine Johnston

Bioethikerin und Juristin. Seit 2006 forscht sie am Hastings Center in New York, einem unabhängigen Institut mit den Schwerpunkten Gesundheit, Biotechnologie und Umwelt.

Eveline Nay

wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum Gender Studies der Universität Basel mit dem Forschungsschwerpunkt "Regenbogenfamilien" und biomedizinische Reproduktionstechnologien.

Prof. Dr. Monika Frommel, Direktorin des Instituts für Sanktionenrecht und Kriminologie der Universität Kiel. Sie veröffentlichte Stellungnahmen u.a. zu den Themen Abtreibungsrecht, Auslegung des Embryonenschutzgesetzes, In-vitro-Fertilisation und PID.

Dr. Sonja Mewes

Dipl.-Biologin und Lehrerin für Biologie und NWT am Montessori Zentrum ANGELL Freiburg.

Dr. med. Werner Bartens

leitender Redakteur im Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung und Autor zahlreicher populärer Sachbücher zum Thema Medizin.

Thomas Lindemann

freier Journalist und Autor des Ratgebers „Kinderkacke. Das ehrliche Elternbuch“ (2010). Im Mai 2011 wird voraussichtlich sein neues Buch über die „Reproduktionsmafia“ erscheinen.

Prof. Dr. Johannes Huinink

Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Theorie und Empirie der Sozialstruktur“ am Institut für empirische und angewandte Soziologie der Universität Bremen.

Jürgen Kaube

Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dort zuständig für Wissenschafts- und Bildungspolitik.

Zeynep Gürtin-Broadbent

wissenschaftliche Mitarbeiterin am `Centre for Family Research´ der University of Cambridge und Ko-Direktorin des `Cambridge Interdisciplinary Reproduction Forum´.

Zippi Brand Frank

israelische Regisseurin der mehrfach ausgezeichneten Dokumentation "google baby" über (homosexuelle) israelische Paare, die mithilfe von amerikanischen Eizellspenden und indischen Leihmüttern Kinder bekommen.

Prof. Dr. Eva Illouz

Professorin für Soziologie und Anthropologie an der Hebräischen Universität Jerusalem. Dort forscht sie u.a. über die kapitalistische Konsumgesellschaft und die Medienkultur.

 

 

 

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