HomeBeiträge
Tödliche SelbsterkenntnisTödliche SelbsterkenntnisTödliche Selbsterkenntnis

Tödliche Selbsterkenntnis

"Der Zwerg" von Alexander Zemlinsky in der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg

Copyright: Hans Jörg Michel

 

Dass Märchenhandlungen meist alles andere als freundlich sind, bewahrheitet sich auch in Alexander Zemlinskys tragischer Oper "Der Zwerg" nach Oscar Wilde. Die Infantin hat Geburtstag, unter den vielen Geschenken befindet sich auch ein Zwerg. Dieser ist sich seiner Hässlichkeit nicht bewusst. Er fühlt sich durch die Aufmerksamkeit der Hofgesellschaft ermuntert, der Prinzessin seine Liebe zu gestehen, wird von ihr aber abgewiesen. Als er im Spiegel sein wahres Gesicht erkennt, bricht er zusammen und stirbt.

 

Mit viel psychologischem Gespür inszenierte Immo Karaman dieses Märchen für die Deutsche Oper am Rhein, das jetzt in einer Wiederaufnahme zu sehen war. Die starre spanische Hofgesellschaft, hier sind es Mädchen in Schuluniformen mit Faltenröcken und Kniestrümpfen. Sie bewegen sich noch zwischen kindlicher Neugier, aber auch Boshaftigkeit, und erstem sexuellen Erwachen. Der Zwerg wird als Spielzeug wahrgenommen, der einerseits amüsiert, anderseits aber auch Schrecken und Abwehr hervorruft. Einzig die Lieblingszofe Ghita vermag ihn als menschliches Wesen wahrzunehmen. Lange bleibt der Zwerg in einem überdimensionierten Geschenkkarton halb verborgen, seine Missgestalt behauptet Karaman, sie wird allein in der Wahrnehmung der Hofgesellschaft sichtbar.

 

Der Zwerg ist der Außenseiter, der sich nicht an die Hofetikette hält und von einer Rolle träumt, die ihm nicht zugestanden wird. Raymond Very spielt diesen Zwerg grandios. Ebenso überzeugten Sylvia Hamvasi als etwas blasierte Donna Clara und Anke Krabbe als emphatische Ghita. Bühnenbild und Choreographie spielen mit der Idee des Spiegelbildes. Eine überzeugende Inszenierung, die auch vom Publikum gefeiert wurde.

 

"Der Zwerg". Ein tragisches Märchen für Musik in einem Akt von Alexander Zemlinsky

Text von Georg C. Klaren nach Oscar Wilde

 

Musikalische Leitung: Lukas Beikircher

Inszenierung: Immo Karaman

Bühne und Kostüme: Nicola Reichert

Licht: Volker Weinhart

Chorleitung: Christoph Kurig

Dramaturgie: Hella Bartnig

Spielleitung: Esther Mertel

 

Donna Clara: Sylvia Hamvasi

Ghita: Anke Krabbe

Der Zwerg: Raymond Very

Don Estoban: Stefan Heidemann

1. Zofe: Elisabeth Selle

2. Zofe: Lavinia Dames

3. Zofe: Iryna Vakula

Erste Freundin: Eva Bodorová

Zweite Freundin: Anna Tsartsidze

Chor der Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker

 

Letzte Aufführung in dieser Spielzeit: So 22.05.16, Opernhaus Düsseldorf

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Amerikanische Avantgarde

Mit gleich vier Stücken amerikanischer Choreographen der Moderne, die die amerikanische, aber auch die internationale…

Von: Dagmar Kurtz

Kein Ort. Nirgends.

Ein goldener Läufer, golden wie eine Rettungsdecke, nimmt die Mitte der Bühne ein. Im Hintergrund liegt ein Mensch in…

Von: Dagmar Kurtz

Ende einer Spaßgesellschaft

Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie…

Von: Dagmar Kurtz

Clubnacht

Die Bühne schwarz, der Bühnenboden mit dunkler Erde und Plastikbechern bedeckt. Eine Frau kommt aus dem Dunklen und…

Von: Dagmar Kurtz

Distanziert

Man hat sich fein gemacht für das Fest bei den Capulets, alles glänzt und glitzert, die Damen tragen weite Tellerröcke…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

 

Hintergrundbild der Seite
Top ↑