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ULRIKE MARIA STUART von Elfriede Jelinek in den Münchner Kammerspielen

Premiere 29.3.2007, 19.30 Uhr im Schauspielhaus.

 

Elfriede Jelineks "Königinnendrama" ist aufgespalten in drei "Teilstücke", also drei verschiedene Streckenabschnitte eines Weges, die anscheinend immer noch in Konstruktion oder bereits wieder in Reparatur sind.

Man muss jedoch daran zweifeln, dass sie je ein ‚schönes Ganzes' ergeben könnten, denn eigensinnig wehren sie sich ge-geneinander.

 

Das Erste Teilstück scheint ein Familiendrama widerzuspiegeln, das am 14. Mai 1970 mit Ulrike Meinhofs Beteiligung an der "Befreiung" von Andreas Baader beginnt und mit ihrem Tod am 8. Mai 1976 endet. Das Zweite Teilstück kreist manisch um einen einzigen Augenblick: Gudrun Ensslins Verhaftung in einer Hamburger Boutique am 7. Juni 1972. Erst im Dritten Teilstück taucht Schillers Schatten im Text wirklich auf, stehn sich die beiden Königinnen unversöhnlich gegenüber, beginnt ein großes Trauer-Stück von Zürnen und von Flehen.

 

Aber: Elfriede Jelinek bietet uns bei alledem nicht im mindesten ein dokumentarisches Stück. Abseits billiger RAF-Aufarbeitungs-Mode sucht sie einen anderen Sprach-Weg in deren Unheilsgeschichte. Was sie dabei zum Sprechen bringt, ist vor allem ihr eignes Denken angesichts einer nur schlecht vernarbten Wunde unserer Vergangenheit. Nicht nur für die beiden Königinnen, vor allem auch für den Dialog Elfriede Jelineks mit den untoten Terroristen gilt der Satz: "Wir stehn einander selbst nun gegenüber." Wird uns das Frieden bringen?

 

Jossi Wieler, der durch seine ungewöhnlichen Inszenierungen der Jelinekschen Textflächen als Spezialist für diese Autorin gelten kann, wird mit seiner Inszenierung die Arbeit an den Münchner Kammerspielen fortsetzen.

 

Elfriede Jelinek, 1946 in der Steiermark geboren, gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie debütierte 1970 mit ihrem Roman "Wir sind Lockvogel, Baby", 1979 schrieb sie ihr erstes Theaterstück "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte". Seither hat sie sowohl in der Dramatik als auch mit ihren Romanen neue Maßstäbe gesetzt. 2004 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.

 

 

Regie Jossi Wieler

Bühne Jens Kilian

Kostüme Anja Rabes

Dramaturgie Tilman Raabke

Musik Wolfgang Siuda

Licht Max Keller

 

Chor der Greise Werner Rehm

Ulrike Maria Bettina Stucky

Prinz / Andreas Leicester Sebastian Rudolph

Gudrun Elisabeth Brigitte Hobmeier

Linette J. Hildegard Schmahl

 

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