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Uraufführung: EINE VERSION DER GESCHICHTE von Simone Kucher im Schauspielhaus Zürich

Premiere: Donnerstag, 4.10.2018, 19:30 Uhr, Pfauen/Kammer

Lusine ist Musikerin und lebt in Berlin. Über die Herkunft ihrer eigenenFamilie weiss sie nur, dass ihr Grossvater vor vielen Jahren aus Armenien über Berlin in die USA emigrierte. Von ihrem Bruder Sammy erhält Lusine ein geheimnisvolles Tonband. Eine helle Männerstimme ist darauf zu hören, sie ähnelt der ihres Grossvaters.

 

Das Tonband wird zum Ausgangspunkt einer Reise in eine totgeschwiegene Vergangenheit, die unauflösbar mit dem Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 verbunden ist. Die europäischen Staaten reagierten damals nicht und schwiegen. Und oft bleibt in den betroffenen Familien das unfassbare Leid nur als ein ungebrochenes Schweigen über Generationen präsent.

Die Mütter und Väter verstummen oder verstellen ihre Stimme – wie der Wolf mit der Kreide in „Die sieben Geisslein“. Auf welcher Seite standen die eigenen Grosseltern, auf welcher Seite steht sie selbst? Ob Wolf oder Geisslein wird auf einmal zur konkreten Frage, als ihr Dirigent Lusine bittet, in Berlin an einem Konzert gegen das Vergessen teilzunehmen. Als sie sich schliesslich doch entscheidet, gegen das Schweigen anzutreten – nicht nur in ihrer eigenen Familie – ist es vielleicht zu spät; die Zeugen sind schon tot oder für immer verstummt. Nur die, die überleben, können davon erzählen.

„Eine Version der Geschichte“ kreist um die Frage nach der Fassbarkeit des individuellen und kollektiven Gedächtnisses und der Darstellbar-keit von Geschichte. „Wann werden die Geschichten zur Geschichte? Oder andersherum. Wann wird Geschichte zu einer Geschichte“, fragt Lusine.

Das Stück von Simone Kucher ist eines der Gewinnerstücke der Autoren-theatertage Berlin 2018 und folgt in der Regie von Marco Milling der akustischen Spur der Tonbänder. Kucher lebt nach Stationen in Jerusalem und den USA heute in Berlin. Neben Theaterstücken, die auf inter-nationalen Festivals gezeigt und mehrfach nachgespielt wurden, schrieb sie Hörspiele. Ihre Kurzgeschichten erschienen u. a. im Suhrkamp Verlag.

Marco Milling studierte Vergleichende Literaturwissenschaft. Ab 2015 assistierte er am Stadttheater Bremerhaven, seit 2016 ist er Regieassistent am Schauspielhaus Zürich. Hier zeigte er bereits eine Adaption von Kafkas „Urteil“ 2017.

Regie Marco Milling
Bühne Simon Sramek
Kostüme Liv Senn
Soundtrack Léo Collin
 Licht Daniel Leuenberger
Dramaturgie Benjamin Große

Mit: Lusine Lisa-Katrina Mayer Mutter Isabelle Menke Alter Mann Ludwig Boettger Charles Matthias Neukirch Sammy Christian Baumbach

Weitere Vorstellungen in der Pfauen/Kammer
8./10./12./15./18./23./25./26./30. Oktober, jeweils 19:30 Uhr 1./4./5. November, jeweils 19:30 Uhr 23. Oktober / 1. November mit Englischen Untertiteln Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin im Rahmen der Autoren-theatertage

Mehr als Zuschauen / Rahmenprogramm zu „Eine Version der Geschichte“
Inszenierungseinblick
Bereits vor der Premiere haben Interessierte die Gelegenheit, die neue Inszenierung kennenzulernen. 27. September, 19:00–20:30, Treffpunkt Schiffbau/Foyer, Eintritt frei

 

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