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Uraufführung "Quicksilver" von Georg Gräwe in der Semperoper Dresden

Premiere am 24. November, 20 Uhr in der kleinen szene.

"Quicksilver" ist eine Oper ohne Mozart. Sie behandelt weder das Leben des berühmten Komponisten noch versucht sie, die besondere Qualität Mozarts zu zeigen oder in Frage zu stellen. Die Geschichte des Musikers Quick ergab sich aus dem Staunen über die Wirkungen von Mozart:

Es gibt Mozart-Mousepads, Mozart-Joghurt und das Rasierwasser "Mozart for Men"; wir hören die Kleine Nachtmusik in der Telefon-Warteschleife und das Requiem am Salzburger Hauptbahnhof. In der Oper "Quicksilver", die am 24. November, 20 Uhr in der kleinen szene ihre Uraufführung erlebt, wird der bislang erfolglose Musiker Quick von drei Frauen, denen er Geld schuldet, weltweit vermarktet. Seine tatsächliche Persönlichkeit und seine Fähigkeiten spielen dabei allerdings keine Rolle, im Gegenteil: Alles, was Quick von sich gibt, wird verändert, damit es sich besser verkaufen lässt. Doch während alle Welt Quicks Musik feiert und Quick-Produkte kauft, verschwindet der Star selbst, geschwächt von der "Liebesseuche" und abhängig von Quecksilber, das ihm ein dubioser Arzt verabreicht hat. Schließlich begegnet der schwer kranke Quick dem Bild, das die Medien von ihm erzeugt haben. Es ist unsterblich - im Gegensatz zum Original.Ein "Making of" wird die künftigen Zuschauer mit dem neuen Stück bekannt machen. Am Sonntag, dem 19. November wird sich 11 Uhr in der kleinen szene der Komponist Georg Gräwe ins Gespräch mit der Dramaturgin des Stückes Ann-Christine Mecke und dem Publikum begeben. Dabei spricht Georg Gräwe über seine Musik und präsentiert CD-Mitschnitte von seinen letzten Konzerten in Köln.. Außerdem dabei: der Librettist Hans-Georg Wegner, der Regisseur Jörg Behr und die Bühnen- und Kostümbildnerin Ariane Schwarz. Und natürlich stellen Musiker und Sänger einen Ausschnitt aus "Quicksilver"vor.

 

Die Kooperation, die Genre-Grenzen überschreitet

Bereits zum dritten Mal entsteht eine Aufführung der Semperoper in Kooperation mit den verschiedenen künstlerischen Hochschulen Dresdens. Doch mehr als bei den vorigen Produktionen ("Mini-Stories" und "Wir sind daheim") überschreitet "Quicksilver" die Grenzen zwischen verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen: Sänger des Studiengangs "Jazz/Rock/Pop" schaffen mit Regisseur Jörg Behr eine zeitgenössische Oper, Dirigent Christian Scheel leitet ein Orchester, das sich aus Jazz-Musikern und klassischen Instrumentalisten zusammensetzt. Drei Tänzerinnen der Palucca-Schule erarbeiten eine Choreographie aus ungewohnt realistischen Bewegungen, während manche Sänger sich in geradezu akrobatischen Körperhaltungen wiederfinden.

 

Der Komponist Georg Gräwe ist innerhalb der kleinen, aber feinen Jazz-Avantgarde eine Berühmtheit. Als Pianist in verschiedenen Formationen hat er über vierzig Tonträger eingespielt und für alle wichtigen Rundfunkanstalten Deutschland, Holland, Österreich, England, Frankreich, Italien, Kanada und USA gearbeitet. Seine Erfahrungen im Jazz-Bereich und seine kontinuierliche Tätigkeit als improvisierender Avangarde-Musiker machen ihn zu einem außergewöhnlichen zeitgenössischen Komponisten. Nach zahlreichen Werken für Orchester, Streicher und Kammerensemble wurde 2003 seine erste Oper "Kopenhagen" in Köln uraufgeführt, 2005 folgte die Videokantate "alle kennen meine visage" in Berlin.

 

Für "Quicksilver" hat Georg Gräwe Musik geschrieben, die verschiedene Stile aufgreift und damit die Möglichkeiten der unterschiedlichen Mitwirkenden nutzt. Typische Jazz-Instrumente, die natürliche Stimmgebung der Sänger und so mancher Akkord sorgen gelegentlich für Anklänge an Jazz, doch blitzschnell wechselt der Eindruck: Ein Klavichord begleitet den Gesang, die tiefen Streicher intonieren ein atonales Leitmotiv. Gräwes Musik ist ebenso temporeich wie unangestrengt, sie stützt den Text, stellt Zusammenhänge zwischen den einzelnen Szenen her und ist dabei auch musikalisch eine Oper ohne Mozart.

 


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