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Uraufführung: "Vor uns die Sintflut", Thalia Theater Hamburg

Premiere 4. September um 19.30 Uhr im Thalia Zelt in der HafenCity

Von fliehenden Kreuzfahrern und seeräubernden Seefahrern

Ein Projekt von Schorsch Kamerun

Eine illustre Gesellschaft hat sich an Bord eines Luxusdampfers versammelt. Doch wo wollen all diese tollen Leute eigentlich hin? Ihre letzten Mittel mussten sie für die geheimnisvolle Fahrt jedenfalls nicht hergeben. Sie wissen sich elegant zu kleiden, schätzen die französische Küche und sind es gewohnt, bedient zu werden. Die Sänger, Tänzer, Künstleragenten und (Möchtegern-)Bohémiens beschäftigt jede Ablenkung deutlich mehr als der bevorstehende Flüchtlingsansturm auf die Tore Europas.

 

Selbst der ebenfalls auf dem Schiff anwesende Reise-Reporter fühlt sich stärker zur genauen Beobachtung junger Schönheiten berufen, als sich für die internationalen Krisenlage zu interessieren. Nur eine rätselhaft modebewusste Dame scheint von der Welt außerhalb des Schiffssalons etwas mehr zu wissen als die passenden Tanzschritte zur Musik der nur vorgeblich aus Osteuropa stammenden Bordkapelle: „Tam, Tam, Tam... irgendwo da draußen wird an Zäunen gebaut, um die Festung zu sichern. Tag und Nacht.“

 

Was geschieht nun, wenn diese Zäune plötzlich durchlässig werden?

 

„Über euer scheiß Mittelmeer käm ich, wenn ich ein Turnschuh wär. Oder als Flachbild-Scheiß, ich hätte wenigstens ein’ Preis“ – was, wenn nicht nur für die Warenwelt eine Aufhebung der Grenzen gilt, sondern auch die Frage, welche Menschen mit welchem Pass, mit welcher Legitimation über Grenzen passieren dürfen, eine offene Frage bleibt? Was passiert, wenn sich der Chor der Heizer zur Flüchtlingsschar verwandelt und Einlass in die exklusive Schiffsgesellschaft fordert. Und der staatenlose Matrose, der seine Papiere verloren hat, zum unerwünschten Passagier wird und zwischen Grenzen hin und her geschickt wird?

 

Schorsch Kamerun inszeniert „Vor uns die Sintflut“ im Thalia Zelt, unweit des Golden Pudel Clubs, den er mit anderen Künstlern 1989 am Hafen zwischen besetzten Häusern eröffnete. Mittlerweile ist dieser Stadtteil zur Trade Mark geworden, der Pudel Club, das Bernhard-Nocht-Quartier und weitere Teile in Sankt Pauli längst in der Gentrifizierungs-Diskussion. In Hamburg hat die Debatte um das Gängeviertel Spuren hinterlassen, die Aktion „Unter Geiern“ für Aufruhr gesorgt ebenso wie der unlängst bekannt gegebene Umzug von Daniel Richter nach Berlin.

 

Kamerun, der von München wieder nach Hamburg zieht, führt mit den Thalia-Schauspielern, Musikern aus der Band „Die Goldenen Zitronen“ und einem Hamburger Chor an dem konkreten Ort in der HafenCity ein Experiment durch: Was würde passieren, wenn sich Menschen begegnen, die sich sonst nie begegnen würden.

 

Regie Schorsch Kamerun Bühne Christoph Rufer Kostüme Inga Timm Musik Die Vögel feat. Thomas Wenzel Chorleitung Uschi Krosch Dramaturgie Beate Heine, Tarun Kade

 

Mit Sandra Flubacher, Marina Galic, Lisa Hagmeister, Felix Knopp, Thomas Niehaus, Alexander Simon, Nadja Schönfeldt sowie Pola Fendel, Paul Pötsch, den Musikern Mense Reents, Jakobus Siebels, Thomas Wenzel, dem Kammerchor Altona und einem Überraschungsgast!

 

Weitere Vorstellungen am 5. (B-Premiere), 8., 9., 10., 16., 18., 19., 23., 24., 25., 26., 29. und 30. September, jeweils um 19.30 Uhr sowie am 17. September um 17 Uhr im Thalia Zelt (Strandkai, Nähe Marco-Polo-Terrassen)

 

Der Vorverkauf läuft!

 

Karten unter Tel. 040.32 81 44 44 / www.thalia-theater.de

 

 

 

 

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