Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Volkstheater Wien: "Selbstbezichtigung" von Peter HandkeVolkstheater Wien: "Selbstbezichtigung" von Peter HandkeVolkstheater Wien:...

Volkstheater Wien: "Selbstbezichtigung" von Peter Handke

Premiere 31. Oktober 2015, Volx/Margareten. -----

Jemand, ein Mann oder eine Frau, man weiß es nicht, vergegenwärtigt sich die Ereignisse seines bzw. ihres Lebens. Doch irritierenderweise erfährt man nichts Persönliches. Zur Sprache kommen Verhaltensmuster – und unausweichliche Fehler.

„Ich bin geboren worden. Ich bin in das Geburtenregister eingetragen worden. Ich bin älter geworden.“ Was so unschuldig beginnt, ändert sich plötzlich: „Ich bin verantwortlich geworden. Ich bin schuldig geworden.“ Ein Start in die Auseinandersetzung mit höheren und niedrigeren Ordnungsmächten. Handkes teils vergnügliche, teils bittere Sprachkritik entstand vor &% Jahren im Kontext von sprechenden Titeln wie Hilferufe, Weissagung und, berühmterweise, Publikumsbeschimpfung.

 

Spielerisch schickt Peter Handke seine/n Sprecher/in zur Beichte und nötigt ihm oder ihr eine Selbstbezichtigung ab, wie totalitäre Regime sie ihren Sünder/innen abnehmen. Damit zeigt er etwa die Nähe von Katholizismus und Kommunismus auf und diskutiert die bigotten gesellschaftlichen Schuldbegriffe, bis hin zum eigenen Medium: „Gegen welche Gesetze des Theaters habe ich mich vergangen?“ Diese Beichte kann im Theater nur das Publikum abnehmen.

 

Dušan David Pařízek hat am Prager Kammertheater mehrere Werke von Peter Handke zur tschechischen Erstaufführung gebracht, darunter Die Stunde da wir nichts voneinander wußten, Untertagblues und Publikumsbeschimpfung. Zusammen mit Selbstbezichtigung, seiner dritten Wiener Premiere im Herbst $%!&, widmet sich Pařízek am Volkstheater gleich allen „großen Drei“ des zeitgenössischen österreichischen Welttheaters – Jelinek, Bernhard, Handke. Drei, die nicht nur Staat und Gesellschaft, sondern auch das Theater und seine Aufgabe auseinandernehmen

 

Mit

Stefanie Reinsperger

 

Regie Dušan David Pařízek

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 8 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑