"Volpone oder Der Fuchs" von Ben Jonson, Fassung von Stefan Zweig, Schauspiel Graz

PREMIERE am 11. Oktober 2015, 19.30 Uhr, HAUS EINS. ----- Die sprechenden Namen in dieser um 1600 entstandenen bösen Komödie sind deutlich: Schmeißfliege, Geier, Habicht, Rabe und Krähe wittern das Aas des Fuchses und vergessen darüber, was das Menschsein eventuell auch ausmacht.
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Geiz, Gier, Geilheit, Vorteilsdenken und Opportunismus sind die Charakterzüge, anhand derer die Zuschauenden hier erkennen dürfen, dass der Mensch in ungünstigen Situationen ein schlimmes Untier ist.

Volpone, der Fuchs, hat keine Erben und zwei Leidenschaften: die Vermehrung seines Vermögens und die schöne Colomba, die er ins Bett kriegen will. Und er glaubt, er sei schlauer als alle, die da in sein Haus kommen, um ihm vermeintlich beim Sterben zuzuschauen und an deren Dummheit und Unterwürfigkeit er sich ergötzt.

Überwacht und geleitet wird die Prozession der Erbschleichenden von Mosca, der Schmeißfliege, die ihrerseits hofft, an das Geld ihres Dienstherren zu gelangen. Beim herbeiintrigierten Stelldichein mit Colomba verhindert jedoch Leone, der Löwe, mit gezücktem Degen das Tête-à-Tête. Vor Gericht wird der Fall aufgerollt, doch nach wie vor ist die Gier nach Gold größer als der Wahrheitssinn der Zeugen, und es braucht einige Zeit, bis jeder und jede das kriegt, was sie oder er verdient.

Die Regisseurin Claudia Bauer inszenierte den „Volpone“ in der Spielzeit 2013.2014 am Konzert Theater Bern in einer eigenen Fassung und ihrer kräftigen, von den Prinzipien Meyerholds inspirierten Spielweise. Für Graz wird sie die Inszenierung adaptieren und neu einrichten.

Claudia Bauer, geboren 1966 im niederbayerischen Landshut, studierte Schauspiel und Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Von 1999 bis 2004 war sie künstlerische Leiterin des Theaterhauses Jena. Sie war Hausregisseurin am Neuen Theater Halle, inszenierte am Staatstheater Schwerin, am Staatstheater Stuttgart und an der Berliner Volksbühne. An der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ hatte sie eine Gastprofessur im Bereich Schauspiel und Regie inne.

In den vergangenen Jahren inszenierte Claudia Bauer am Theater Magdeburg, am Theater und Orchester Heidelberg, am Neuen Theater Halle, am Staatstheater Stuttgart, am Schauspiel Hannover, am Theater Dortmund, am Schauspiel Leipzig, sowie am Konzert Theater Bern. Am Schauspielhaus Graz war sie bereits mit Inszenierungen (u. a. „Metropolis“) zu Gast.

Ben Jonson

1572 in London geboren, gehört Ben Jonson gleich hinter seinem Zeitgenossen William Shakespeare in die Riege bedeutendster englischer Dramatiker. Jonson übte eine Reihe von Berufen aus – vom Maurer zum Soldaten, zum fahrenden Schauspieler bis hin zum Hofpoeten unter James I. – und saß eine Zeitlang sogar im Gefängnis. Der Höhepunkt seines Schaffens lag vor allem im frühen 17. Jahrhundert. Er gilt als prägender Verfasser der „Comedy of Humours“ – einer englischen Form der Typenkomödie. Insbesondere seine Werke „Volpone“ und „The Alchemist“ fanden großen Anklang im Theatergeschehen der Renaissance. „Volpone“ wurde vermutlich 1606 verfasst.

Stefan Zweig

Der 1881 in Wien geborene Stefan Zweig zählt zu den meistgelesenen deutschsprachigen Schriftstellern und hat die Literatur vor allem mit Werken wie der „Schachnovelle“ oder „Sternstunden der Menschheit“ geprägt. Neben seinem Philosophie-Studium war Zweig nicht nur als Autor, Dichter und Journalist aktiv, sondern auch immer wieder als Übersetzer tätig. Ben Jonsons Originalskript von „Volpone“ kam ihm zwar abhanden, dennoch gelang ihm aus dem Gedächtnis eine freie Übertragung des Stückes, der er nicht nur neue Charaktere und ein abgewandeltes Ende hinzufügte, sondern bei der schlussendlich eine völlig neue Version der Komödie entstanden war, die sogar wieder ins Englische rückübersetzt und dort gespielt wurde.

Regie Claudia Bauer

Bühne und Kostüme Patricia Talacko

Musik Peer Baierlein

Dramaturgie Karla Mäder, Sabrina Hofer

Besetzung Volpone (Fuchs), ein reicher Kaufmann: Andri Schenardi

Mosca (Mücke), seine Schmarotzerin: Julia Gräfner

Corbacci0 (Krähe), ein Wucherer: Franz Solar

Voltore (Geier), Notar: Franz Xaver Zach

Corvino (Rabe), Kaufmann: Pascal Goffin

Colomba (Taube), Gattin des Corvino: Tamara Semzov

Leone Capitano (Löwe), Sohn des Corbaccio:

Benedikt Greiner

Richter (im Video): Gerhard Balluch

weitere Vorstellungen am 16., 17., 21., 28. und 29. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, sowie ab November

Tickets

T 0316 8000, F 0316 8008-1565, E tickets@ticketzentrum.at

I www.schauspielhaus-graz.com

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