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Vorsicht Kunst!Vorsicht Kunst!Vorsicht Kunst!

Vorsicht Kunst!

"Don Pasquale" von Gaetano Donizetti in der Deutschen Oper am Rhein

Copyright: Thilo Beu

 

Das Eheleben hat sich Don Pasquale doch ganz anders vorgestellt! Die Braut, die ihm von seinem Hausarzt empfohlen wurde und beim Vorstellungsbesuch als schüchterne Klosterschülerin auftrat, entpuppt sich nach der Heirat als herrische, verschwenderische und vergnügungssüchtige Frau, die seinen Haushalt auf den Kopf stellt und ihm sogar Ohrfeigen erteilt. Er ahnt nicht, dass er Opfer einer Intrige ist, die angezettelt wurde, damit er der Heirat seines Neffen Ernesto mit Norina zustimmt. Die Handlung von Gaetano Donizettis Oper "Don Pasquale" bedient sich typischer Charaktere der Commedia dell'arte: Don Pasquale entspricht Pantolone. dem komischen Alten, der sich in eine junge Frau verliebt und sich zum Gespött der Leute macht.

 

Für die Deutsche Oper am Rhein hat Rolando Villazón diese Opera buffa jetzt neu inszeniert und ein Feuerwerk an Ideen entfacht. Schon in der Ouvertüre startet er mit zwei hinzuerfundenen Figuren: einer Sekretärin und einem Polzisten, die immer wieder zu einem Techtelmechtel hinter der Bühne verschwinden. Ebenfalls hinzuerfunden ist die Figur eines erfolglosen Kunsträubers, der als running Gag artistisch durch die Oper klettert. Don Pasquales Heim ist mit hochkarätiger Kunst aus dem 16. - 18. Jahrhundert ausgestattet, u.a. der Mona Lisa von Leonardo da Vinci, der Venus von Milo, Delacroix, etc. Der gediegenen, gehobenen Bürgerlichkeit Don Pasquales steht der Neffe Enrico im Malerkittel, der sich mit Norina in der Kunstszene herumtreibt, entgegen. In einer angesagten Bar, angelehnt an Edward Hoppers "Night Hawks" mit rollschuhfahrenden Kellnerinnen oder in Andy Wahrhols Factory trifft man sich zusammen mit Gilbert und George, John Lennon und Yoko Ono zu Happenings. Aus diesem Kreis rekrutiert sich auch der falsche Notar, der ein Hippie und Anhänger der Hare Krishna Sekte ist - und der auch einem gelegentlichen Joint nicht abgeneigt ist. Nach der vermeintlichen Heirat mit Sofronia, hinter der sich Norina verbirgt, halten Werke der Pop Art Einzug in Don Pasquales Wohnzimmer. Statt Leonardo nun Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Mel Ramos und Niki de St. Phalle. Norina trägt nun statt des sittsamen Kostüms ein von Paco Rabanne inspiriertes sexy Metallplättchenkleid.

 

Die vielen spritzigen Einfälle, die sich aus der Verlegung der Oper in die Zeit der 1970er Jahre ergeben, machen Villazóns Inszenierung zu einem sehenswerten, sehr unterhaltsamen Ereignis, das aber auch so etwas wie Mitleid mit Don Pasquale aufscheinen lässt, wenn sich Norina einen Moment lang fragt, ob sie nicht zu weit gegangen ist. Mit sichtbarer Spielfreude und auf hohem gesanglichen Niveau agieren Lucio Gallo als Don Pasquale, Dmitri Vargin als Doktor Malatesta, Ioan Hotea als Ernesto, Elena Sancho Pereg als Norina und Daniel Djambazian als Notar. Rundum gelungen, wie auch das Publikum durch einhellige Zustimmung zeigte!

 

Dramma buffo in drei Akten

Eine Koproduktion mit der Volksoper Wien

Libretto von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti

 

Musikalische Leitung: Nicholas Carter

Inszenierung: Rolando Villazón

Bühne: Johannes Leiacker

Kostüme: Thibault Vancraenenbroeck

Licht: Davy Cunningham

Chorleitung: Gerhard Michalski

Dramaturgie: Hella Bartnig

 

Don Pasquale: Lucio Gallo

Doktor Malatesta: Dmitri Vargin

Ernesto: Ioan Hotea

Norina: Elena Sancho Pereg

Notar: Daniel Djambazian

Kunsträuber: Susanne Preissler

Chor der Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker

 

Premiere Samstag, 29. April 2017, 19.30 Uhr – Opernhaus Düsseldorf.

 

 

 

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