Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
WILHELM TELL von Friedrich Schiller im Schauspielhaus ZürichWILHELM TELL von Friedrich Schiller im Schauspielhaus ZürichWILHELM TELL von...

WILHELM TELL von Friedrich Schiller im Schauspielhaus Zürich

Premiere: Donnerstag, 14.3.2013, 20 Uhr, Pfauen. -----

Friedrich Schillers ideologisches Schauspiel von 1804 hat sich nicht nur als eines der populärsten Dramen der Deutschen Klassik erwiesen, es ist auch selbst nicht gefeit vor ideologisch-populistischer Vereinnahmung.

Allzu leicht fällt die Identifikation mit den aufmüpfigen Helden dieses Stücks, die sich nichts gefallen lassen, allzu einfach scheint es, Parallelen zwischen ausländischen Ordnungsmächten damals und heute zu ziehen, die das stille Glück des Individuums stören und „alte Bande“ zerreissen wollen – „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Die Innerschweiz des Jahres 1291 in der treffsicheren Kombination von Rütlischwur

und Apfelschuss dient Schiller dabei als märchenhaftes Beispiel, um das Recht auf Tyrannenmord zu diskutieren. Mit akribischer Orts- und Geschichtskenntnis und ohne je da gewesen zu sein, zeichnet der Dichter die Waldstätte als Muster für gesellschaftliches Handeln.

 

Der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek, von dem im Pfauen zuletzt „Faust 1–3“ von Johann Wolfgang von Goethe und Elfriede Jelinek sowie Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“ zu sehen waren, wirft einen ausserschweizerischen Blick auf die Innerschweiz. Nur welchen Tell wird Pařízek zeigen? Einen politischen Attentäter, der sich durch seinen Anschlag auf den verhassten ausländischen Statthalter Gessler an die Spitze der Bewegung katapultiert? Einen eigenbrötlerischen Gebirgsjäger, der persönliche Rache nimmt an einem Mann, der ihn fast zum Mörder seines Kindes werden liess? Ein Provinz- Superman mit kräftigen Schultern und schwerem Geschoss, der sich Gruppenzwängen geschickt verweigert? Oder einfach eine aus Skandinavien eingeschleuste Sagenfigur, in der sich das Wunschdenken von Generationen abbildet?

 

Dušan David Pařízek wurde 1971 in Brünn geboren. Nach seinem Studium der Komparatistik und Theaterwissenschaften an der Universität München sowie Schauspiel und Regie an der Akademie für Darstellende Künste in Prag leitete er von 1998 bis 2012 das Ensemble „Prager Kammertheater“, das er gegründet hatte und das seit 2002 im „Divadlo Komedie“ in der Prager Innenstadt beheimatet war. Neben Uraufführungen tschechischer Dramatiker zeigte diese in Tschechien mehrfach als „Theater des Jahres“ ausgezeichnete Bühne vor allem Werke zeitgenössischer österreichischer und deutscher Autoren, die in neuen Übersetzungen oder Bearbeitungen gespielt wurden. Pařízek widmete sich in Prag mehrfach dem Werk Thomas Bernhards und Elfriede Jelineks, er inszenierte Stücke von Robert Musil und Roland Schimmelpfennig. Seit 2002 führt er regelmässig in Deutschland Regie, so am Deutschen Theater Berlin („Die Verwirrungen des Zöglings Törless“), am Staatstheater Dresden („Der

Prinz von Homburg“) und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg („Die Hermannsschlacht“, „Kabale und Liebe“, „Dantons Tod“, „Götz von Berlichingen“). Dušan David Pařízek stellte sich dem Zürcher Publikum 2010 erstmals mit einer Theateradaption von Agota Kristofs Roman „Gestern“ vor.

 

WILHELM TELL

von Friedrich Schiller

Regie Dušan David Pařízek

Bühne Dušan David Pařízek

Kostüme Kamila Polívková

Licht Christoph Kunz

Musik Roman Zach

Dramaturgie Roland Koberg

 

Mit:

Frank Seppeler Hermann Gessler

Siggi Schwientek Werner, Freiherr von Attinghausen/Walterli

Sean McDonagh Ulrich von Rudenz

Lukas Holzhausen Werner Stauffacher

Gottfried Breitfuss Walter Fürst

Fritz Fenne Arnold von Melchtal

Michael Neuenschwander Willhelm Tell

Sarah Hostettler Gertrud

Irina Kastrinidis Hedwig

Miriam Maertens Berta

 

Weitere Vorstellungen im Pfauen

19./ 26./ 27. März, jeweils 20 Uhr

17./ 24. März, jeweils 15 Uhr

4./ 5./ 10./ 14./ 18./ 24./ 30. April, jeweils 20 Uhr

1. April, 19 Uhr

1. Mai, 19 Uhr

Weitere Vorstellungen sind in Planung.

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑