Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Wuppertaler Bühnen: IDOMENEO von Wolfgang Amadeus MozartWuppertaler Bühnen: IDOMENEO von Wolfgang Amadeus MozartWuppertaler Bühnen:...

Wuppertaler Bühnen: IDOMENEO von Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere am 16. April 2011, 19.30 Uhr im Opernhaus. -----

 

Was Agamemnon auf der Überfahrt nach Troja mit seinen Truppen erleben musste, das erlebt 10 Jahre bei seiner Rückkehr auf die Insel Kreta Idomeneo, ein anderer griechischer Kriegsherr: die Launen des Gottes Poseidon.

 

Agamemnon verwehrt er den nötigen Wind zur Weiterfahrt, Idomeneo

schickt er einen Sturm, der den Hafen unerreichbar macht. Beide Könige befreien sich – zunächst –durch ein Opfer, ein Menschenopfer: Agamemnon tötet seine Tochter Iphigenie, Idomeneo verspricht, das er das erste Wesen, was er bei seiner Rückkehr nach Kreta erblickt, dem Poseidon opfert. Es wird sein eigener Sohn Idamante sein.

 

Was bei den Atriden eine furchbare Kette von Morden nach sich zieht, wird in der Oper von Mozart Auslöser einer unerträglichen Hängepartie, denn Idomeneo äußert sich nicht zum Sachverhalt. Nichts erfährt sein Sohn (der sich brüsk abgewiesen fühlt), nichts sein Volk. Idamante, der die trojanische Kriegsgefangene Ilia liebt, soll Elettra in ihre Heimat nach Mykene begleiten – ein Opfer, was nicht da ist, kann er auch nicht umbringen, so die fatale Logik Idomeneos. (Hier schließen sich die beiden Familiengeschichten.

 

Elettra, Agamemnons zweite Tochter, hatte sich nach Kreta gerettet und sich in Idamante verliebt.) Doch Poseidon will sein Opfer. Er schickt ein Meeresungeheuer, um die Abfahrt zu vereiteln. Idamante tötet das Ungeheuer, und jetzt erst - nachdem der Druck des Volkes auf ihn zu groß

geworden ist - deckt Idomeneo alles auf. Idamante ist sofort bereit, doch Ilia, die trojanische Prinzessin, möchte sich an seiner Statt opfern. Da hat der Himmel ein Einsehen. „Die Liebe hat gesiegt“. Idomeneo tritt ab, Idamante wird König und heiratet Ilia. Elettra wird wahnsinnig.

 

Mozart füllt die festgezurrte Form der opera seria mit psychologisch präzisen, musikalisch ungemein erfindungsreichen Figurenzeichnungen und unterläuft sie mit Mitteln, die erst künftige Opernkomponisten zur vollen Blüte entwickeln werden. Da, wo die seria-Form handlungserfüllte Rezitative und handlungsarme Arien vorsieht, definiert Mozart die Funktionen um und weicht sie auf.

 

Die Figuren funktionieren nicht mehr nach vordefinierten Affekten, denen sie unterworfen sind und die ihnen keine Entscheidungsfreiheit gewähren. Mozart schafft hier psychologische Abschattungen, schafft dramaturgische Übergänge, um die starre Nummernabfolge aufzulösen, er komponiert z.B. ein Quartett, in dem die Musik vier Figuren mit ihren völlig widersprüchlichen Gefühlszuständen in ihrem Leid zu vereinen sucht, er definiert den Chor in der Tradition des antiken Theater als Spiegel und Kontrollinstanz des Herrschers.

 

Schließlich spricht aus Mozarts Spieldramaturgie die Überzeugung, dass es den vernunftbegabten, lernfähigen und als prinzipiell frei definierten Menschen geben möge, der sich von undurchsichtigen, dunklen, willkürlichen Spielzügen (nicht nur) machtverliebter Götter befreien kann.

 

Libretto von Giambattista Varesco

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung: Hilary Griffiths

Inszenierung: Constanze Kreusch

Bühne: Jürgen Lier

Kostüm: Petra Wilke

Choreinstudierung: Jens Bingert

Dramaturgie: Johannes Blum

 

Mit: Robert Chafin (Idomeneo), Joslyn Rechter (Idamante), Dorothea Brandt (Ilia), Elena Fink (Elettra), Christian Sturm (Arbace), Boris Leisenheimer (Oberpriester), Thomas Laske (Stimme des Orakels)

Chor und Extrachor der Wuppertaler Bühnen //// Studierende der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Wuppertal //// Sinfonieorchester Wuppertal

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 23. / 26. und 29. April 2011, am 18. Juni sowie 10. Juli 2011

im Opernhaus.

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑