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„Yvonne, die Burgunderprinzessin“ im Schlosstheater Moers

Die Groteske von Witold Gombrowicz ist am 4. Februar um 19.30 Uhr in der Premiere im Studio, Kastell 6, zu sehen.

In einen richtigen Hofstaat verwandelt das Schlosstheater Moers die Studiobühne. „Der Autor gehört zu den polnischen Nationaldichtern und ist für seinen schlitzohrigen Humor bekannt“, berichtete Regisseurin Birgit Oswald bei der Vorstellung des Stücks. Darin trifft der Königssohn Philipp im Park Yvonne. Gelangweilt vom höfischen Leben in einem fik-tiven Königreich nimmt er sie mit und verlobt sich sogar mit ihr. Doch das Mädchen hat einen Fehler: Sie spricht nicht, zumindest äußerst wenig. Anfangs scheint die „Exotin“ noch eine willkommene Abwechslung in der abgestumpften Hofgesellschaft, die sich ihre Kicks durch Alkohol und Drogen holt. Nach und nach entwickelt sich Yvonne zur Zielscheibe der Wut und Aggressionen der Höflinge – bis hin zu

Mordphantasien. „Letztlich ist die Figur wie ein Spiegel, der alle Gefühle auf die anderen zurück wirft“, so Oswald.

 

Das Stück hat Gombrowicz bereits 1934 geschrieben und wurde erst 1964 in Deutschland aufgeführt. Im Laufe der Jahrzehnte hat die Figur der Yvonne viele Interpretationen erfahren: mal wurde sie als Terroris-tin, mal als Behinderte inszeniert. In der Moerser Fassung ist die Lösung aber nicht ganz so einfach. „Wir wollten sie offen gestalten. Yvonne ist einfach ein merkwürdiger Faktor“, erklärte Oswald. Die Frage, wa-rum sie kaum spricht, bleibt unbeantwortet. „Das bietet den Zuschauern viele Möglichkeiten zur Interpreta-tion“, so Dramaturg Joachim Henn, der im Stück auch den „Tant“ spielt. Gegen Ende schleichen sich auch kriminalistische Elemente ein. Wie das Finale aussieht, wird nicht verraten.

Gesagt sei aber soviel, dass das Publikum auch als Hofstaat in das Stück einbezogen wird – ohne sich im „Mitmachtheater“ zu befinden. Die Ausstatterin Johanna Deffner hat ein Bühnenbild geschaffen, in dem das Volk in feine Gewänder gehüllt im Kreis sitzt. „Die Schauspieler agieren nicht in eine Richtung. Jeder Zu-schauer muss sich seinen Blickwinkel selbst suchen und ist ganz nah am Geschehen“, so Deffner. Es spie-len Lisa Karlström, Kerstin Kramer, Eva Müller, Ekkehard Freye, Joachim Henn, Roland Klein und Jonas Vietzke. Die Inszenierung ist übrigens Birgit Oswalds letzte Arbeit in Moers. Danach zieht sie nach Ham-burg und arbeitet als freie Schauspielerin, Regisseurin und Leiterin von Workshops.

 

Vorstellungen sind zu sehen am 5., 11., 12., 21. und 22. Februar, jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet zwölf bzw. sechs Euro ermäßigt. Die Karten sind erhältlich im Foyer des Grafschafter Museums im Moer-ser Schloss. Vorbestellungen unter 0 28 41/201-731.

 

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