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Zürcher Festspiele: Der «Wallenstein» von Rimini Protokoll

Donnerstag, 6. 7. (20h), Freitag 7. 7. (20h) und Samstag 8. 7. (19h), Schiffbau Halle 1.

Rimini Protokoll haben den «Wallenstein» nach Friedrich Schiller inszeniert. Experten, die die Ränkespiele der Macht hautnah miterlebt haben, treffen sich auf der Bühne zu einem raffinierten, berührenden und aufwühlenden Spiel. Die gefeierte Produktion war eingeladen zum Theatertreffen.

DDR-Volkspolizist Ralf Kirsten hatte schon den Entlassungsbrief wegen «politischer Nichteignung», aber dann kam der Mauerfall, und einige Jahre später war er Polizeichef von Weimar. Der charismatische CDU-Jungpolitiker Sven-Joachim Otto eroberte fast die SPD-Bastion Mannheim, kurz darauf wurde er hinterrücks ins Abseits geschoben. Der Vietnam-Veteran Dave Blalock erlebte im Krieg ein Mordkomplott gegen einen grausamen US-Offizier, und Rita Mischereit kennt als Seitensprungvermittlerin die kleinen Geheimnisse von Mächtigen. –

 

Sie alle und einige mehr haben Helgard Haug und Daniel Wetzel vom Regie-Kollektiv Rimini Protokoll auf die Bühne gebracht. Die Erzählungen, Erinnerungen, Geständnisse aus dem eigenen Leben dieser so genannten «Experten» greifen in verblüffender Weise die Themen und Konflikte von Friedrich Schillers dramatischem Gedicht «Wallenstein» auf. Die offene, von Haug/Wetzel konzipierte Bühne versetzt den dramatischen Hintergrund des Klassikers in eine authentische Gegenwart und erlaubt machtpolitische Seiten- und Mehrheitswechsel, Ab- und Ausgrenzungen.

 

Riminis «Wallenstein» war die einzige Inszenierung des komplexesten Stücks von Friedrich Schiller (1759–1805) in dessen Jubiläumsjahr 2005. Mittlerweile steht der Dreiteiler wieder auf den Spielplänen grosser Häuser. Das Stück erzählt den Aufstieg und Fall des Feldherrn Wallenstein im Dreissigjährigen Krieg, der von seinen Soldaten geliebt wurde und sich gegen den eigenen Kaiser mit dem verfeindeten Schweden verbündete (das WM-Achtelfinale Deutschland-Schweden am 24.6. könnte also als Einstimmung auf das Gastspiel dienen).

 

Nach der Uraufführung am 5. Juni 2005 in Mannheim überschlug sich die Kritik quer durch alle Theaterlager. Der Erfolg von Rimini Protokoll und von ihrem einzigartigen Stil hatte damit einen neuen Höhepunkt erreicht. Das deutsch/schweizerische Trio (drittes Mitglied ist Stefan Kaegi) bildet die Speerspitze einer Theaterbewegung, die die Grenzen zwischen Bühne und Realität völlig neu auslotet und ausreizt. Wenig überraschte, dass «Wallenstein» ans Berliner Theatertreffen 2006 eingeladen wurde.

 

Von Rimini Protokoll hat das Schauspielhaus Zürich in der laufenden Spielzeit «Blaiberg und sweetheart19» produziert und hat für die Saison 2006/2007 gleich zwei Uraufführungen («Karl Marx – Das Kapital, Band 1» und «Uraufführung») sowie das Projekt «Call Cutta in a Box» ins Programm aufgenommen.

 

«Wallenstein»

eine dokumentarische Inszenierung von Rimini Protokoll (Haug/Wetzel)

 

Regie, Bühne, Musik, Video Helgard Haug, Daniel Wetzel (Rimini Protokoll) – Umsetzung Bühne, Kostüme Judith Kehrle – Licht Sofie Thyssen – Dramaturgie Imanuel Schipper

Mit (alphabetisch): Dave Blalock, Wolfgang Brendel, Friedemann Gassner, ralf Kirsten, Robert helfert, Rita Mischreit, Dr. Sven-Joachim Otto, Esther Potter, Hagen Reich, Darnell Stephen Summers

Eine Produktion für die 13. Internationalen Schillertage Mannheim / Nationaltheater Mannheim in Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar

 

Gastspiel im Rahmen der Zürcher Festspiele

6.-8. Juli 2006, Schauspielhaus Zürich, Schiffbau Halle 1

 

 

 

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