Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
8. Sächsisches Theatertreffen vom 4.-8. Mai2014 in Leipzig8. Sächsisches Theatertreffen vom 4.-8. Mai2014 in Leipzig8. Sächsisches...

8. Sächsisches Theatertreffen vom 4.-8. Mai2014 in Leipzig

Zu einem Treffen ihrer neuesten, streitbarsten und besten Inszenierungen treffen die elf Stadt-, Staats- und Landestheater des Freistaates Sachsen in Leipzig aufeinander. Anlass ist das 8. Sächsische Theatertreffen, zu dem sich die Sprechtheater des Freistaates alle zwei Jahre zusammenfinden, und das 2014 erstmals unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Tillich steht.

Mit Leipzig kehren die Bühnen an den Ort zurück, an dem sie das Theatertreffen im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben haben. In diesem Jahr haben die Veranstalter, das Schauspiel Leipzig, das Theater der Jungen Welt und der Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein, u. a. auch Produktionen der Freien Szene eingeladen, in einem Leipzig Special teilzunehmen. Fünf Tage lang erhält das Publikum so einen einmaligen Überblick über die sächsische Theaterlandschaft.

 

Das Hauptprogramm des 8. Sächsischen Theatertreffens bestreiten die elf Schauspielhäuser des Freistaates. Das Eduard-von-Winterstein-Theater, Annaberg-Buchholz, zeigt das Zweipersonenstück „Märchenherz“, eine Coming of Age-Geschichte des Dramatikers, Performancekünstlers und Filmemachers Philip Ridley (8.5., 17 Uhr). Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen führt Marius von Mayenburgs „Märtyrer“ auf, eine spannend erzählte Auseinandersetzung mit Religion und jugendlichem Fanatismus (6.5., 19 Uhr), die Städtischen Theater Chemnitz zeigen eine moderne „Hamlet“-Fassung des polnischen Regisseurs Bogdan Koca (4.5., 20 Uhr), das Staatsschauspiel Dresden überprüft, wie es um die Aktualität der Ideale und Hoffnungen steht, die Christa Wolf vor 50 Jahren in ihrer Erzählung „Der geteilte Himmel“ beschrieb (5.5., 20 Uhr). Das Theater Junge Generation Dresden (tjg.dresden) zeigt ebenfalls eine Prosabearbeitung: „Cherryman jagt Mr. White“ nach dem Krimi des jüngst verstorbenen Autors Jakob Arjouni (5.5., 17 Uhr).

 

Mit „Adams Äpfel“ nach Andres Thomas Jensen präsentieren die Landesbühnen Sachsen, Radebeul, eine Filmbearbeitung, wie beim tjg.dresden dreht es sich um die Frage: wie umgehen mit Neonazis (7.5., 17.30 Uhr)? Einen Bogen bis zur heutigen Demokratie- und Wertediskussion schlägt auch das Mittelsächsische Theater Freiberg/Döbeln mit Henrik Ibsens „Stützen der Gesellschaft“ (7.5., 20.30 Uhr), während das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau mit der deutschsprachigen Erstaufführung von Catherine Grosvenors „Gabriel“ auf (schwarz-)humorige Weise das tabuisierte Thema der Ablehnung von Neugeborenen durch die Mutter aufs Korn nimmt (5.5., 22.30 Uhr). Das Theater Plauen-Zwickau wählt mit einer Kooperation des Puppentheaters mit dem Schauspiel einen formal unkonventionellen Zugriff auf den Klassiker von Robert Louis Stevenson, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (6.5., 17 Uhr), während das Schauspiel Leipzig in „Der Reigen oder Vivre sa vie“ nach Arthur Schnitzler und Jean-Luc Godard zeigt, wie beim Thema Eros und Sexualität Projektionen auf die Wirklichkeit treffen (8.5., 19 Uhr). Das Leipziger Theater der Jungen Welt startet das Theatertreffen mit einer Aufführung von David Paquets „2 Uhr 14“ - einer mutigen Hymne auf das Leben, ausgerechnet anlässlich eines jugendlichen Amoklaufs (4.5., 17 Uhr).

 

Eine überregional zusammengesetzte Jury wird aus diesen elf Aufführungen einen Preisträger küren und am Abschlusstag mit dem Preis des Sächsischen Theatertreffens auszeichnen (8.5., 21.30 Uhr). Ihr gehören an der Kritiker Christian Gampert, die Dramaturgin Petra Fischer und der Journalist Harald Müller. Die letzteren haben in Leipzig Theaterwissenschaft studiert, einen Fachbereich, der derzeit von Streichung bedroht ist. Die erstmals in der Geschichte des Sächsischen Theatertreffens stattfindende Preisverleihung wird durch die Unterstützung der Stadt Leipzig möglich.

 

Leipzig-Special und Rahmenprogramm

 

Für ein Leipzig Special wurden vier weitere Aufführungen eingeladen. So ist erstmals bei einem Sächsischen Theatertreffen die Freie Szene mit zwei Inszenierungen zu Gast. Das Leipziger Theater Adolf Südknecht zeigt eine Folge seiner kultigen „Improvised Alternate History-Show“ (6.5., 20 Uhr) und die Tanzcompany ciacconna clox zeigt ihre in Kooperation mit der Schaubühne Lindenfels und dem Armen Theater Chemnitz entstandene Inszenierung „Die Regentrude“ für Kinder und Erwachsene nach Theodor Storm (7.5., 10 Uhr). Beide Produktionen waren für den Bewegungskunstpreis 2013 nominiert und gehören zu den erfolgreichsten der letzten Jahre aus der Freien Szene Leipzigs. Ebenfalls als Leipzig Special ist die Oper Leipzig mit ihrer Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ Gast des Theatertreffens. Die Wee Dance Company des Gerhart Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau zeigt mit „Bach bewegt“ Choreografien zu einer der prägendsten Persönlichkeiten Leipzigs.

 

Eine hochkarätig besetzte, öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „2015 – Wie weiter im Kulturraum?“ findet am 5.5., 15 Uhr, im Theater der Jungen Welt statt. Unter der Moderation des ehemaligen ‚Deutsche Bühne‘-Redakteurs Knut Lennartz diskutieren der Intendant des Dresdner Staatsschauspiels, Wilfried Schulz, Prof. Dr. Dirk Jäschke, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und die Intendanten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, Lutz Hillmann, und des Theaters der Jungen Welt, Jürgen Zielinski. Als Experte für Fragen öffentlicher Finanzen sitzt Prof. Dr. Thomas Lenk von der Uni Leipzig auf dem Podium. Zukunftsfragen der sächsischen Bühnen und die 2015 anstehende Novellierung des in Deutschland einmaligen Kulturraumgesetzes, das öffentliche Kulturausgaben zu Pflichtausgaben erhebt, sind die Fragen, um die diese Diskussion kreisen soll.

 

Ein Symposium zum Thema „Spielarten der Theaterpädagogik“ widmet sich am 7.5. ab 9 Uhr dem Fachaustausch von Theoretikern und Praktikern in einem für die Theater immer wichtigeren Feld. Die vielfältiger werdenden Methoden und die Erfahrungen der Theaterpädagogik stehen im Zentrum des Symposiums, dem Prof. Dr. Ute Pinkert von der UdK Berlin und Prof. Dr. Günter Heeg von der Leipziger Theaterwissenschaft besondere Impulse verleihen. Das Symposium steht für alle Interessierten offen. Um eine vorherige Anmeldung wird gebeten.

 

Die Festival-Tage beschließt eine allabendliche Late-Night-Lounge in der „Baustelle“ im Leipziger Schauspielhaus. Neben den (Eröffnungs- oder Abschluss)Parties oder dem Chill-out sind besondere musikalische und literarische Programme zu erleben. So wird der bekannte Dresdner Schauspieler Albrecht Goette aus dem letzten Werk Christa Wolfs („Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert“) lesen (6.5., 22 Uhr), die Floppy Dolls aus Bautzen haben angekündigt, Leipzig auf Sorbisch zu rocken (6.5., 23 Uhr) und die Radebeuler Schauspielerinnen Sandra Maria Huimann und Julia Rani zeigen ein extra aus Anlass ihres Leipzig-Gastspiels aufgelegtes „Late at Night“-Programm (7.5., 23.30 Uhr).

 

Karten und Preise

 

Karten für die Aufführungen können zum Preis von 15,- €, ermäßigt 7,- € ab sofort im Schauspiel Leipzig und im Theater der Jungen Welt erworben werden. Gruppen zahlen 5,- € pro Person. Ein Festivalpass, der für alle Aufführungen im Hauptprogramm gültig ist, kostet 71,50 €. Alle Käufer eines Festivalpasses erhalten drei Monate kostenlos die Zeitschrift des Theatertreffen-Medienpartners „Die Deutsche Bühne“.

 

Der Eintritt zu den Late-Night-Veranstaltungen, zur öffentlichen Podiumsdiskussion, zum Symposium und der Preisverleihung ist kostenlos.

 

Das 8. Sächsische Theatertreffen wird unterstützt von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie der Stadt Leipzig. Medienpartner des 8. Sächsischen Theatertreffens ist die Theaterzeitschrift Die Deutsche Bühne.

 

Weitere Informationen unter www.saechsisches-theatertreffen.de

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 32 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑