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Amelin & Suchy: "Versuppung & Eintopfung" in Wien

Eine Haupt-Räuber-Grasl-Sanatoriumneske,

Premiere: 17. März 2007, 20.00 Uhr, dieStudios/ Wien, Zieglergasse 27.

 

Sie wähnen sich als Publikum. In Wahrheit sind sie zu Gast an einem Ort dessen Namen man vergessen hat. Er liegt weit draußen im ostösterreichischen Niemandsland, dessen Bewohner gerne als Erdäpfler bezeichnet werden. Niemand kann sich daran erinnern, dass es den Ort jemals gegeben hat, doch er existiert!

 

 Das Johann-Georg-Grasl-Privatsanatorium von  Frau Agathe Notnagl und Herrn Irrsiegler ist der unwiderlegbare Beweis dafür. Es befindet sich etwas östlich eines Schnittpunktes im Koordinatensystem bedeutender Orte wie Ohlsdorf, Rohrau, Salzburg, Kierling, Jičin, Wien und Trautmannsdorf - am Nabelbruch der Welt und frei von jeglicher Bedeutsamkeit.

 

Das steigert die Chancen auf Heilung  zweier absonderlicher Herren, die dort untergebracht sind. Obsessives Gedenken hat seit Jahren von ihnen Besitz ergriffen, denn das Land quillt über vor lauter Denkwürdigkeiten. Jedes Jahr, jede Woche, jeder Tag ein neuer Geburtstag und Sterbetag. Das Land ist voll gestopft mit Memorabilien. In diesem zeitlich aufgehobenen Zustand der permanenten Vor- und Nachjustierung, zwischen Versäumnissen und Vorausschau auf Kommendes, kann die Versuppung und Eintopfung von Garten- und Feldgemüsen heilsame Wirkungen herbeiführen.

 

Der Erdäpfeler Johann Georg Grasl, stammt wie die Nutzpflanzenart aus der Familie der Nachtschattengewächse und ist eine allgegenwärtige kollektive ost-österreichische Erinnerung. Frau Notnagel zeichnet mit dem Beutelschneider, Abstierer, Strizzi, Grabschänder, Totschläger, Raubmörder, Witwen- und Mädchenschinder, die Achse Mörtersdorf – Neu Serowitz in den Gedenk-Kosmos der Herrn ein.

 

Der Erdapfel, auch Kartoffel, veraltet auch Tartuffel, Grundbirne oder kroatisch Krumpir genannt, verbreitet sich unterirdisch. Der Verzehr von außerirdischen Teilen der Pflanze führt zu Vergiftungserscheinungen. Ansonsten zeigt der ost-österreichische Himmel keine besonderen Eigenschaften. Wind, Wolken, Weitläufigkeit. Nachbilder der Verlorenheit. Vorbilder des Abschieds. Er ist eintönig und fahl wie das Leben. Eine gemüsene Gedenkoper über J.G.Grasl, Jubliäen und Erdäpfel kann jedoch allemal heilsam jublierend zu Gehör gebracht werden.

 
Mit Versuppung & Eintopfung setzen Christian Suchy und Eric Amelin ihren stilistisch konsequente Zusammenarbeit im Bereich Mime/ Objekttheater fort, die mit den Solostücken von Christian Suchy (u.a. Idio-Tisch, Pudel & Pinguin, Dackel Taube Kellerassel) begonnen hat und zuletzt die Ensembleproduktion Drauriche scheene wööd , eine ost-österreichische Hommage an Jim Jarmuschs Film “Down by law“, auf die Bühne brachte.

 
Das Ensemble
Regie
Christian Suchy/ Dramaturgie Eric Amelin
Mimographie, Idee und Konzeption Amelin & Suchy
Darsteller Eric Amelin, Martin Bermoser, Natascha Gundacker, Markus Kofler
Autoren Bernd Liepold-Mosser &  Eric Amelin
Musik Norbert H. Suchy
Licht- und Raumdesign Christian Suchy
Produktionsleitung und PR Eric Amelin
Fotocredits Jochen Berger

Spieltage: 20.-24. März und 27. - 31.März

 

 

 

 

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