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ARS MORIENDI im Theater Chur

Do 31. März 2011, 20Uhr, Fr 1. – So 3. April 2011, 20Uhr. ---

 

Ein Musiktheater über die Kunst des Sterbens von CapriConnection & Schola Cantorum Basiliensis

 

In einem ebenso amüsanten, wie nachdenklichen Abend kombiniert die Basler Gruppe um die Regisseurin Anna-Sophie Mahler die «Funeral Music for Queen Mary» von Henry Purcell mit einem Philosophen-Kongress über das Thema Tod und Sterben. Im Bühnenbild des Bündners Duri Bischoff treffen Schauspieler mit Sängern und Musikern der renommierten (von Paul Sacher gegründeten) Schola Cantorum Basiliensis, der Hochschule für alte Musik aufeinander.

 

Tübingen, 1983. Eine Gruppe Philosophen diskutiert über das Buch «Der symbolische Tausch und der Tod» des französischen Soziologen Jean Baudrillard. Mit hohem Kraftaufwand arbeiten sich die Redner an der Metapher des Todes ab und rücken dabei, Runde für Runde, der Monstrosität des eigenen Sterbens näher. Je stärker sich jedoch die Einsicht über die Sinnlosigkeit ihrer philosophischen Bemühungen breit macht, umso größer wird die Lust an der Verausgabung im Sprechen – bis zum unweigerlichen Ende.

 

«Ars moriendi» ist eine Zusammenarbeit zwischen der freien Schweizer Theater-compagnie CapriConnection mit der Schola Cantorum Basiliensis, der Basler Hochschule für alte Musik. Unter der musikalischen Leitung des international renommierten Barockspezialisten Anthony Rooley lassen zwölf Sängerinnen und Musiker aus dem engeren Umfeld der Schola Cantorum englische Barockkompositionen aus dem Themenkreis des Sterbens und Beerdigens wiederauferstehen. Im musikalischen Mittelpunkt steht die einzigartige Umsetzung der «Funeral Music for Queen Mary» (1693) von Henry Purcell. Ursprünglich zur feierlichen Begleitung des Sarges komponiert, gelangt Purcells Musik im theatralen Rahmen zu neuer Bedeutung.

 

In der Überlagerung von szenischen Gesprächen und barocker Trauermusik verhandelt CapriConnection den verdrängt geglaubten und doch allgegenwärtigen Tod in unserer Gesellschaft. Was bleibt, wenn Gott tot ist und sich die Wahrheit in Schein aufgelöst hat? Wie ist es dann noch möglich, unserem Leben oder vielmehr unserem Sterben einen Sinn zu verleihen? Die über drei Tage andauernde Zusammenkunft von 1983 wurde auf Tonband dokumentiert und unter dem Titel «Tod der Moderne» von Claudia Gehrke in ihrem legendären Konkursbuchverlag veröffentlicht. Auf den Spuren nach der Aktualität von Baudrillards Thesen sucht CapriConnection fast 30 Jahre später einige der damaligen Akteure sowie eine Reihe weiterer Todesspezialisten auf und befragt sie zu ihren Erinnerungen und ihrer heutige Sicht auf das Thema.

CapriConnection

 

Die Basler Theatergruppe CapriConnection hat mit der Theater- und Opernregis-seurin Anna-Sophie Mahler in den letzten Jahren eine Inszenierungspraxis entwickelt, die sich auf lustvolle theatrale und musikalische Weise dokumentarischem Material annähert. Dabei wird das dokumentarische Ausgangsmaterial nicht nur auf seine inhaltlichen, sondern auch auf seine formalen und rhythmischen Qualitäten hin untersucht und zu dichten Kompositionen verwoben.

 

«Ars moriendi» ist bereits die sechste Produktion von CapriConnection. Frühere Arbeiten befassten sich mit Themen wie menschlicher Wahn («Tote Fliegen verderben gute Salben»), gewaltsame Leidenschaft und richterliche Willkür («Der Herr Verteidiger, oder wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr») und heilende Kräfte («Heiler werden»). Letztere erarbeitete CapriConnection kürzlich mit der chinesischen Tanztheaterkompanie Living Dance Studio und wird im November 2010 im Rahmen des Festivals Culturescapes China noch einmal in Basel und Zürich zu sehen sein.

Weitere Infos unter: www.capriconnection.ch

 

Schola Cantorum Basiliensis

Die Schola Cantorum Basiliensis – Hochschule für Alte Musik in Basel, 1933 gegründet von dem Dirigenten und Mäzen Paul Sacher, ist ein einzigartiges Kompetenzzentrum auf dem Gebiet der Alten Musik. Dozierende und Studierende kommen aus vielen Ländern der Erde und sorgen für ein anregendes vielsprachiges und multinationales Klima. Die Schola Cantorum versteht die Beschäftigung mit Alter Musik als Teil des zeitgenössischen Musikschaffens und ist offen für unterschiedliche ästhetische und historische Ansätze, für innovative Experimente und verschiedenste Präsentationsformen.

Die «Advanced Vocal Ensemble Studies» (AVES), die von Anthony Rooley geleitet werden, sind eine berufsbegleitende Weiterbildung für Sängerinnen und Sänger die bereits auf professioneller Ebene international tätig sind. Für die vorliegende Produktion hat Rooley sechs Sängerinnen und Sänger aus seinem Programm, sowie vier Bläser, einen Organisten und einen Trommler ausgewählt.

 

Regie: Anna-Sophie Mahler

Musikalische Leitung: Anthony Rooley

Produktion / Dramaturgie: Boris Brüderlin

Bühne: Duri Bischoff

Kostüme: Mirjam Egli

Licht: Brigitte Dubach

 

Von und mit: Susanne Abelein, Thomas Douglas, Christian Dieterle,

Cathrin Störmer

Gesang: Adrian Horsewood, Hanna Järveläinen, Kate Macoboy, Yulia Mikkonen, Dino Lüthy, Tiago Mota

Orgel: Ralph Stelzenmüller

Trompeten: Markus Bauer, Christina Hess, Olivier Picon, Nathaniel Wood

Trommel: Hiram Santos

Produktion und Konzept: CapriConnection (Mahler, Brüderlin, Abelein)

in Zusammenarbeit mit der Schola Cantorum Basiliensis – Hochschule für Alte Musik Basel

 

Koproduktion: Kaserne Basel, Theater Hebbel-am-Ufer Berlin, Theater Chur und Westdeutscher Rundfunk Köln.

 

Die Jury des internationalen Festivals des freien Theaters IMPULSE 2011 hat ihre Auswahl bekannt gegeben. Als einzige Produktion aus der Schweiz ist die Koproduktion des Theater Chur ARS MORIENDI. EIN MUSIKTHEATER ÜBER DIE KUNST DES STERBENS von CapriConnection und Schola Cantorum Basiliensis eingeladen.

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