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Ballett: "Dornröschen" - Musik von Peter I. Tschaikowsky - Staatstheater Wiesbaden

Premiere 11. April 2010, 18.00 Uhr, Großes Haus

 

Aus Kindertagen ist uns wahrscheinlich allen das Märchen vom „Dornröschen“ bekannt: Die Königstochter, die auf ihrer Taufe verflucht wird von einer bösen Fee, die das Kind mit einem Todesbann belegt, da sie sich nicht zu den geladenen Gästen zählen durfte.

 

Auch wissen wir um den Fortgang des Märchens, dass der Fluch zwar nicht vollständig aufgelöst aber immerhin abgemildert werden kann. Dies bewirkt eine gute Fee, die nicht verhindern kann, dass sich das Mädchen gemäß der Verwünschung an ihrem 15. Geburtstag an einer Spindel stechen werde, jedoch nicht daran sterben soll, sondern lediglich in einen hundertjährigen Schlaf falle. Das Kind wächst heran, und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen der Eltern geschieht das Unvermeidliche: Das Mädchen sticht sich und fällt in den lang andauernden Schlaf. Über die Zeit versuchen einige Prinzen durch das mittlerweile gewachsene Dornengestrüpp zu dem schlafenden Mädchen zu gelangen. Doch nur einem soll dies gelingen: Es ist der Prinz, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheint. Ihm ist es vorbehalten, die Prinzessin aus dem Schlaf zu küssen und gemeinsam mit ihr in eine glückliche Zukunft zu sehen.

 

Stephan Thoss stößt in seinem Handlungsballett „Dornröschen“ auf zentrale, hochinteressante Motive, die im Märchen der Gebrüder Grimm vorhanden, aber selten durchleuchtet werden – Grund genug, diese für seine Version zu exponieren und erlebbar zu machen. So hinterfragt Thoss beispielsweise, wie die Figur der sogenannten bösen Fee zu deuten ist, die von den Eltern zur Taufe offenbar nicht eingeladen worden war. Vergessen hatte man sie sicher nicht; man argumentierte, dass nur zwölf statt der nötigen dreizehn goldenen Teller vorhanden wären. Die damit überzählige Fee war offenbar nicht erwünscht. Welche Rolle mag diese Person spielen im Leben dieser Familienbande – die des schwarzen Schafes, dessen man sich entledigen will und doch nicht kann?

 

Von großer Bedeutung ist für Stephan Thoss zudem die Interpretation der meist übergangenen Eingangssequenz des Märchens, die Vorgeschichte, die doch so viel Gewicht hat. Sie benennt die Nöte der Eltern, trotz großen Wunsches kein Kind bekommen zu können; eine Verzweiflung, aus der das Königspaar von alleine scheinbar nicht herauskommt. Es bedarf fremder Hilfe, der Königin vorzubedeuten, dass sie eine Tochter zur Welt bringen wird. Das Glück der Eltern über das schließlich geborene Kind kann aber ihre einstigen Ängste nicht vergessen machen. Auch gibt es Geheimnisse zwischen ihnen, die sich, unausgesprochen wie sie sind, bedrückend auf das Kind übertragen.

 

Aus diesen Interpretationen heraus findet sich in dem Motiv des Schlafes eine Bedeutung, nach der das Dornröschen in der scheinbaren Untätigkeit des Schlafens höchst aktiv ist, sich in einem Reifeprozess befindet. Hier durchlebt, deutet und ordnet sie die eigene Geschichte, um hernach bereit zu sein, abgenabelt von den Eltern, den Schritt in ein selbstbestimmtes Leben zu wagen.

 

Nach „Zwischen Mitternacht und Morgen: Schwanensee“ widmet sich Stephan Thoss mit „Dornröschen“ erneut einem weltbekannten Handlungsballett, um es auf berückend aktuelle Weise neu zu deuten, ohne jedoch die Essenzen des Märchens aus dem Auge zu verlieren. Die Musik von Peter I. Tschaikowsky, die der Komponist selbst für sein gelungenstes Ballett hielt, verströmt wie schon in „Schwanensee“ einen ganz besonderen Zauber, der seine Wirkung unmittelbar erzielt. Auch 120 Jahre nach der Uraufführung hat die melodiöse, farbenreiche und effektvolle Musik nichts von ihrer Magie eingebüßt und verbindet sich kongenial mit der zeitgenössischen Interpretation der neuen Choreografie.

 

Choreografie Stephan Thoss

Musikalische Leitung Wolfgang Ott

Bühnenbild Kaspar Zwimpfer

Kostüme Carmen Maria Salomon

Dramaturgie Stefan Ulrich

 

Es tanzen in den Hautrollen:

Emilia Giudicelli / Kihako Narisawa (Königin), Sandro Westphal / Maarten Peeters (König), Yuki Mori / Kenneth Pettitt (Frosch), Ina Brütting / Aoi Nakamura (Dornröschen)

 

Ballett und Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

 

Weitere Termine: Dienstag, 13., Freitag, 16. und Freitag, 30. April 2010

jeweils um 19.30 Uhr, Großes Haus

 

 

 

 

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