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Berliner Festspiele: Festival „Foreign Affairs” vom 26. Juni – 13. Juli 2014

Im Haus der Berliner Festspiele und an weiteren Orten in ganz Berlin. Großes internationales Theater an den Schnittstellen zwischen den Künsten. In 25 Produktionen – darunter sieben Uraufführungen und acht deutsche Erstaufführungen – präsentiert das Festival über 300 Künstler.

 

Mit Foreign Affairs, zum zweiten Mal unter der künstlerischen Leitung von Matthias von Hartz, präsentieren die Berliner Festspiele an 18 Tagen eine Vielzahl an Künstlern der unterschiedlichsten künstlerischen Praktiken – von neuer Dramatik und Romaninszenierungen über Lectures, inszenierten Konzerten und Installationen zu performativen Ausstellungen und ortsspezifischen Arbeiten im öffentlichen Raum. Darstellende und bildende Kunst gehen außergewöhnliche Verbindungen ein, Musik und Theater werden auf überraschende Weise zusammen gedacht. Im Programm spiegelt sich auf vielfältige Weise der grenzüberschreitende Ansatz des Festivals und die Auseinandersetzung der Berliner Festspiele mit zeitgenössischen Positionen performativer Kunst.

 

Exemplarisch dafür steht die Eröffnungsproduktion: Das Ensemble FC Bergman aus Antwerpen hat mit dem Berliner Solistenensemble Kaleidoskop, der Musikerin Liesa van der Aa, dem Autor Josse de Pauw und den belgischen Schauspielern Viviane de Muynck und Dirk Roofthooft einen düsteren Reineke-Fuchs-Abend entwickelt: „Van den vos“ (Deutsche Erstaufführung, 26.+27.6.). Die zweite Eröffnungspremiere ist die erste Arbeit des französischen Autors und Regisseurs Pascal Rambert in Deutschland: die deutsche Fassung von „Clôture de l'amour“ (Ende einer Liebe) mit Jens Harzer und Marina Galic. Seit der erfolgreichen Uraufführung in Avignon 2011 inszeniert Rambert seinen eigenen Text, von Moskau über New York nach Tokio, in immer anderen Sprachen, mit wechselnden Besetzungen (26.+28.6.).

 

FOCUS: MUSEE DE LA DANSE

Einem Künstler, der sich auf der Schnittstelle unterschiedlicher Kunstformen bewegt, widmet das Festival in diesem Jahr einen Focus: dem Choreografen Boris Charmatz, der mit seinem Musée de la danse die Grenzen seines Mediums kontinuierlich in Frage stellt und erweitert. Foreign Affairs präsentiert sein Musée de la danse mit zwei großen Projekten, die jeweils über 20 Tänzer versammeln – einmal am Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park, wo die Performer einen Parcours durch die Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts gestalten: „20 Dancers for the XX Century“ (Deutsche Erstaufführung, 27.+28.6.) und einmal auf der großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele „Levée des conflits“ (2.7.). Außerdem zu sehen ist die Installation „héâtre-élévision“ (1.-13.7.) im Martin-Gropius-Bau und zwei szenische Projekte zwischen sozialer Skulptur und Ausstellung: in den Kunstsaelen Berlin „expo zéro“ (12.+13.7.) und in St. Agnes „Aatt enen tionon“ (30.6.+7.7.).

 

Ebenfalls in ST. AGNES zeigt die spanische Performerin und Regisseurin Angélica Liddell ihre Neuproduktion „Tandy (Cycle of the Resurrections)“, die in Koproduktion mit Foreign Affairs in Berlin uraufgeführt wird (3.+4.7.). „Tandy“ steht als Chiffre für die generelle Hoffnungslosigkeit der Liebe, der sich die radikale spanische Künstlerin mit dieser Arbeit einmal mehr widmet.

 

Der Choreograph Hofesh Shechter, geboren in Israel und früher Mitglied der Batsheva Dance Company aus Tel Aviv, ist einer der interessantesten zeitgenössischen Künstler Großbritanniens, international gefeiert für seine Choreografien und seine atmosphärischen Partituren. „Sun“ ist eine kraftvolle, virtuose Choreografie mit 14 Tänzern, der eklektische Soundtrack, der sie begleitet, enthält auch von Shechter selbst komponierte Musik (Deutsche Erstaufführung in Koproduktion mit Foreign Affairs am 4.+5.7.).

 

Der junge Regisseur Julien Gosselin wurde mit seiner Bühnenadaption des Bestsellers „Elementarteilchen“ zum Shooting-Star des letztjährigen Theaterfestivals in Avignon. Als erster Franzose hat er sich an die Umsetzung eines Romans von Michel Houellebecq gewagt und versammelt für dieses Vorhaben die Mitglieder seines Kollektivs „si vous pouviez lécher mon cœur” wie eine Band auf der Bühne: zehn Figuren, die gemeinsam untersuchen, was fast 20 Jahre später von der houellebecqschen Vision für die nächste Generation bleibt (10.+11.7.).

 

Der schweizerische Performer Yan Duyvendak und der katalanische Regisseur Roger Bernat zeigen ihre Inszenierung „Please, Continue (Hamlet)“. Die Protagonisten sind Profis, die ihre üblichen Wirkungsstätten bei Gericht verlassen und hier Theater machen, über das das Publikum mit abzustimmen hat. Verhandelt wird ein realer Fall mit klassischen Zügen, Hamlet in der Gegenwart.

 

FOCUS: EMPOWERMENT

Ein weiterer Focus des Festivals präsentiert Künstler und Theoretiker, die der Frage nachgehen, wie wir heute zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe kommen können: Focus Empowerment. Die polnische Regisseurin Marta Górnicka dirigiert in ihren Produktionen „Magnificat“ (3.7.) und „Requiemaszyna“

(Requiemmaschine, 4.+5.7.) einen Chor empörter Frauen und Männer, die dem herrschenden System den Kampf ansagen und liefert einen zeitgemäßen Soundtrack zu den Protestbewegungen der Gegenwart. Das Popduo Neon Neon erzählt gemeinsam mit dem National Theatre Wales die Biografie von Giangiacomo Feltrinelli: Der Millionärssohn wurde Kommunist und gründete einen Verlag, um die Massen aufzuklären (9.+10.7.). Das russische Kollektiv Chto Delat fragt in Performance, Ausstellung, Vortrag und Workshop, was passiert, wenn bestimmte Gruppen von der öffentlichen Sphäre und den historischen Narrativen ausgeschlossen bleiben: Welche Strukturen und performativen Rituale braucht es, um eine Gegenposition zur behaupteten Monumentalität traditioneller Gedenkstätten als Verkörperung herrschender Macht zu etablieren (12.7.) ?

Das Laboratory of Insurrectionary Imagination präsentiert mit der Lecture Performance „We Have Never Been Here Before” (Uraufführung, 4.+5.7.) einen autobiografischen Rückblick auf globalisierungskritische Aktivitäten der letzten zehn Jahre: Was hält uns trotz der Größe der sozialen und ökonomischen Krise heute davon ab, die angemessenen Mittel dagegen einzusetzen?

 

FOCUS: PERFORMING POP

Im Focus: Performing Pop hat Foreign Affairs Musiker gebeten, Projekte für die Bühne zu entwickeln: Phantom Ghost erarbeiten mit der bildenden Künstlerin Cosima von Bonin und plüschigem Meeresgetier „Retrospectres – Phantoms and Ghosts (1999–2014)“ (Uraufführung am 7. Juli). Der amerikanische Singer/Songwriter How To Dress Well kreiert eine durchgehend gestaltete Gesamtkomposition aller Songs seines neuen Albums „What Is This Heart?“; in der dafür entwickelten Choreografie von Brendan Fernandes wird das musikalische Gedächtnis selbst zum Gegenstand (Uraufführung, 29.6.). Der englische Designer und Künstler Scott King bringt seine persönliche Geschichte des Pop auf die Bühne (Uraufführung in Koproduktion mit Foreign Affairs am 10.+11.7.) und Turner-Preisträger Jeremy Deller engagiert für „Acid Brass“ eine Blaskapelle für Acid House (Deutsche Erstaufführung, 12.7.).

Musikkurator des Festivals ist Martin Hossbach.

 

Anfang Juni setzen zahlreiche Künstler ihre Probenarbeit für die vielen Eigenproduktionen des Festivals an den verschiedenen Spielstätten in Berlin und im Haus der Berliner Festspiele fort, das sich bis zur Festivaleröffnung in Zusammenarbeit mit den Architekten von realities:united in ein pulsierendes Festivalzentrum transformieren wird.

 

SAVE THE DATE

Die Berliner Festspiele laden zum Festivalstart zu einem Pressegespräch mit Künstlern: Dienstag, 24. Juni um 11.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele

 

Der Vorverkauf läuft, weitere Informationen finden Sie hier: www.berlinerfestspiele.de/foreignaffairs

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