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COVERGIRL von Barbara Herold DIE KOMMANDEUSE von Gilla Cremer im Theater Nestroyhof Hamakom Wien

Zwei Täterinnenmonologe, Premiere: 26. April 2013, 20.00 Uhr. -----

Beide Stücke beschäftigen sich mit zwei Täterinnen in unterschiedlichen historischen und politischen Kontexten. Zwei Frauen die es geschafft haben, mit ihren Taten negativ Geschichte zu schreiben und die Weltöffentlichkeit zu entsetzen.

Es ist nicht die Vergleichbarkeit ihrer Biografien und ihrer Taten, sondern die vehemente mediale Ausschlachtung beider Fälle angesichts einer ratlosen Öffentlichkeit gegenüber weiblicher Täterschaft, die das Theater Nestroyhof Hamakom veranlasst beide Texte hintereinander an einem Abend zur Aufführung zu bringen.

 

COVERGIRL von Barbara Herold

Wie Lynndie England dazu kam das böse Amerika zu verkörpern. Im Frühjahr 2004 gingen die Fotos der Folterer aus dem irakischen Militärgefängnis von Abu Ghraib um die Welt. Darauf zu sehen sind irakische Häftlinge, wie sie gedemütigt, gequält, zu sexuellen Handlungen genötigt werden. Darauf zu sehen sind auch die Täter, amerikanische Soldaten der Militärpolizei, die lachend in die Kamera schauen, als handle es sich um Souvenirfotos. Lynndie England ist das weltweit bekannteste Gesicht auf den Fotos, wohl auch weil sie mit knapp 21 Jahren die jüngste Soldatin unter den Tätern war. Ihre Fotos waren medial omnipräsent: Lynndie mit einem Häftling an der Hundeleine, Lynndie grinsend hinter einer Pyramide nackter Männer, Lynndie auf einen masturbierenden Gefangenen deutend.

 

Wer ist diese junge Frau, die Meteorologin werden wollte und mit 20 Jahren zum Kriegseinsatz in den Irak abkommandiert wurde? Wie ist das Foto mit der Menschenpyramide an ihrem 21. Geburtstag entstanden? Was ist „Doing-a-Lynndie“?

 

Der Text versucht Antworten auf Fragen zu geben, die im Zusammenhang mit der Person Lynndie England auftauchen. Aufgrund intensiver Recherchen zeichnet Barbara Herold auch ein klareres Bild der Vorgänge in Abu Ghraib. Das vorrangige Ziel ist aber, die Fassungslosigkeit und Ratlosigkeit zu formulieren, welche die Bilder und die Geschichte der jungen Soldatin auslösen. Diese Bilder werden den Krieg entscheiden, hieß es damals. Diese Bilder beweisen, was der ganz normale Krieg aus ganz normalen Menschen macht: aus Männern und auch aus Frauen.

 

Uraufführung 2008 in Bregenz, Probebühne Vorarlberger Landestheater

 

mit Barbara Gassner

Inszenierung: Barbara Schulte

Raum: Andreas Braito

Musik: Karl Stirner

Kostüm: Sabine Volz

 

****

 

DIE KOMMANDEUSE von Gilla Cremer

Psychogramm einer Nazi Täterin

Österreichische Erstaufführung

 

„Man muß verstehen, mit seiner Zeit zu gehen“ – so begründete die junge Ilse Köhler 1932 ihren Eintritt in die NSDAP. Sie begegnet dem Obersturmbannführer Karl Koch und zieht im Jahre 1937 nach ihrer Heirat mit ihm auf den Ettersberg, einem wunderschönen Hügel bei Weimar, auf dem Goethe einst “Wanderers Nachtlied” dichtete. Hier wird Koch Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald. Von den Jahren in der “Villa Koch”, die unmittelbar an das Konzentrationslager Buchenwald grenzte, sagt Ilse Koch später, dass sie “die beste Zeit” ihres Lebens waren – eine satte, eine gute Zeit, gezeichnet von einem luxuriösen und ausschweifenden Lebensstil.

 

1951 wurde die „Kommandeuse“ – so nannten sie die Häftlinge aufgrund ihres grausamen und unberechenbaren Auftretens im Lager – wegen Anstiftung zu Körperverletzung und Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Ilse Koch füllte im Nachkriegsdeutschland als “Hexe von Buchenwald” die Schlagzeilen und behauptete selbst noch nach 22 Jahren Haft: “Ich kann mich an nichts erinnern. Ich habe mich nie um Lagerangelegenheiten oder Politik gekümmert. Ich war immer bemüht, meinem Mann und meinen Kindern eine gute Familienmutter zu sein.”

 

Gilla Cremers Stück „Die Kommandeuse“ ist weniger ein dokumentarisches Zeitstück als der Versuch über eine Konstruktion einer Kunstfigur Einblicke in die erschreckende Durchschnittlichkeit einer Frau zu gewinnen die die historischen Bedingungen genutzt hat, ihre sadistische Destruktivität auszuleben.

 

mit Ingrid Lang

Inszenierung: Frederic Lion

Raum: Andreas Braito

Musik: Karl Stirner

Kostüm: Sabine Volz

 

Vorstellungen:

Sa 27.4. | Mi 1.5.- Sa 4.5. |

Mi 8.5.- Sa 11.5. jeweils 20.00

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