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"Der gute Mensch von Sezuan", Parabelstück von Bertolt Brecht, Staatstheater Wiesbaden

Premiere: Samstag, 26. März 2011, 19.30 Uhr, Kleines Haus. ---

 

Brecht stellt in seinem Parabelstück die Frage, ob Gleichheit und Brüderlichkeit, die einst als ideelle Wertgrundlagen der bürgerlichen Gesellschaft formuliert wurden, im entwickelten Kapitalismus nicht traumtänzerische Illusionen sind.

 

Eine der produktivsten Zeiten des Autors Bertolt Brecht (1898-1956) war sicherlich seine Zeit im Exil, in dem er sich ab Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland 1947 gezwungenermaßen befand. Geschuldet ist dies auch der Tatsache, dass er als deutscher Regisseur im Ausland keinen Fuß in die Tür bekam (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) und sich folglich auf das Schriftstellertum beschränkte – häufig auch dies nur für die Schublade. So entstanden in der bewegten Zeit seiner Aufenthalte in Dänemark, Schweden, Finnland und später in den USA einige seiner stärksten Stücke: „Das Leben des Galilei“, „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, „Der kaukasische Kreidekreis“ und weitere. Die Idee zu dem Stück „Der gute Mensch von Sezuan“ kam ihm allerdings schon vor dem Exil: Als er 1926 gemeinsam mit den Dichterkollegen Alfred Döblin und Arnolt Bronnen nach Dresden zu einer Dichterlesung geladen wird und am Vorabend nur schlechte Opernkarten erhält, verfasst er das Gedicht „Matinée in Dresden“, in dem die drei als Götter auftreten und aufgrund der ausbleibenden Huldigungen drohen, die Stadt zu überfluten.

 

Um 1930 entstand ein erster Stückentwurf, damals noch mit dem Titel „Die Ware Liebe“, zu dem Thema Prostitution, an dem Brecht immer wieder arbeitete. Fasziniert von den Motiven und Techniken des chinesischen Theaters legte Brecht im Lauf der Zeit die Handlung seines „Parabelstücks“ nach China und gab ihm, das erst 1943 in Zürich uraufgeführt wurde, den Titel „Der gute Mensch von Sezuan“. Den guten Menschen, beziehungsweise zumindest einen guten Menschen zu finden, dazu reisen eigens drei Götter auf die Erde und erreichen nach langer Wanderung die chinesische Provinz Sezuan. Da ihre Suche bisher erfolglos war, haben sie wenig Hoffnung, ausgerechnet hier fündig zu werden, und dies scheint sich zunächst auch zu bestätigen. Wang, der Wasserverkäufer, der die Götter erwartet, hat Mühe, ein Obdach für die müden Wanderer zu finden. Erst bei der Prostituierten Shen Te hat er – nach einigem Überreden – Glück und sie gewährt den Göttern Obdach. Ausgerechnet eine Hure ist also der gute Mensch. Für ihre gute Tat statten die drei Götter Shen Te mit ein wenig Kapital aus und ermahnen sie „gut zu sein und doch zu leben“. Shen Te kauft sich von dem Geld einen kleinen Tabakladen, und auch „gut“ zu sein, fällt ihr nicht schwer – bald wird sie „Engel der Vorstädte“ genannt, und kein Bedürftiger wird von ihr abgewiesen. Doch ihre Hilfsbereitschaft wird ausgenutzt und treibt sie in den finanziellen Ruin. In ihrer Not verkleidet sie sich als ihr Vetter, ShuiTa, der in allem ihr Gegenteil ist: skrupellos, gierig und kaltherzig. Er taucht immer dann auf, wenn Shen Tes Warmherzigkeit ihr zum Nachteil ist, und unter seiner Führung wird aus dem Tabakladen sogar ein kleines Imperium. Immer häufiger muss der unbeliebte Vetter auftauchen, und als sich Shen Te in den arbeitslosen Flieger Yang Sun verliebt, kann sie ihr Doppelspiel nicht aufrecht halten. Einer von beiden muss verschwinden.

 

Ricarda Beilharz ist Bühnenbildnerin und Regisseurin. Sie war Leitungsmitglied am Baseler Theater, arbeitete als Bühnenbildnerin u.a. am Thalia Theater Hamburg, bei den Salzburger Festspielen und als Regisseurin bei den Berliner Festwochen und am Zürcher Schauspielhaus. Zwei Inszenierungen, bei denen sie als Bühnenbildnerin mitwirkte, waren zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Dem Wiesbadener Publikum ist sie durch ihre Inszenierungen „Der Nachlass“ von Maja DasGupta, Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“, Friedrich Schillers „Die Räuber“ und Lessings „Emilia Galotti“ bekannt.

 

Musik Paul Dessau

Mitarbeit Ruth Berlau und Margarete Steffin

 

Inszenierung und Bühne Ricarda Beilharz

Kostüme Hanna Zimmermann

Dramaturgie Anika Bárdos

 

Mit: Monika Kroll (1. Gott), Benjamin Krämer-Jenster (2. Gott), Tobias Randel (3. Gott), Doreen Nixdorf (Shen Te / Shui Ta), Jörg Zirnstein (Yang Sun, ein stellungsloser Flieger), Susanne Bard/Barbara Teuber (Frau Yang, eine Mutter / Die Frau), Michael von Burg (Wang, ein Wasserverkäufer), Franziska Werner (Die Witwe Shin), Uwe Kraus (Der Mann), Lars Wellings (Der Barbier Shu Fu / Der Arbeitslose), Evelyn M. Faber (Die Hausbesitzerin Mi Tzü / Die Alte), Martin Müller (Der Schreiner Lin To / Der Polizist / Der Alte), Florian Thunemann (Der Neffe)

 

Weitere Termine

Fr 1.4., Mi 13.4., Mi 20., So 24.4. und Do 28.4. 2011, jeweils um 19.30 Uhr im Kleinen Haus

 

 

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