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Der Oberhausener Theaterpreis 20010

Der vom Freundeskreis „Theater für Oberhausen“ zum sechzehnten Mal ausgelobte Oberhausener Theaterpreis wurde im Großen Haus des Theaters verliehen. Wie in den vergangenen Jahren standen € 9.000 an Preisgeldern zur Verfügung, die von Oberhausener Firmen und Privatpersonen aufgebracht wurden.

 

Drei Jury-Preise für besondere künstlerische Leitungen in der Spielzeit 2009/10 wurden vergeben. Den ersten Preis in Höhe von € 3.000, gestiftet von der MAN Diesel & Turbo SE, erhielt der Regisseur Roland Spohr für seine sensible Inszenierung von „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ nach dem Roman von Robert Musil. Die turbulente aber doch detailgetreue Darstellung der Rolle des Fadinard in der von Herbert Fritsch gestalteten Komödie „Pferd frisst Hut“ brachte Henry Meyer den zweiten Preis ein, der mit € 2.000 von der WBO GmbH ausgestattet ist. Der Schauspieler Caspar Kaeser erhielt den dritten Preis für seine eindringliche Darstellung des „Törleß“. Hierfür gab es € 1.000 von der Möbelstadt Rück.

 

Die Kritikerjury, der Helen Sibum (NRZ), Michael Schmitz (WAZ), Stefan Keim (WDR, FAZ), Klaus Stübler (Ruhr-Nachrichten) und Gerd Lepges angehörten vergab auch den von Erhard und Rosalinde Büch mit € 500 dotierten Günther-Büch-Nachwuchspreis. Dieser ging an die Schauspielerin Manja Kuhl für ihre Gestaltung der Stella Kowalski in „Endstation Sehnsucht“.

 

Und das Theaterpublikum wählte mit Mehrheit Jürgen Sarkiss zum beliebtesten Darsteller der vergangenen Spielzeit. Hierfür gab es den von der Stadtsparkasse Oberhausen mit € 2.500 ausgestatteten Publikumspreis. (GL)

 

Oberhausener Theaterpreis 2010

 

Die Preisträger

 

Jurypreis 3.000 €

gesponsert durch die MAN Diesel &Turbo SE, Oberhausen:

Roland Spohr, Regisseur für Inszenierung der Dramatisierung "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

 

Roland Spohr verdichtet Musils trostloses, die Menschenfeindlichkeit des nahenden Nationalsozialismusses vorausschauendes Gemälde einer zunehmenden Seelenlosigkeit in der Gesellschaft zu einem zeitlosen Syndrom. Wie schon bei "Trüffelschweine" in der Spielzeit 2208/09 braucht er mit dem kongenialen Kamerakünstler Friedrich Schönig nur wenige Requisiten, um die Figuren in bedrohender Nähe ans Publikum zu rücken. Spürte Man in "Trüffelschweine" aber noch menschliche Wärme, so erzeugt Spohr über ein brillant geführtes, sich bis zum letzten Moment erschütternd entblößendes Ensemble mit mal kristallklaren, mal verzerrten visuellen Elementen ein Gefühlsklima, dessen Eiseskälte einen in der Erinnerung immer noch frieren lässt und dessen Abbildung des oft menschenverachtenden Internatslebens, wie wir alle wissen, kaum an Brisanz verloren hat. Dieses atemberaubende Kammerspiel kennt in der nunmehr 90-jährigen Oberhausener Theatergeschichte wenig Vergleichbares. (ms)

 

Jurypreis 2.000 €

gesponsert durch die Wirtschaftsbetriebe Oberhausen GmbH – WBO:

 

Henry Meyer, Schauspieler für die Rolle des Fadinard in "Pferd frisst Hut" nach Eugène Labiche

 

Eigentlich wollte er heiraten, der Herr Fadinard. Aber nun rennt er pausenlos über die Bühne, um einen Hut zu kaufen, verfolgt von einer völlig durchgeknallten Hochzeitsgesellschaft. Henry Meyer trägt die grelle, enorm lustvolle Inszenierung von Labiches "Pferd frißt Hut" von Herbert Fritsch mit einer umwerfenden Mischung aus artistischer Körperlichkeit und innerer Glaubwürdigkeit. Er ist hier ein Erbe der besten Slapstickkomiker aus der Stummfilmzeit, rasant, artistisch, übersprudelnd, aber doch mit einer Ahnung von Melancholie im Herzen. Dieser Fadinard reflektiert auch die Welt, die ihn verbiegt und verdreht, quetscht und quält. Vielleicht deshalb zerbricht er nicht an ihr. Das macht Hoffnung, über das Lachen hinaus, und gibt der Inszenierung eine unterschwellige Botschaft: Leistet Widerstand! Denn der Mensch hält was aus. (StK)

 

Jurypreis 1.000 €

gesponsert von der Firma Möbelstadt Rück:

 

Caspar Kaeser, Schauspieler für die Titelrolle in "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil

 

Caspar Kaesers drängendes, kraftvolles Spiel bewegt sich oft an der Grenze zur Aggression und hat doch immer auch etwas Lakonisches. In Roland Spohrs Inszenierung der "Verwirrungen des Zöglings Törleß" kommt ihm das zupass wie in keiner Oberhausener Produktion zuvor. Törleß' Verzweifeln an der eigenen Gefangenheit transportiert die Darbietung Kaesers mit beeindruckender Intensität. Ebenso bietet der intime Einblick in Musils Tyrannenschmiede Kaeser Gelegenheit, eine kaum erträgliche Kaltherzigkeit zu entwickeln, eine Gefühl- und Grenzenlosigkeit, die das Publikum wahrhaftig erschaudern lässt. Kein diktatorisches Gebrüll richtet hier den zum Opfer erkorenen Klassenkameraden zu Grunde - und wenn doch, dann sind es die offiziershaften Mitschüler, die sich dessen bedienen. Kaeser dagegen leistet als Törleß einem leisen Vernichtungswillen Vorschub, der in der atemberaubenden, schweren Luft des Malersaals kaum greifbar und doch allgegenwärtig ist. An Eindringlichkeit war dieses darstellerische Kunststück in der zurückliegenden Spielzeit nicht zu überbieten. (sib)

 

Günther-Büch-Nachwuchspreis 500 €

gesponsert von Erhard und Rosalinde Büch:

 

Manja Kuhl, Schauspielerin für die Rolle der Stella Kowalski in "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams

 

"Endstation Sehsucht" kennen wir als Zwei-Personen-Stück. Blanche und Stanley, bzw. Vivien Leigh und Marlon Brando in der klassischen Verfilmung, oder - seit dem 2.10.2009 am Theater Oberhausen - Elisabeth Kopp und Björn Gabriel. Dass es da noch eine dritte Hauptperson gibt, Stella, das zeigte uns Manja Kuhl in Peter Carps Neuinszenierung von Tennessee Williams' Südstaatendrama. Die junge Schauspielerin wertet die Schwester der Blanche und Gattin des Stanley durch einfühlsame Charakterisierungskunst enorm auf.

 

Als die Normale, die Gutmütige, "die Gute" im Stück hat die Stella naturgemäß einen schweren Stand gegenüber ihren Mitstreitern, die aufgrund ihres aufbrausenden Temperaments erst einmal interessanter zu sein scheinen. Stella ist eine Frau zwischen den Fronten. Und Manja Kuhls Stella punktet da mit glaubwürdiger, sympathischer Hilflosigkeit und aufrichtigen Empfindungen. Eine starke, preiswürdiger Leistung. (KSt)

 

Publikumspreis 2.500 €

gesponsert von der Stadtsparkasse Oberhausen:

 

Jürgen Sarkiss, Schauspieler

 

Der Schauspieler Jürgen Sarkiss wurde in der Publikumsabstimmung mit Mehrheit zum beliebtesten Schauspieler der Spielzeit 2009/10 gewählt. (G.L.)

 

 

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