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"Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner im Opernhaus Chemnitz

Premiere: 19. März 2016, 16.00 Uhr. -----

Im Nürnberg des 16. Jahrhunderts verliebt sich Eva in Walther von Stolzing, einen Junker vom Lande. Ihr Vater, der betuchte Goldschmied Pogner, ist Mitglied der Meistersinger – Handwerksmeister, die sich der Erschaffung und Pflege von Liedgut verschrieben haben.

Demjenigen unter ihnen verspricht Pogner seine Tochter zur Frau, der beim bevorstehenden Johannisfest das schönste selbstgeschriebene Lied vorträgt. Begreiflicherweise gerät Eva damit in einen Loyalitätskonflikt und sieht nur einen einzigen Ausweg: Walther muss binnen weniger Stunden zum Meistersinger werden. Doch das ist angesichts des strengen Regelwerks der Zunft ein schier aussichtsloses Unterfangen. Hilfesuchend wendet Eva sich an ihren alten Freund und Nachbarn, den Schuhmacher Hans Sachs …

 

Richard Wagner, geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, war Schüler der Kreuzschule Dresden und des Nicolai-Gymnasiums Leipzig. An der Leipziger Universität studierte er Musik, bevor er als Musikdirektor u. a. in Magdeburg, Königsberg (wo er die aus Oederan stammende Minna Planer heiratete) und Riga arbeitete. Von Riga aus flüchtete der notorisch verschuldete Mittzwanziger vor seinen Gläubigern nach Paris. Nach einem eher glücklosen Aufenthalt in der Seine-Stadt kehrte er 1842 nach Deutschland zurück und hoffte, in Dresden eine neue künstlerische Heimat zu finden. Dies schien ihm anfangs auch zu gelingen, denn er durfte noch im gleichen Jahr die hochgelobte Uraufführung seiner Oper „Rienzi“ erleben. Mit großer Hoffnung sah er danach der Uraufführung des „Fliegenden Holländers“ entgegen – leider war diesem Werk in Dresden nur ein Achtungserfolg beschieden. 1845 fand an der Hofoper Dresden die Uraufführung des „Tannhäuser“ statt. 1849 beteiligte sich Wagner am Dresdner Mai-Aufstand, wurde daraufhin per Steckbrief gesucht und ging (nach einer abenteuerlichen Flucht, die u. a. auch über Chemnitz führte) ins Exil nach Zürich. Aus diesem Grund konnte er der Uraufführung des „Lohengrin“ unter der Leitung von Franz Liszt in Weimar nicht beiwohnen. Die folgenden Jahre brachten viele Gastspielreisen ins Ausland sowie die Uraufführungen von „Tristan“, den „Meistersingern“, „Rheingold“ und „Walküre“ in München. 1872 übersiedelte Wagner nach Bayreuth, wo er seinen Traum vom Festspielhaus verwirklichte. 1876 fanden dort die ersten Bayreuther Festspiele mit der Aufführung des kompletten „Ring des Nibelungen“ statt. Danach wandte sich Wagner endlich dem „Parsifal“-Stoff zu, der ihn schon seit Jahren begleitete. Die Uraufführung dieses eigens für die akustischen Gegebenheiten des Festspielhauses geschriebenen Werkes fand 1882 während der zweiten Bayreuther Festspiele statt. Es sollte die letzte Premiere sein, die Wagner erlebte. Im Herbst reiste er mit seiner Familie nach Venedig, wo er am 13. Februar 1883 starb.

 

In der „Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen“ von Gottfried Gervinius fand Richard Wagner 1845 eine Abhandlung über den Meistergesang und Hans Sachs. Das erinnerte ihn an frühere Besuche in Nürnberg, bei denen er u. a. erlebt hatte, wie eine harmlose Verspottung eines Tischlermeisters zu einem handfesten Tumult wurde, der drohte, ein ganzes Stadtviertel lahmzulegen. Beides – die schriftliche Überlieferung und die unmittelbaren Erlebnisse – ließen in Wagner schnell den Plan für ein heiteres Bühnenwerk entstehen, den er aber zunächst noch zurückhielt mit der Begründung, „dass sich ihm die Heiterkeit, deren ein solcher Stoff bedurfte, bis jetzt nur in der Form der Ironie aussprach“. Außerdem benutzte Wagner noch Anregungen aus Schriften von Jacob Grimm, Johann Christoph Wagenseil, E.T.A. Hoffmann und Johann Ludwig Deinhardstein.

 

Richard Wagner hatte bereits zwei Drittel seines Mammutwerks „Der Ring des Nibelungen“ vollendet, als er aus akuter Geldnot ein „leicht zu realisierendes“ Werk für einen schnellen Erfolg brauchte. Als „Tristan und Isolde“ diesen Zweck nicht erfüllte, begann er 1861 mit der Dichtung der „Meistersinger von Nürnberg“, die aber ebenfalls erst sieben Jahre später uraufgeführt werden konnten – unter der Protektion König Ludwigs II. 1868 in München. Auf der Höhe seines Könnens schuf Wagner darin ein Plädoyer für die künstlerische Freiheit wie auch für die Kunstpflege, verknüpfte es mit einer zarten Romanze und bettete es in eine brillante Komödie ein, die ihren absurden Höhepunkt in einer nächtlichen Prügelei findet und in einen sängerischen Showdown mündet.

 

„Die Meistersinger von Nürnberg“ ist Wagners einzige heitere Oper und die einzige ohne tragisches bzw. zumindest ernstes Ende. Nachdem er in „Tristan und Isolde“ mit einer neuartigen, chromatischen Harmonik überraschte, liegt der Überraschungseffekt bei den „Meistersingern“ eher in der weitgehend diatonischen Musik, die an vielen Stellen archaisierende Züge trägt. Choräle und Volkslieder dienten ihm ebenso als Vorbild wie die Polyphonie eines J. S. Bach. Mit großer Freude setzte Wagner die einzelnen Charaktere in Musik um und verwendete besondere Sorgfalt, die Dialoge zwischen den Opernfiguren so natürlich wie möglich darzustellen.

 

Mit „Die Meistersinger von Nürnberg“ verabschieden sich Chefregisseur Michael Heinicke und Generalmusikdirektor Frank Beermann vom hiesigen Opernpublikum. Immer wieder hat sich Michael Heinicke in seiner mehr als 26-jährigen Tätigkeit in Chemnitz mit den Werken des Bayreuther Meisters auseinandergesetzt und damit nicht nur die Wagnerianer aus ganz Deutschland nach Chemnitz gelockt. Auch Frank Beermann räumt Wagners Kompositionen einen hohen Stellenwert in seinem Repertoire ein: Jüngst sorgte er im Rahmen der Mindener Wagnerprojekte mit „Rheingold“ einmal mehr für überregionales Aufsehen.

 

Musikalische Leitung: Frank Beermann

Inszenierung: Michael Heinicke

Bühne und Kostüme: Peter Sykora

Chöre: Stefan Bilz

 

Mit: Franz Hawlata (Hans Sachs), Thomas Piffka (Stolzing), Maraike Schröter (Eva), Roman Trekel (Beckmesser), André Riemer (David), Kouta Räsänen (Pogner), Tiina Penttinen (Magdalena), Matthias Winter (Kothner), Tommaso Randazzo (Vogelgesang), Andreas Kindschuh (Nachtigall), Marcus Sandmann (Zorn), Edward Randall (Eißlinger), Jürgen Mutze (Moser), Andreas Beinhauer (Ortel), Thomas Mäthger (Schwarz), Wieland Müller (Foltz), Johannes Wollrab (Nachtwächter)

 

Damen und Herren des Opernchores und des Extrachores der Oper Chemnitz

Robert-Schumann-Philharmonie

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 27. März, am 10. April und am 17. April, jeweils 15.00 Uhr im Opernhaus Chemnitz.

 

 

 

 

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