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Drei Premieren im Deutschen Nationaltheater Weimar

gefährliche liebschaften von christopher hampton

Do, 3. Juli 2008 / 20.00 Uhr / e-werk

 

der ring des nibelungen / dritter tag: götterdämmerung

richard wagner

Sa, 5. Juli 2008, 17.00 Uhr, großes haus

 

drei schwestern von anton tschechow

Di, 8. Juli 08, 20.00 Ihr, foyer III

gefährliche liebschaften von christopher hampton

 

Dieses Schauspiel nach dem Roman von de Laclos thematisiert die uralten Fragen von Eifersucht, Hass, Liebe, kurz Geschlechterkrieg in einer Zeit, in der die Götter für diese Art Affären ganz offenbar nicht mehr zuständig sind und keine Beschwörung sie mehr in die Pflicht zurückrufen kann. Alles beginnt an einem warmen Augustabend und endet vor der unverkennbaren Silhouette der Guillotine.

 

Die Marquise de Merteuil und ihr ehemaliger Liebhaber, der Vicomte de Valmont, machen sich als Meister der amourösen Manipulationen und perfiden Intrigen einen Spaß daraus, das Leben anderer Menschen zu ruinieren. Ihr nächstes Opfer soll Merteuils Ex-Geliebter Gercourt werden, der die Marquise gerade erst verlassen hat, um die 15jährige Klosterschülerin Cécile de Volanges zu heiraten. Aus Rache an Gercourt möchte die Marquise den notorischen Frauenhelden Valmont dazu überreden, die bislang unberührte Cécile zu verführen. In der Zwischenzeit hat sich die Marquise Céciles Vertrauen erschlichen, das naive Mädchen dazu überredet, dem in sie verliebten Chevalier Danceny, Liebesbriefe zu schreiben und dafür gesorgt, dass Madame de Volange diese Briefe findet. Da er sich an der Mutter

rächen will, die ihm Madame Tourvels Eroberung so erschwert, schaltet sich Valmont doch noch in Merteuils Intrige ein, spielt Cécile Dancenys Briefe zu und verführt sie eines Nachts.

 

Bei ihrem letzten Zusammentreffen wird aus der Intrigen-Spielwiese der Marquise und des Vicomte ein Schlachtfeld: Valmont, der die Tourvel immer noch für seinen größten Triumph hält, muss erkennen, dass der Treuebruch an seiner einzigen Liebe in Wahrheit Merteuils

größter Sieg über ihn ist. In einem Duell verletzt Danceny Valmont tödlich. Im Sterben bittet Valmont den Chevalier, Madame Tourvel zu gestehen, dass sie die einzige Frau sei, die er je geliebt habe. In einer letzten Szene erfahren wir, dass Madame Tourvel Dancenys Nachricht von Valmonts Tod nicht überlebt hat. Die Marquise Merteuil muss nun ohne ihren Gegenspieler Valmont auskommen und versucht, ihre Spiele weiterzuspielen. Doch am Vorabend der Französischen Revolution sind auch ihre Tage gezählt.

 

Niggi Ullrich (Regie) / Winnie Karnofka (Dramaturgie) / Vera Koch (Ausstattung)

 

weitere Termine:

Sa, 5. Juli 2008, 20.00 Uhr, e-werk

Sa, 12. Juli 2008, 20.00 Uhr, e-werk

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der ring des nibelungen / dritter tag: götterdämmerung von richard wagner

 

Richard Wagner sieht das Schlüsselmoment der Götterdämmerung darin, dass sich die Sänger für Siegfrieds Tod, wie die einmal für Weimar und Liszt gedachte Oper ursprünglich hieß "ganz von selbst bilden und fähig machen." Diese Forderung gilt besonders für den ring in weimar, der in seine finale Runde geht. Ein fast durchweg im Haus gewachsenes Ensemble, das auf einzigartige Weise die Theatralik der Fabel zwischen Wohnzimmer und Weltuntergang versinnbildlicht, verkörpert in wechselnden Rollen die permanenten Verwandlungen im grausam betörenden Spiel der Hassliebe zwischen den Generationen. Das beharrlich brennende Feuer und das unentwegt fließende Wasser aus dem Zauberspiel des Anfangs kehren ebenso wieder wie die Rheintöchter, die vor langer Zeit und doch erst gestern vergeblich vor der Hinfälligkeit des Spiels warnten. Das erschreckend Moderne liegt nicht zuletzt in Wagners beharrlicher Verweigerung der Versöhnung. Die Familie löst sich als letztes Bindeglied menschlichen Seins vollends auf.

 

Zwischen Kaspar Hauser, Oliver Twist und Harry Potter spielen endgültig desillusionierte Kinderwachsene ein letztes Mal das große Drama von

Hass, Eifersucht und Verrat. Um sie herum blasen die Posaunen zum letzten Gericht. "Ich sage nichts weiter", schrieb Wagner unter die vollendete Partitur der Götterdämmerung. Wagners Musik tönt wie die Zeilen aus einem späteren Gedicht von Else Lasker-Schüler: "Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, an der wir sterben müssen."

 

Carl St. Clair (Musikalische Leitung) / Michael Schulz (Regie) / Wolfgang Willaschek

(Dramaturgie) / Dirk Becker (Bühne) Renée Listerdal (Kostüme)

 

weitere Termine:

Sa, 4. Oktober 2008, 16.00 Uhr, großes haus

So, 2. November 2008, 16.00 Uhr, großes haus

So, 30. November, 16.00 Uhr, großes haus

So, 22. Februar 2009, 16.00 Uhr, großes haus

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drei schwestern von anton tschechow

 

Alle gesellschaftlichen Pfeiler, auf denen die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina ihr Leben aufgebaut und eingerichtet haben, zeigen in die Vergangenheit. Der verstorbene Vater ermöglicht ihnen einerseits ihren Lebensstandard, andererseits sind sie durch seinen, über den eigenen Tod hinausreichenden Einfluss eingeschlossen in ein Leben in der Provinz, das

keine Zukunft in sich birgt. Der Bruder hat die Kraft nicht, der Mann als Hoffnungsträger versagt, nicht nur in seiner Person, sondern auf ganzer Linie.

All ihre persönlichen Sehnsüchte aber versuchen, die Befreiung durch Nachdenken, Hadern und hilflose kleine Versuche zumindest heraufzubeschwören. Den großen Zufall, der ihnen Beine machen würde, gibt es nicht. Die gesellschaftliche Situation stagniert, es entsteht diese lähmende, fiebrige Atmosphäre wie vor einem lang erwarteten Gewitter, das Klärung,

Reinigung und die Möglichkeit zum Aufbruch bringen würde, aber dieses Gewitter kommt nicht. Die einzige Person, die ihre Arrangements zu ihrem Vorteil treffen kann, ist die Außenseiterin, die angeheiratete Frau Natalja, welche die Hoffnungen der drei Schwestern auf ein erfüllteres Leben, zerstört.

Am Ende bleibt man mit der Frage zurück, wie für eine gesellschaftliche Veränderung zu kämpfen wäre, deren Früchte man selbst nicht ernten wird. Geht das überhaupt, kann ein jeweils einzelner Mensch so etwas überhaupt, lohnt sich das und wenn ja, für wen, wenn Gemeinschaft etwas ist, was verlassen werden muss, um überhaupt auf einer entwickelteren

Stufe neu entstehen zu können?

 

Eine Inszenierung von Matthias Reichwald, der am DNT schon Tag der Gnade / Fräulein Julie und das Kinderstück Verkracht Verliebt mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht hat.

 

Matthias Reichwald (Regie ) / Susanne Winnacker (Dramaturgie) / Karoly Risz (Ausstattung)

 

weitere Termine:

Kostenloser Probenbesuch: Fr, 4. Juli 2008, 11.45 Uhr, foyer III . (Treffpunkt 11.45 Uhr

Kassenhalle)

Mi, 9. Juli 2008, 20.00 Uh, foyer III

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