Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Eugene Jonescos LA LEÇON - DIE UNTERRICHTSSTUNDE im Theater an der Ruhr MülheimEugene Jonescos LA LEÇON - DIE UNTERRICHTSSTUNDE im Theater an der Ruhr...Eugene Jonescos LA LEÇON...

Eugene Jonescos LA LEÇON - DIE UNTERRICHTSSTUNDE im Theater an der Ruhr Mülheim

Am 2. und 3. Februar Premiere im Theater an der Ruhr.

„Wie kommt das“, frug der Professor, „dass einfache Leute sich verstehen, ohne zu wissen, welche Sprache sie sprechen?“ Bitte? Was heißt: ohne zu wissen, welche Sprache sie sprechen?

 

Sprache passiert, fast von selbst, wir nutzen sie wie wir atmen. Jeder weiß, welche Sprache er spricht: ich sage, was ich denke, ich denke, also bin ich. Können Worte aber eigene Gedanken ausdrücken? Worte sind nichts Eigenes: ein papageienartig antrainiertes Vokabular, das fixen grammatischen Regeln zu folgen hat: wer will da „in eigenen Worten“ sprechen? Noch dazu in Zeiten reger politischer und ökonomischer Propaganda. Die Slogans der Spin-Doctors & Marketing-Strategen werden stetig perfekter – standardisierte Sprache standardisiert das aus Worten gebildete Denken. Bis „Worte (sind) wie Arsen: unbemerkt verschluckt, nach einiger Zeit ist die Giftwirkung da“, wie Viktor Klemperer zur gleichschaltenden Sprache des Faschismus notierte.
Menschenlose, automatisierte, „absurde“ Sprache, Manipulation durch Sprache, die Mechanismen einer „absurden“ Illusion von Kommunikation: dies sind Themen der Stücke Eugène Ionescos. Insbesondere „Die Unterrichtstunde“ beleuchtet grell den täglichen brutalen Sprach-Zirkus und seine Clowns, nämlich uns. Wird Sprache selbstverständlich, wird sie unverständlich: sie verwirklicht, adressiert niemand mehr, sie erzählt, im Vakuum um verselbständigte Begriffe kreisend, nichts mehr. Ist die Sprache nicht individuell, löst sich das Individuum auf in einen synthetischen Schwarm von Zeichen, der bloß noch „fälschlicherweise als Sprache bezeichnet wird, ein schrecklicher Orkan tönender Künstlichkeit...“, wie Ionescos Professor doziert. Sprache, schrieb Jacques Derrida, birgt die Notwendigkeit ihrer eigenen Kritik: Ionesco widmet sich dieser Notwendigkeit mit harter und exzessiver Komik.

Die Regie führt erstmalig Thomas Peter Goergen, der seit 2004 Regiemitarbeiter am Theater an der Ruhr ist.

Eine weitere Vorstellung findet am 27. Februar statt.

Karten unter 0208/59901-88 oder theater-an-der-ruhr@ealise.de




Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑