Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Euripides’ „Iphigenie“ im Schauspiel KölnEuripides’ „Iphigenie“ im Schauspiel KölnEuripides’ „Iphigenie“...

Euripides’ „Iphigenie“ im Schauspiel Köln

Premiere am 17. Mai um 19.30 Uhr im Schauspielhaus

 

In der Hafenstadt Aulis hat sich die gewaltige griechische Flotte versammelt, um von hier aus in See zu stechen in den Kampf gegen Troja. Seit Wochen verhindert eine Windstille das Auslaufen der Schiffe.

Da verlangt der Seher Kalchas, der Heerführer Agamemnon solle seine Tochter Iphigenie opfern, um von der Göttin Artemis das Ende der Flaute zu erwirken. Unter dem Vorwand, Iphigenie mit Achilleus verheiraten zu wollen, lockt Agamemnon seine Tochter ins Lager. Dort angekommen, flehen sie und ihre Mutter Klytaimnestra vergeblich, die Opferung zu unterlassen. Doch schließlich, in einer überraschenden Wendung, stimmt Iphigenie selbst ihrer Tötung zu.

 

Euripides Tragödie »Iphigenie in Aulis«, 405 v. Chr. in Athen uraufgeführt, erzählt von der Mobilisierung für den Vernichtungskrieg gegen Troja. Vom Nachkrieg erzählt seine »Iphigenie in Tauris« (412 v. Chr.): Nach der Schlachtung am Altar findet sich Iphigenie – angeblich von der Göttin Artemis gerettet – in einem Land am Rande der Zivilisation wieder: Thoas, der Herrscher von Tauris, zwingt sie, alle Fremden, die seine Insel betreten, in einem Opferritual zu töten. Für Iphigenie wiederholt sich so immer wieder die Urszene der Gewalt...

 

Goethe gab in seiner berühmten Adaption des Stoffes dem Geschehen eine optimistische, geradezu utopische Wendung. Iphigenie wird bei ihm zur Ikone der Humanität, des Glauben, dass durch Einsicht die private und öffentliche Spirale der Gewalt durchbrochen werden kann. Doch in den letzten Jahrhunderten sind uns die euripideischen Tragödien, geprägt von einer tiefen Skepsis gegenüber dem Lernpotential der Menschheit, in mancher Hinsicht näher gerückt als Goethes aufklärerische Utopie.

 

Karin Henkel, 1970 in Köln geboren, inszeniert 1993 zum ersten Mal am Staatstheater Wiesbaden. Ab 1995 arbeitet sie am Wiener Burgtheater unter der Intendanz von Claus Peymann, wo sie äußerst erfolgreich mit Millers »Hexenjagd« debütiert. Seitdem Inszenierungen an vielen wichtigen deutschsprachigen Theatern: am Hamburger Thalia Theater, dem Berliner Ensemble, der Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Zürich, in Bochum, Bremen, Leipzig und Düsseldorf. In den letzten Jahren regelmäßige Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und Staatstheater Stuttgart. 2006 wird sie für ihre Theaterarbeiten mit dem Caroline Neuber-Preis der Stadt Leipzig ausgezeichnet. Ihre Stuttgarter »Platonow« Inszenierung wird im gleichen Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2007 Nominierung zum Faustpreis mit »Liliom« (Staatstheater Stuttgart 2007). Am Schauspiel Köln inszeniert sie 2007/08 Molières »Der Menschenfeind«.

 

Es spielen Lina Beckmann, Felix Goeser, Angelika Richter, Clemens Schick, Maik Solbach und Julia Wieninger.

 

Regie: Karin Henkel, Bühne: Kathrin Frosch, Kostüme: Klaus Bruns, Dramaturgie: Rita Thiele

 

weitere Vorstellungen am 24., 27. und 29. Mai.

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑