Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Georg Friedrich Händel: "Teseo" - Staatsoper StuttgartGeorg Friedrich Händel: "Teseo" - Staatsoper StuttgartGeorg Friedrich Händel:...

Georg Friedrich Händel: "Teseo" - Staatsoper Stuttgart

Premiere 2. Mai 2009, 19 Uhr, Opernhaus

 

In freiem Rückgriff auf die Sagenwelt der griechischen Antike erzählt „Teseo“ die Geschichte des Helden Theseus, den die Zauberin Medea (gesungen von Ensemblemitglied Helene Schneiderman) für sich gewinnen will.

 

Es entspinnt sich ein Kräftemessen zwischen Gut und Böse, politische und private Welten verweben sich miteinander.

 

„Teseo“ dokumentiert Händels einzigen Versuch, italienische und französische Operntraditionen zu vereinen. Das Werk stand nach der Londoner Uraufführung 1713 erst 244 Jahre später wieder auf einem Spielplan, nämlich bei den Göttinger Händelfestspielen, und ist bis heute auf europäischen Bühnen kaum präsent.

 

Die selten gespielte Barockoper ist in Stuttgart mit drei Countertenören besetzt und hat unter der musikalischen Leitung von Konrad Junghänel Premiere. Für die Choreographie zeichnet Demis Volpi, Mitglied des Stuttgarter Balletts, verantwortlich. Die Produktion wird durch den SWR2 und das Deutschlandradio Kultur mitgeschnitten und beim Carus Verlag auf CD erscheinen.

 

In der Titelpartie gibt Franco Fagioli sein Staatsopern-Debüt. Der Argentinier wurde in Händel-Partien u.a. am Opernhaus Zürich, am Théâtre des Champs-Elysées in Paris und bei den Händelfestspielen in Karlsruhe gefeiert. Der mehrfach ausgezeichnete Matthias Rexroth kehrt als Arcane an die Staatsoper zurück. Das Trio vervollständigt Altus Kai Wessel als Egeo; in Stuttgart war er bereits in „Actus tragicus“ zu hören.

 

Für Regisseur Igor Bauersima geht es im „Teseo“ nur „vordergründig um ein simples Liebesdrama“. Er beleuchtet vor allem die in der Oper thematisierten Machtmechanismen: „Man kann in der damaligen Zeit des barocken Theaters viele Parallelen zum Heute sehen. Die politische Dimension kommt durch den Erfinder der Republik, Teseo, ins Spiel: Er gibt sämtliche Macht an den Bürger, entlässt ihn in die Freiheit und reduziert den Staatsapparat zum Beschützer dieser Freiheit. Heute, wo Politiker weltweit immer willkürlicher agieren, wo die Konzepte „Demokratie“ und „Republik“ ständig verwechselt werden und Freiheit für viele nur noch ein Fremdwort ist, wird die Erinnerung an Teseo immer dringlicher.“

 

Was die Folgen von Macht(missbrauch) für Gesellschaften bedeuten können, prognostiziert Bauersima im Bühnenbild: Es evoziert mittels Videoprojektion (Georg Lendorff) eine endzeitliche Welt mit Science-Fiction-Anleihen einer „nicht allzu fernen Zukunft“.

 

Dramma tragico in fünf Akten

Text von Niccolò Francesco Haym, nach Phillipe Quinault

In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung Konrad Junghänel

Regie und Bühne Igor Bauersima

Kostüme Johanna Lakner

Choreographie Demis Volpi

Video Georg Lendorff

Licht Reinhard Traub

Dramaturgie Angela Beuerle

 

Besetzung

Teseo Franco Fagioli / Jacek Laszczkowski

Agilea Jutta Böhnert

Medea Helene Schneiderman

Egeo Kai Wessel

Clizia Olga Polyakova

Arcane Matthias Rexroth

 

Weitere Aufführungen: 6., 10., 13., 22., und 30. Mai, 9., 13. und 26. Juni,

1., 8., und 18. Juli 2009

 

 

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑