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Gerhart Hauptmann, "Vor Sonnenuntergang", Theater in der Josefstadt Wien

Premiere 03.09.2015, 19.30 Uhr. -----

Der siebzigjährige Geheime Kommerzienrat Clausen liebt eine etwa vierzig Jahre jüngere Frau. Doch weder seine Familie noch seine Umgebung haben Verständnis für die späte Liebe des alten Mannes. In aller Radikalität kämpft Clausen um sein Glück, um die Sonne, die für ihn wieder aufgegangen ist.

Seine Kinder wiederum kämpfen verbissen um ihr Erbe, um die Firma. Clausens geistiger Verbündeter bei seiner Revolte ist ausgerechnet Goethe: der Dichter, der Mensch, der Anhänger eines heidnisch-dionysischen Sinnenlebens. Am Ende triumphiert die Generation der Erben, die das Lebenswerk der Eltern verwaltet – und eine Zeit, die nicht mehr vom Geist des Humanismus durchdrungen ist, sondern, wie Hauptmann schreibt, "mehr und mehr ihren einzigen Zweck im Profitmachen" sieht.

 

"Woher nehmt ihr das Recht zu eurem unverschämten Verhalten? Etwa daraus, dass ihr anspruchsvolle, verwöhnte, unter Sorgen und Mühen eurer Eltern großgepäppelte Bälger seid? Bin ich euer Geschöpf? euer Gegenstand? euer Eigentum? Oder aber ein freier Mensch mit dem Recht auf freie Entschließungen?"

Matthias Clausen

 

Die Uraufführung von Vor Sonnenuntergang am 16. Februar 1932 im Deutschen Theater ist Hauptmanns letzte große Premiere und die letzte bedeutende Premiere in der Weimarer Republik überhaupt. Schon der Titel Vor Sonnenuntergang gibt zu erkennen, dass es sich hier um einen vom Dichter selbst so empfundenen Einschnitt handelt und um das Ende der Epoche, die einst mit Vor Sonnenaufgang eingesetzt hatte. Dass das Drama vom sang- und klanglosen Untergang des Geheimrats Clausen den bewussten Abschied von einem Zeitalter darstellt, in dem "Geist" und "Macht" einander bisweilen durchdrungen oder zumindest streckenweise nebeneinander existiert hatten, ist eine nicht nur im Rückblick verlockende These.

 

Noch ist kein Jahr seit der Uraufführung vergangen, als Hauptmann 1933 in seinem Tagebuch kommentiert: "Stimmung vor Sonnenuntergang. Das Stück ist inzwischen geschrieben. Der Zustand scheint sich erst jetzt zu vollenden. Die Vergangenheit kapselt sich ab ... Das Geistige steht nicht mehr im Vordergrund. Es ist in Gefahr zu verschwinden."

Wolfgang Leppmann

 

Regie

Janusz Kica

Bühnenbild und Kostüme

Karin Fritz

 

Matthias Clausen, Geheimer Kommerzienrat

Michael König

 

Wolfgang Clausen, sein Sohn, Professor der Philologie

Christian Nickel

 

Egmont Clausen, genannt Egert, des Geheimrats jüngster Sohn

Alexander Absenger

 

Bettina Clausen, Tochter des Geheimrats

Pauline Knof

 

Ottilie Klamroth, Tochter des Geheimrats

Marina Senckel

 

Erich Klamroth, Ottiliens Mann, Direktor in den Clausenschen Betrieben

Raphael von Bargen

 

Paula Clothilde Clausen, geborene von Rübsamen

Martina Stilp

 

Dr. Steynitz, Sanitätsrat, Hausarzt und Hausfreund bei Clausens

Siegfried Walther

 

Hanefeldt, Justizrat, geschmeidiger Herr

Nikolaus Okonkwo

 

Immoos, Pastor

Alexander Strobele

 

Geiger, Professor an der Universität Cambridge, alter Freund des Geheimrats Clausen

André Pohl

 

Dr. Wuttke, Privatsekretär des Geheimrats

Matthias Franz Stein

 

Frau Peters, geborene Ebisch

Therese Lohner

 

Inken Peters, ihre Tochter

Martina Ebm

 

Winter, Diener bei Geheimrat Clausen

Alexander Waechter

 

Oberbürgermeisterin

Susanna Wiegand

 

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