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Glücksspiel in Roulettenburg

"Der Spieler" von Fjodor Dostojewskij im Düsseldorfer Schauspielhaus

Copyright: Sebastian Hoppe

 

Sommerfrische in einem deutschen Kurort. Die Attraktion: das Spielkasino. Alexej, leidenschaftlich und obsessiv in Polina verliebt, entdeckt bald eine andere Leidenschaft, die ihn alles andere vergessen lässt. Für Martin Laberenz’ Inszenierung nach Dostojewskiys Roman "Der Spieler" hat Volker Hintermeier in seinem Bühnenbild dafür ein eingängiges Bild gefunden, so spielt sich das ganze Geschehen in einem großen Rad ab. Es ist Hamsterrad, Glücksrad der Fortuna, Drehscheibe des Roulettes und symbolisiert Aufstieg und Fall, ist Sinnbild für Sucht und zwanghaftes Verhalten.

 

Alexej ist Privatlehrer bei einer mondänen russischen Gesellschaft, die sich im besten Hotel am Platze einquartiert hat und ständig über ihre Verhältnisse lebt. Tief verschuldet, erwartet man den Tod der reichen Erbtante. Diese taucht plötzlich, durch Telegramme aufgeschreckt, quicklebendig bei ihrer Verwandtschaft auf. Aber statt die Schulden des Generals zu begleichen, erliegt sie selbst dem Spielwahn. Karin Pfammatter als Antonida Wassilejewna verliert dabei alle Hemmungen, die Gier nach Gewinn treibt sie zur orgiastischen Szene und entlässt sie mit nichts als nackter Haut aus dem Spielcasino. Erst da wird ihr der Wahnsinn bewusst und geläutert reist sie aus Roulettenburg ab. Ganz anders ergeht es da Alexej, der meint, Polinas Schulden mit einem Spielgewinn ausgleichen zu können. Zwar zeigen die Damen durch aufreizende Kleidung, dass auch Liebe käuflich ist und für Blanche mag das auch zutreffen, Polina allerdings will Alexej nicht verpflichtet sein. Aber auch sie erliegt schließlich dem Spiel, allerdings ihrem Spiel mit der Liebe.

 

Die ganze Dekadenz der Gesellschaft zeigt Laberenz zugespitzt und schrill, fast als Moritat. Die Kostüme von Adriana Braga Peretzki unterstützen den Showeffekt. Die Vielschichtigkeit der Charaktere ist aufgegeben, weil Laberenz den Akzent mehr auf das Geldproblem als auf die Liebesprobleme des Romans setzt. So ist Edgar Eckert als Alexej von Anfang an getrieben und hektisch. Sebastian Grünewald als Mister Astley ist weniger geheimnisvoll als in Dostojewskiys Roman und Anna Blomeier als Polina weniger durchtrieben. Seinen Schauspielern lässt er Zeit für Improvisationen, in denen sie aus der Rolle treten können und offenbar nach Tagesform Kommentare abgeben dürfen. Quasi als Kurkapelle tritt die Gerresheimer Blaskapelle auf.

 

Insgesamt ein hochinteressanter Abend, allerdings etwas zu lang geraten. "Der Spieler" würde daher ungemein gewinnen, wenn einige Kürzungen vorgenommen würden.

 

"Der Spieler" von Fjodor Dostojewskij im Schauspielhaus Düsseldorf

Deutsch von Swetlana Geier / Für die Bühne bearbeitet von Martin Laberenz und Katrin Michaels

 

Besetzung:

Edgar Eckert / Alexej Iwanowitsch, Hauslehrer

Michael Abendroth / General Sagorjanskij

Anna Blomeier / Polina Alexandrowna, Stieftochter des Generals

Karin Pfammatter / Antonida Wassiljewna, Großtante des Generals

Sebastian Grünewald / Mister Astley

Sarah Hostettler / Mademoiselle Blanche de Cominges

Florian Jahr / Marquis des Grieux

Friederike Bernhardt / Musikerin

Pieter Fraune/Simon Hahn/Mirko Schreiber / Trompete

Herbert Sajonz/Joachim Urner / Tenorhorn

Lars Heimann/Shi-Jo Lee / Waldhorn

Heinrich Dornieden/Hans-Josef Hofmeister/Peter Müller/Damian Stepaniuk / Posaune

Thomas Meldrum/Karl Spitlbauer / Tuba

 

Regie: Martin Laberenz

Bühne: Volker Hintermeier

Kostüme: Adriana Braga Peretzki

Musik: Friederike Bernhardt

 

Premiere Samstag, 11. Januar 2014, 19.30 Uhr, Großes Haus

 

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