HomeBeiträge
Hessisches Landestheater Marburg: MACBETH William Shakespeare Hessisches Landestheater Marburg: MACBETH William Shakespeare Hessisches Landestheater...

Hessisches Landestheater Marburg: MACBETH William Shakespeare

Premiere: 13.09.19, 19.30 im Erwin-Piscator-Haus

Schottland führt Krieg und Macbeth entscheidet die Schlacht für sein Land. Hierfür erlangt er gleich dem Schicksalsruf der drei Hexen, die ihm und seinem Gefährten Banquo begegneten, den Ehrentitel. Doch der Ruf deutete auch auf einen noch größeren Gewinn hin – König solle er werden. Die Prophezeiung der Hexenschwestern hallt in Macbeth wider. Welch ungeheure Aussicht, König von Schottland zu werden. So zieht dieser leise Klang große Kreise und lässt den ersten Mord geschehen. Doch mehr noch: Diese Schwelle übertreten, ist die Blutspirale nicht mehr aufzuhalten. Zweifel und Angst werden zum Schweigen gebracht – die Krone gilt es zu erhalten, um jeden Preis.

 

Es ist eine Erzählung über Macht und deren Fortschreiben, nicht etwa ein passives, sich ereignendes, sondern ein aktiv herbeigeführtes. Zur Macht gekommen, ist er getrieben von Angst, diese wieder zu verlieren. Gewalt setzt sich fort, multipliziert sich. Die erlangte Hybris lässt ihn nur noch das sehen, was er sehen will. So ist MACBETH auch eine Erzählung über das immer gleiche Ende, die Katastrophe. Es gibt kein Mittel sich von der Schuld reinzuwaschen, auch wenn die Verschleierung des Blicks eine Sicherheit gewährt, ist diese nur von kurzer Frist. Und ist dieser Macbeth wirklich so anders? Nicht einer, der ich ebenso sein könnte? Ist es das unausweichliche Schicksal oder eher das emotionale Agieren, dessen man sich nicht widersetzen kann, sobald man ein wenig Macht erlangt? Wie skrupellos wird man beim Ringen um politische Macht, damals wie heute?

Mit Shakespeares kürzester Tragödie eröffnet Intendantin Carola Unser die neue Spielzeit 2019 / 2020 unter dem Motto REALITÄTEN. Wir begeben uns in der Auseinandersetzung mit diesem Klassiker auf die Suche nach den Realitäten, die andere erschaffen, die uns durchdringen und die wir doch alle gestalten können. Denn mehr noch geht es nicht nur um die Perspektive der Machthaber*innen, sondern ebenso, wie wir auf diese blicken. Wir sind es, die dieser Erzählung und diesen Inszenierungen von Macht beiwohnen, die dieses Bild stützen oder sich auf die Suche nach einem anderen Ende begeben können.

Für alle Menschen ab 14 Jahren, die sich kritisch mit den Mechanismen der Macht auseinandersetzen wollen und daran glauben, dass sie ihr Schicksal jederzeit in die eigene Hand nehmen können.

Regie: Carola Unser
Lichtdesign: Delia Naß
Bühne: Fred Bielefeldt
Kostüme: Jörn Fröhlich
Kostümassistenz: Filiz Özbengi
Musik: Erekle Getsadze
Dramaturgie: Christin Ihle
Theaterpädagogik: Michael Pietsch
Regieassistenz: Anne Decker

Es spielen:
Saskia Boden-Dilling
Sven Brormann
Jorien Gradenwitz
Zenzi Huber
Jürgen Helmut Keuchel
Ben Knop
Romy Lehmann
Daniel Sempf
Christian Simon
Metin Turan

Das Bild zeigt William Shakespeare

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Amerikanische Avantgarde

Mit gleich vier Stücken amerikanischer Choreographen der Moderne, die die amerikanische, aber auch die internationale Tanzszene erheblich beeinflussten, wartet der b40-Ballettabend an der Deutschen…

Von: Dagmar Kurtz

Kein Ort. Nirgends.

Ein goldener Läufer, golden wie eine Rettungsdecke, nimmt die Mitte der Bühne ein. Im Hintergrund liegt ein Mensch in eine graue Wolldecke gehüllt. So beginnt Raimund Hoghes Stück "Lettere amoroso".…

Von: Dagmar Kurtz

Ende einer Spaßgesellschaft

Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie hat sich in Schale geworfen, trägt nette 50er Jahre Sommerkleidung. Nur Hermann…

Von: Dagmar Kurtz

Clubnacht

Die Bühne schwarz, der Bühnenboden mit dunkler Erde und Plastikbechern bedeckt. Eine Frau kommt aus dem Dunklen und bewegt sich ganz langsam wie in Zeitlupe vorwärts. Nach und nach kommen weitere…

Von: Dagmar Kurtz

Distanziert

Man hat sich fein gemacht für das Fest bei den Capulets, alles glänzt und glitzert, die Damen tragen weite Tellerröcke oder Cocktailkleidchen und etwas zu viel Pailletten, der Hausherr erscheint im…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

 

Hintergrundbild der Seite
Top ↑