Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Hilbig lesen #2/Er, nicht ich" - Exkursion durch einen Text von Wolfgang Hilbig - Schauspiel Leipzig"Hilbig lesen #2/Er, nicht ich" - Exkursion durch einen Text von Wolfgang..."Hilbig lesen #2/Er,...

"Hilbig lesen #2/Er, nicht ich" - Exkursion durch einen Text von Wolfgang Hilbig - Schauspiel Leipzig

Premiere 2.6.2012, 21.00, Centraltheater. -----

… eine imaginäre Geschichte, die in den imaginären Zeilen eines imaginären Briefs auf der Lauer lag … auf der Lauer im Gebüsch, neunzehn Uhr, an einem kalten Novembertag, eine imaginäre Intrige in der imaginären Manteltasche seines imaginären Schattens … und es war diese Geschichte in den langen Mußestunden einer zermürbenden Inhaftierung entstanden.

Und es war die Geschichte einer Figurenentrümpelung … unwirklich allein derjenige, der sie in seinem Kopf herumtrug: dieser mußte übrigbleiben! Im Zentrum des zweiten Versuchs, Hilbig zu lesen, steht dessen Erzählung ER, NICHT ICH. Es ist eine wahrhaft kafkaeske Geschichte, in der der Autor seinen Protagonisten C mit einem Brief an die regierende Verwaltung ausstattet und in scheinbar ausweglosem Umherirren den Bildern seiner jüngsten Vergangenheit ausliefert. Wie in einem Zeitloch steckt dieser Mann in einer verstörten Realität fest, in der sich hyperreale Erinnerungsbilder mit der Wirklichkeit überblenden. Dabei gerät diese immer mehr unter den Verdacht der Fiktion und nährt Cs Wunsch, sie als „Geschichte“ hinter sich zu lassen. Mit dem für Wolfgang Hilbigs Prosa charakteristischen Sprach- und Gedankenfluss überschreitet das Denken von C jedoch so mühelos Zeit und Raum, dass ihm das erinnerte ICH zum ER wird, erst schattenhaft, bald wie ein Doppelgänger oder die Figur eines Textes. Die Ununterscheidbarkeit dieser zwei wird zur Krux.

 

Andrej Kaminsky setzt mit diesem Abend seine Spurensuche in den Texten des sächsischen Autors Wolfgang Hilbig (1941–2007) fort. Zusammen mit Manuel Harder folgt er nun den Zeilen von ER, NICHT ICH, durchwandern die beiden Schauspieler Bilder und Zeiträume.

Anja Nioduschewski

 

mit: Manuel Harder, Andrej Kaminsky

 

Leitung: Andrej Kaminsky

Ausstattung: David Funda

Dramaturgie: Anja Nioduschewski

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 9 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑