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"Karl V." von Ernst Krenek, Oper im Festspielhaus Bregenz

Premiere 24. Juli 2008 - 19.30 Uhr

 

Karl V. war Kaiser über ein Reich, in dem die Sonne nie unterging: In seinem "Bühnenwerk mit Musik" Karl V. zeichnet der österreichische Komponist Ernst Krenek (1900-1991) das Schicksal eines Mannes nach, der im 16. Jahrhundert nicht nur über halb Europa, sondern auch über die spanischen Gebiete in Amerika, Afrika und Asien herrschte.

In Form einer Beichte legt Karl V. einem jungen Mönch Rechenschaft über sein Leben ab und versucht, Motive und Wirkungen seiner politischen Handlungen zu verdeutlichen, um Absolution zu erhalten.

 

Krenek zeigt den übermächtigen Habsburger-Kaiser bei dem verzweifelten Versuch, sein Leben, seine Entscheidungen und Unterlassungen vor Gott, Kirche, Zeitgenossen und nicht zuletzt vor sich selbst zu rechtfertigen. Immer wieder stellt ihn der Komponist vor die Frage nach der persönlichen Verantwortung des einzelnen Menschen, der sich in einer von Unterdrückung, Brutalität und Krieg geprägten Welt an moralischen Maßstäben messen lassen will. Krenek entlässt die Zuschauer mit der Erkenntnis, dass nicht Wut, Hass und Gewalt, sondern nur Toleranz und Mitmenschlichkeit ein menschenwürdiges Dasein garantieren können.

 

Der historische Karl V. wird als Sohn Philipps I. des Schönen und Johanna der Wahnsinnigen 1500 in Gent geboren. 1506 erbt er das burgundische Reich seines Vaters, 1516 wird er zum spanischen König proklamiert. 1519 erbt er auch die österreichischen Gebiete in Mitteleuropa und wird zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs gewählt. Karl V. herrscht nun über die spanischen Königreiche Aragón und Kastilien, das burgundische Erbe, die Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien, über die spanischen Besitzungen in Amerika, Afrika und Asien sowie über die österreichischen Erblande: Er ist Kaiser über ein Reich, in dem die Sonne nie untergeht.

 

1526 heiratet er seine Cousine Isabella von Portugal. Das Paar hat fünf Kinder, darunter den Thronfolger Philipp II. Karls Ziel ist die Wiederherstellung des mittelalterlichen, christlichen, in einem Glauben vereinten Universalreichs unter kaiserlicher Führung. Doch die Rekatholisierung des Reichs scheitert. 1556 verzichtet er zugunsten seines Sohns Philipp II. auf den spanischen Thron und zugunsten seines Bruders Ferdinand I. auf die Kaiserwürde. Seine Idee von einem Universalreich unter seiner Führung hat sich als Illusion erwiesen: Die Einheit der Christenheit ist zerfallen, Europa reibt sich in dynastischen Konflikten auf. Karl zieht sich in das Kloster San Jerónimo de Yuste in der Extremadura zurück, wo er 1558 stirbt.

© Babette Karner 2007

 

Kreneks Interesse an dieser mittelalterlichen Figur wurde durch seine Abneigung gegen die gewalttätige Eskalation des deutschen Nationalismus Anfang der 30er Jahre geweckt. Eine Entwicklung, die seinen Traum vom Weltfrieden und von einem vereinigten Europa verstärkte. Für Krenek war Karl V. einer der letzten Repräsentanten der mittelalterlichen Vorstellung von Universalität. Zugleich war er aber auch eine problematische, dunkle Gestalt, ein Mensch voller Zweifel, sein Charakter geprägt von großer Unentschlossenheit. Erdrückt von den Problemen seines Amts macht es sich Karl V. zum Ziel, eine geistige Mission – die Einigung der Christenheit – mit politischen Mitteln zu erfüllen, und scheitert.

 

Im Gegensatz zu anderen Bühnenwerken Ernst Kreneks, wie etwa der erfolgreichen Jazz-Oper Jonny spielt auf, brachte es Karl V. immer nur zu gelegentlichen Aufführungen. Schon die Wiener Staatsoper, die das Werk in Auftrag gegeben hatte, sagte die für 1934 geplante Uraufführung unter dem Druck der nazifreundlichen Heimwehr ab. Erstmals gespielt wurde die Oper erst 1938 in Prag.

 

Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur selten Neuinszenierungen, obwohl Karl V. nicht nur als erste abendfüllende Zwölftonoper der Musikgeschichte, sondern auch als breit dimensioniertes, fesselndes Werk von höchster Aktualität gilt, das – auch mittels großzügig angelegten Dialogszenen – beweist, dass Zwölftonmusik nichts mit emotionaler Enthaltsamkeit zu tun haben muss. Krenek verwendete diese Technik für Karl V. in einer Zeit, als Zwölftonmusik noch als "schwachköpfige Verirrung" und eine Art "düsterer Kult" galt: Ein Unternehmen, das er später selbst als "sonderbares Abenteuer" bezeichnen sollte.

 

Musikalische Leitung: Lothar Koenigs

Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg

Bühne: Gisbert Jäkel

Kostüme: Antje Sternberg

Licht: Wolfgang Göbbel

Chorleitung: Anna Szostak

 

Wiener Symphoniker

Sängerensemble der Stadt Katowice - "Camerata Silesia"

 

u.a. mit:

Karl V.:

Dietrich Henschel

Juana:

Chariklia Mavropoulou

Eleonore:

Nicola Beller Carbone

Ferdinand:

Hubert Francis

Isabella:

Cassandra McConnell

Juan de Regla:

Moritz Führmann

Francisco Borgia/Pizarro/Papst Clemens VII.:

Christoph Homberger

Franz I.:

Matthias Klink

Frangipani/ Anhänger Luthers/Hofastrologe:

Alexander Mayr

Luther/Sultan Soliman:

Thomas Johannes Mayer

Vier Geister/Vier Uhren:

Cassandra McConnell, Katia Velletaz, Chariklia Mavropoulou, Katrin Wundsam

 

Weitere Aufführungen:

27. Juli – 11.00 Uhr

31. Juli – 19.30 Uhr

3. August – 11.00 Uhr

 

Preise:

Euro 100/85/70/55/40

CHF 172/146/120/95/69

 

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