Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Licht und SchattenLicht und SchattenLicht und Schatten

Licht und Schatten

"Mortal Engine" von Chunky Move im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Mit dem 2008 im Sydney Opera House uraufgeführten Stück "Mortal Engine" war jetzt die australische Kompanie Chunky Move im Tanzhaus NRW zu Gast.

 

"Mortal Engine" ist eine multimediale Tanzperformance, in der Musik, Bewegung und Lichttechnik gleichwertig sind. Sie beginnt damit, dass auf eine schräge weiße Bühnenplatte zu lauter elektronischer Musik mittels Videoprojektionen schwarze graphische Muster geworfen werden, die durch die Musik visualisiert scheinen, bis plötzlich fast unbemerkt aus dem schwarzen Bühnenhintergrund zunächst eine Figur auf der Szene erscheint. Wie Amphibien oder auch Insekten gleiten die Tänzer über diese schräge Fläche. Unbemerkt ihr Erscheinen und Verschwinden. Körper, entgrenzt, im Spiel zwischen Nähe und Distanz, werden im Licht gebadet oder verschwinden völlig im Dunkel, werden von Lichtpunkten bewirbelt.

 

Licht und Schatten ist das unbestreitbare Hauptmotiv dieser Performance. Figuren lösen sich aus dem Schatten, bilden selber einen, der Schatten bleibt als Nachbild erhalten, erhält ein Eigenleben. Die Musik macht kleinste, normalerweise nicht wahrnehmbare Bewegungs¬geräusche extrem verstärkt hörbar. Vor einem vertikal hochgeklappten Bühnenelement erscheinen zwei Tänzer als Liebespaar. Ein grüner Laserstrahl bildet einen Lichtraum, der sich bis in den Zuschauerraum erstreckt, diese mit einfängt und sich bis zum Weltenraum zu erweitern scheint. Der grüne Lichtstrahl umfängt eine Tänzerin, diese wiederum erweitert den Lichtraum durch ihre spielerischen Bewegungen. Ein überaus poetisches Bild.

 

"Mortal Engine", für sechs Tänzerinnen und Tänzer von Gideon Obarzanek konzipiert, beruht auf der Interaktion von Tanz, Projektion, Lichttechnik und Ton. Live per Computer gesteuert reagiert Lichttechnik auf Ton und beides auf Bewegungen der Tänzer. Die Szenenabfolge ist vorgegeben, aber jede Aufführung ist einzigartig, da Licht und Projektion live durch die Bewegungen der Tänzer ausgelöst werden.

 

Ebenso wie der Name der Kompanie - diese bewegen sich mitnichten "klotzig" - ist auch der Titel des Stücks eher irreführend, nicht Todes-/Sterbemaschine scheint gemeint, vielmehr das genaue Gegenteil: die Entstehung und Erschaffung der Welt durch Licht und Ton. "Mortal Engine" ist eine technisch äußerst perfekte, virtuose Verschmelzung von Bild und Musik, dynamisch und atemraubend, und auch voller Poesie.

 

 

Konzept, Regie, Choreografie: Gideon Obarzanek

mit: Kristy Ayre, Sara Black, Amber Haines, Lee Serle, James Shannon, Charmene Yap

interaktives Design: Frieder Weiss

Laser und Sound: Robin Fox

Komposition: Ben Frost

Setdesign: Richard Dinnen, Gideon Obarzanek

Kostümdesign: Paula Levis

Lichtdesign: Damien Cooper

 

Juni 2009

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑