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"Offene Gruben Offene Fenster. Ein Fall von Ersprechen" - eine Komödie von Werner Schwab, Theater im Pumpenhaus Münster

Premiere 06.09.2010, 20:00 Uhr

 

Der Mann war im Wortrausch, zeitlebens. Werner Schwab, Österreichs furioser Fäkaldramen-Dichter, spät entdeckt und früh verreckt, mit 35 Jahren und 4,1 Promille in der Neujahrsnacht erstickt, hat sich seine ureigene unnachahmliche Mundart erschaffen und ertrunken.

Hat ohne Luft zu holen die dreckig-schönsten Rinnstein-Texte für die größten deutschsprachigen Bühnen geliefert. Offene Gruben Offene Fenster ist Spätwerk. Radikal, poetisch. Ein Stück, in dem eine SIE und ein ER sich wie Fighter im Dialogring umkreisen. Handlung? Haltung! Linke Sehnsuchts-Gerade, rechter Zurückweisungs-Haken. ER: »War das notwendig?« SIE: »Nein, aber möglich.« Ein Schlagabtausch für Selbst- und Fremdvernichter, im Untertitel Ein Fall von Ersprechen.

 

Wenn Worte nicht töten könnten, wären sie wertlos. Das Münsteraner Label gloster! nimmt sich in Teil zwei seiner Österreich-Trilogie nach Peter Turrinis Eröffnung nun Werner Schwab zur Brust. Regie: Thomas Thieme, im Hauptberuf Ausnahmeschauspieler und Bühnenberserker, gefeiert als Schlachten!-Ross im legendären Shakespeare-Marathon von Luk Perceval genau so wie als Ewigkanzler Helmut Kohl im extrabreiten Fernsehformat. Dem ist nichts Menschliches fremd. Beste Voraussetzung, uns Schwäbisch beizubringen.

 

Es spielen: Carsten Bender, Katharina Merschel, Ursina Hemmi

 

Regie: Thomas Thieme

Lichtdesign: Volker Sippel

Graphikdesign: T.H. Barczyk

Fotographie: Kirsten Faust, Jörg Kersten

 

Produktion: gloster! Theaterproduktionen Koproduktion: Theater im Pumpenhaus Förderer: Kulturamt der Stadt Münster, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW Landesbüro Freie Kultur Unterstützer: KP&Z Werbeagentur GmbH

 

weitere Termine Donnerstag 07., Freitag 08. und Samstag 09. Oktober, jeweils um 20:00 Uhr

 

Reservierung

Theater im Pumpenhaus

Tel. 0251-23 34 43 oder über:

www.pumpenhaus.de

 

Vorverkauf

WN-Ticket Shop, Prinzipalmarkt 13–14,

Tel. 0251-690593

Mo. bis Fr. von 9:00 bis 18:00 Uhr

Sa. von 9:00 bis 14:00 Uhr

 

Über das Stück

Uraufführung war am 18.6.1992, Volkstheater Wien (Donaufestival) unter der Regie von: Stefan Bruckmeier. Aus der Vorbemerkung des Stücks: "ER (Carsten Bender) und SIE (Katharina Merschel) sind zwei jüngere, urban hergerichtete Personen. Das VEHIKEL (Ursina Hemmi) vollzieht die geheimen Assoziationen und Varianten von Gedachtem. Es ist das dritte Ding, das entsteht, wenn zwei Personen versuchen, sich aufeinander zuzubewegen."..."Gesprochen wird äußerst unzufällig. Man färbt die Worte persönlich, um sich womöglich gemeinsam auszukennen. Jedes Wort, jede gedankliche Verbindung ist eigentlich ein Versuchsballon. Andererseits betrachtet man das Gesprochene wie frisches Blut, das man in den Mund nehmen will, nachdem man sich verletzt hat." Der Theaterkritiker Jürgen Berger über „Offene Gruben“: „(Ein Text …,) der zum Besten zählt, was Schwab geschrieben hat. Er schillert und reflektiert Bedingungen von Sprache und Sprechen.“

 

Der S. Fischer Verlag über das Stück: "ER und SIE sprechen wie in einer Versuchsanordnung. Sie tasten verschiedene Räume ab, durchsuchen ihre wechselnden Gefühle, erproben diverse Zustände...Vorsicht und Aggression, Direktheit und Ausweichen, Entwicklung und Rückschritt - die Dynamik des Ersprechens ist grenzenlos. Das VEHIKEL (...) ist die Projektion diverser Aggregatzustände." Werner Schwab Werner Schwab wurde am 4. Februar 1958 in Graz geboren. Er wurde vom mittellosen Jugendlichen mit künstlerischen Ambitionen – vom Außenseiter und Verweigerer – von einem der „eklige Dinge“ tut (z.B. verwesende Skulpturen aus Fleisch und Knochen bauen) und sagt („Fäkalsprache“) – zu einem anerkannten und preisgekrönten Autor.

• 1992 Mülheimer Dramatikerpreis

• 1992 Dramatiker des Jahres der Zeitschrift "Theater heute“

• 1992 Förderpreis des Schiller-Gedächtnispreises

Schwab, der sich Anfang der neunziger Jahre mit seinen Stücken „Die Präsidentinnen“ und „Volksvernichtung“ zum meist gefragten Bühnenautor im deutschsprachigen Raum katapultierte, starb in der Neujahrsnacht 1994 im Alter von nur 35 Jahren an den Folgen seines exzessiven Alkoholkonsums. Offene Gruben gehört ist in dem Band "Königskomödien" erschienen und gehört zum Spätwerk von Werner Schwab.

Schwab taucht heute kaum noch auf den Spielplänen der Theater auf; nur "Die Präsidentinnen" und "Volksvernichtung" werden noch gelegentlich gespielt.

 

Thomas Thieme

Thieme ist 1948 in Weimar geboren. Thomas Thieme ist dem Publikum in erster Linie bekannt als Theaterschauspieler (u. a. Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, Berliner Ensemble, Volksbühne, Wiener Burgtheater, Münchener Kammerspiele, Hamburger Schauspielhaus, Schauspieler des Jahres 2000 für Schlachten!) und als Film- und Fernseh-Darsteller (u. a. Das Leben der Anderen, Der Untergang, Effi Briest, Die Tür, Der Baader-Meinhof-Komplex, Helmut Kohl – Der Film).

Produzent und Schauspieler dieses Stücks, Carsten Bender hat Thomas Thieme als Regisseur angefragt, weil er wusste, dass Thieme bereits mehrfach Schwab-Texte inszeniert hatte, z. B. eine Uraufführung einer Schwabschen Faust-Bearbeitung in Potsdam, und "Die Präsidentinnen" am Schauspielhaus Bochum. Thieme war so überzeugt von Benders Vorhaben, "Offene Gruben" zu machen, dass er zusagte und im Sommer mit den Proben begonnen werden konnte

Thieme über den "späten" Schwab: "Die Figuren, die Werner da geschaffen hat, sind wie Vexierbilder. Das sind Übermalungen - wie bei Arnulf Rainer. Die Personalauswahl, die man in den späten Stücken vorfindet, war aber schon beim "frühen" Schwab vorhanden."

 

Offene Gruben ist der zweite Teil der gloster!-Österreich-Trilogie, die mit Peter Turrinis "Die Eröffnung" 2009 im Pumpenhaus startete.

Neben Carsten Bender stehen auf der Bühne die Schauspielerin Cathie Merschel – z. Zt. engagiert am Stadttheater Aachen – sowie die Tänzerin und Folkwang-Absolventin (Tanz) Ursina Hemmi. Hemmi wird die Rolle des VEHIKELS tänzerisch interpretieren.

 

 

 

 

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