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»Ophelia_HM« in der Reihe »Black Box 20_21«, Hamburgische Staatsoper

Premiere: 11. Mai 2014, 20.00 Uhr, Opera stabile. -----

In der neuen Produktion trifft Musik von Wolfgang Rihm, Georg Katzer und Christian Jost auf Texte von Heiner Müller.

Mit Heiner Müller, seiner Sicht auf den Mythos Hamlet/Ophelia und seinem eigenen Verständnis als Dichter zwischen DDR und Wiedervereinigung setzt sich die neue »Black Box«-Produktion auseinander. Die erfolgreiche experimentelle Reihe in der Opera stabile wurde von Francis Hüsers und Kerstin Schüssler-Bach konzipiert. Am 11. Mai 2014 kommt mit »Ophelia_HM« die vierte Produktion heraus. Im bewährten Montage-Prinzip treffen in »Black Box 20_21« literarische Texte auf zeitgenössische Musik. In »Ophelia_HM« sind es Bruchstücke aus Heiner Müllers Autobiographie, aus seiner »Hamletmaschine« und seiner Lyrik, die sich mit korrespondierenden Kompositionen ergänzen: Wolfgang Rihm vertonte 1999 späte Gedichte von Heiner Müller in Liedminiaturen, die der Bariton Kay Stiefermann singt. Christian Jost kondensierte aus seiner »Hamlet«-Oper, die 2009 in »Opernwelt« zur »Uraufführung des Jahres« gewählt wurde, kristalline »Hamlet-Echos«. Und Georg Katzer setzte 1995 das »Ophelia«-Gedicht des Büchner-Preisträgers Wolfgang Hilbig in eine Tour de Force für Sopran und Cello.

 

Die Regie übernimmt Petra Müller, die die Serie »Black Box 20_21« 2013 mit dem Sylvia Plath/Aribert Reimann-Abend »I am your opus« eröffnet hatte. »Die Figur der Ophelia hat sich in der Moderne verändert: weg vom romantischen Bild, hin zu einer vehementen Anklage der bestehenden Verhältnisse.«, sagt sie. »Ophelia ist, wie Heiner Müller selbst, in einem System gefangen. Alternativen außerhalb dieses Systems zu denken, fällt schwer. Hier war mein Ausgangspunkt.« Petra Müller, gebürtige (Ost-) Berlinerin, spürt in ihrer Inszenierung auch der politischen Aufladung des Mythos nach: »Hamlet war für Heiner Müller ja eine regelrechte Obsession, wie er selbst zugegeben hat. Schon die Initialen HM = Heiner Müller = HamletMaschine sind sehr aufschlussreich. Shakespeare, so hat er gesagt, war nur in einer Diktatur möglich. Denn die Diktatur bietet eine Angriffsfläche für den Dramatiker«. Dass Heiner Müller selbst nach dem Untergang des Sozialismus mit Schreibblockaden reagierte, ist auch eine Folge seiner Inthronisierung als öffentliche Figur, als großer Orakelsprecher im wiedervereinigten Deutschland.

 

»Die Verletzlichkeit, die er verbergen wollte, führte ihn letztlich zur Resignation«, meint Petra Müller. »In seiner Autobiographie präsentiert sich nicht die kantige Theaterikone auf dem Sockel, sondern der Privatmann mit Humor und Sinnlichkeit. Ich finde es sehr schön, dass das dramaturgische Konzept beide Texte verbindet: das Hermetische, Rätselhafte der ›Hamletmaschine‹ und einen Menschen, der nach innen blickt und furchtlos von seinem eigenen Tod spricht.«

 

Die musikalische Leitung der Produktion übernimmt Volker Krafft. Mit Gabriele Rossmanith (Sopran) und Kay Stiefermann (Bariton) sowie den Schauspielern Kristina Bremer, Maureen Havlena, John Wesley Zielmann und Naomi Seiler und Thomas Tyllack von den Philharmonikern Hamburg.

 

Black Box 20_21: »Ophelia_HM«

Musik von Wolfgang Rihm, Georg Katzer und Christian Jost

Texte von Heiner Müller

 

Musikalische Leitung und Klavier: Volker Krafft

Inszenierung: Petra Müller

Ausstattung: Kai Cassuben

Konzept / Dramaturgie: Kerstin Schüssler-Bach, Francis Hüsers

 

Sopran: Gabriele Rossmanith

Bariton: Kay Stiefermann

 

Mitglieder der Philharmoniker Hamburg

 

Vorstellungen: 13, 16. und 18. Mai 2014, 20.00 Uhr

Opera stabile

 

 

 

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