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OstOstOst - Ring-Uraufführungsfestival im Theater Magdeburg, Bühnen der Stadt Gera, Die Theater Chemnitz

16. – 18. April 2010

 

Zwanzig Jahre Wiedervereinigung - der Bruch, schnell und radikal, hat sich über alle gesellschaftlichen Bereiche und das Kulturleben gezogen und das Leben im Osten, aber auch im Westen Deutschlands grundlegend verändert.

Wo stehen wir also zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung und was haben unterschiedliche Autoren und Arbeitsteams in den Theatern hierüber entdeckt?

 

Drei Theater im Osten Deutschlands, aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen (Magdeburg, Chemnitz, Gera/Altenburg) haben sich 2009 zu dem länderübergreifenden Ring-Uraufführungsprojekt OSTOSTOST zusammen getan und gehen einmalig in einem gemeinsamen Festival zwanzig Jahre nach dem Mauerfall auf Forschungsreise zur jüngsten europäischen und deutsch-deutschen Geschichte. Alle drei Uraufführungen werden an allen drei Häusern an drei Tagen hintereinander zu sehen sein!

 

Wie vielfältig und differenziert die Annäherung an dieses gesellschaftsprägende Thema sein kann, zeigen die unterschiedlichen Schwerpunkte und Herangehensweisen, die unter dem Titel OSTOSTOST gewählt und entwickelt worden sind: Das gesamte 20. Jahrhundert am Beispiel eines Hauses und seiner wechselnden Bewohner betrachtet die Produktion aus Gera/Altenburg mit der Uraufführung nach Jenny Erpenbecks viel beachteten Roman „Heimsuchung“. Das Theater in Magdeburg hat einen Stückauftrag an die polnische Autorin Malgorzata Sikorska-Miszczuk vergeben; ihr Stück "Das Ende der Welt" thematisiert den Mauerfall aus polnischer Sicht. Und die Theater Chemnitz bieten drei jungen Autoren aus dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig die Chance, ihre Sicht auf die Wende und ihre Folgen zu entwerfen. Entstanden ist dabei die Trilogie „Was vom Westen übrig blieb“ mit Texten von Julia Dathe, Roman Ehrlich und Mirko Wenig.

 

Der leitende Gedanke dieser Theaterkooperation ist, das Thema der Wende in Zusammenhänge mit dem Jetzt zu setzen, neue Standpunkte zu entwickeln und alte zu hinterfragen, Parallelen und Verschiebungen, Perspektivenwandel und lokale sowie überregionale Zusammenhänge aufzuspüren.

Für das Publikum wird es die Möglichkeit geben, an jedem der drei Theater OSTOSTOST - Erfahrungen zu machen und das Experiment einer Zusammenarbeit von drei Bundesländern und Theatern mit zu erleben, für das sonst jedes Theater einzeln bereist werden müsste.

 

Das Geraer Stück: 16.4. Gera, 17.4. Magdeburg, 18.4. Chemnitz

 

Das Magdeburger Stück : 16.4. Magdeburg, 17.4. Chemnitz, 18.4. Gera

 

Das Chemnitzer Stück: 16.4. Chemnitz, 17.4. Gera, 18.4. Magdeburg

 

***

 

Ausführliche Information zu den einzelnen Stücken

 

OSTOSTOST

Drei Theater im Osten Deutschlands, in Chemnitz, Magdeburg und Gera, haben sich zu einem Drei-Länder-Projekt zusammen getan und gehen zwanzig Jahre nach dem Mauerfall auf Forschungsreise zur jüngsten europäischen und deutsch-deutschen Geschichte.

 

3 x THEATER + 3 x URAUFFÜHRUNG = 1 x WENDESPEKTAKEL

Die Uraufführungen des Festivals:

>> Heimsuchung

Roman von Jenny Erpenbeck Dramatisierung von Anja Gronau / Anne-Sylvie König

Jenny Erpenbeck erzählt in ihrem Roman am Beispiel eines Hauses und seiner Bewohner wunderbar poetisch über hundert Jahre deutsche Geschichte.

Das Grundstück des Großbauern, einst für seine Tochter bestimmt, wurde zur Parzelle, aufteilbar und verkaufbar. Der erste Eigentümer ist beruflich mit der Planung von Heimat beschäftigt und während Max Schmeling 1936 im Ring steht, maßschneidert der Architekt für seine Verlobte das Haus, den Garten, die Bäume.

 

Anfang der 50er Jahre wird er in den Westen fliehen, das Grundstück mit Haus zurücklassend - um den jüdischen Besitz erweitert, als dieser nichts mehr wert war. Die Bewohner hinterlassen Spuren, der Rotarmist in der dunklen Kleiderkammer und die ermordete Enkelin des jüdischen Tuchhändlers, deren Erinnerung an ihre Kindheit an Haus am See im Todeslager ausradiert wurde. Dreißig Jahre später sitzt die Schriftstellerin in dem gepachteten Haus, das jetzt Volkseigentum ist, ihre Enkelin spielt in der Sonne – es sind die 70er Jahre der Deutschen Demokratischen Republik.

Am Ende steht der Abriss, nach 1989 im wiedervereinigten Deutschland. Der Gärtner aber, der alterslos und unvergänglich den Garten am See über ein Jahrhundert hegte, ist fort.

 

Jenny Erpenbeck gelingt es mit ihrem 2008 erschienenen und hochgelobten Roman an die Sprachgewalt und poetische Dichte ihrer Romane Wörterbuch (2004) und Geschichte vom alten Kind (1999) anzuschließen.

Regie: Anja Gronau, Bühne: Katrin Hieronimus, Kostüm: Olaf Habelmann, Dramaturgie: Anne-Sylvie König

 

Mit Karin Kundt-Petters, Judith Mauthe, Luzia Schelling; Manuel Kressin, Peter Donath, Matthias Ransberger

Termine 16. April 2010 Bühnen der Stadt Gera; 17. April 2010 Theater Magdeburg; 18. April 2010 Schauspielhaus Chemnitz

 

OstOstOst

>> Was vom Westen übrig blieb

 

Eine Trilogie mit Texten von Julia Dathe, Roman Ehrlich und Mirko Wenig*

 

Im Herbst 2009 jährte sich zum zwanzigsten Mal die sogenannte Wende. Mit der Trilogie „Was vom Westen übrig blieb“ gehen wir der Frage nach, was in diesen zwanzig Jahren hier im Osten passiert ist. Vor allem aber der Frage, wie sich das Leben im Hier und Jetzt verhält.

„Fickfleisch“ von Julia Dathe handelt von den privaten und politischen Irrwegen einer WG, während draußen der Staatszirkus zum Wende-Jubiläum tobt. In Roman Ehrlichs „Klappenstück“ treffen zwei Figuren, Abfallprodukte einer entsorgten Gesellschaft, aufeinander, die sich als Teil eines neuerlichen Müllkreislaufs wiederfinden. Die Justiz-Groteske „Jasminblüte“ von Mirko Wenig widmet sich den pervertierten moralischen Werten unserer Gesellschaft.

Regie: Christine Hofer, Bühne / Kostüme: Lisa Däßler, Cleo Niermeyer, Elisabeth Weiß**, Dramaturgie: Matthias Huber / Alexander Elsner

 

Mit Julia Berke, Laura Hänsel***; Wenzel Banneyer, Jannik Nowak***, Sebastian Tessenow***

 

*StudentInnen des Deutschen Literaturinstitutes Leipzig

**StudentInnen der Hochschule für Bildende Künste Dresden

***StudentInnen der Hochschule für Musik und Theater Leipzig

 

Termine 16. April 2010 Schauspielhaus Chemnitz; 17. April 2010 Bühnen der Stadt Gera; 18. April 2010 Theater Magdeburg

 

OstOstOst

>> Das Ende der Welt

von Malgorzata Sikorska-Miszczuk

 

Die Polen sind es leid, dass die Deutschen bei jeder Gelegenheit behaupten, den Eisernen Vorhang ganz allein zu Fall gebracht zu haben. Daher beauftragt ein polnischer Geheimagent die TV-Produzentin Malgorzata, eine Sendung zu machen, die der allgemeinen Geschichtsfälschung durch die Deutschen endlich ein Ende bereitet. Malgorzata holt sich eine polnische Durchschnittsfamilie ins Studio, doch diese polnischen Bürger lassen sich so gar nicht für die Sendung verwertbar machen - und schlimmer noch: Am Ende steigen auch noch die Deutschen in die TV-Produktion mit ein, und die ganze Sendung muss umgebaut werden. Es scheint unmöglich, eine schlüssige und gültige Erzählung der geschichtlichen Ereignisse seit 1989 zu produzieren, die obendrein auch noch fernsehtauglich ist…

Malgorzata Sikorska-Miszczuk, 1964 in Warschau geboren, ist eine der renommiertesten polnischen Autorinnen der Gegenwart. Mit ihrem Ulrike-Meinhof-Stück „Der Tod des Eichhörnchenmenschen“ erregte sie 2008 auf internationalen Theaterfestivals großes Aufsehen.

 

Regie: Nina Gühlstorff, Bühne/Kostüme: Marouscha Levy, Dramaturgie: Heide Palmer

Mit Christiane Boehlke, Babette Slezak; Ralph Martin, Sebastian Reck, Axel Strothmann

 

Termine 16. April 2010 Theater Magdeburg; 17. April 2010 Schauspielhaus Chemnitz; 18. April 2010 Bühnen der Stadt Gera

 

Das Uraufführungsfestival wird in allen drei Städten innerhalb von drei Tagen zu sehen sein, danach zeigen die jeweiligen Theater ihren Beitrag im aktuellen Spielplan.

 

 

 

 

 

 

 

 

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