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"Otello" von Giuseppe Verdi im Theater Chemnitz

Premiere: 31. Januar 2015, 19.30 Uhr im Opernhaus. -----

Otello, der kluge, mächtige Feldherr, ist trotz seiner militärischen Erfolge immer ein Außenseiter geblieben. Aus Angst, irgendeinen Fehler zu machen, hat er sich hinreißen lassen, dem Gerede um die Untreue seiner Gattin Desdemona Glauben zu schenken.

 

Mit eiskaltem Kalkül tötet er sie, obwohl er sie einst so sehr liebte. Zu spät erkennt Otello, dass all das nur eine von seinem Konkurrenten Jago angezettelte Intrige war, um ihn zu vernichten.

 

William Shakespeare schrieb seinen „Othello“ 1602. Er basiert auf den historischen Ereignissen während der Machtkämpfe der Republik Venedig mit dem Reich der Türken Ende des 16. Jahrhunderts. Verdi und Boito waren sich bewusst, dass sie dem großen literarischen Anspruch der Vorlage nur gerecht werden konnten, indem sie eine neue Opernform schaffen würden. Viele Jahre des gemeinsamen Ringens gingen ins Land; ein umfangreicher Briefwechsel voller interessanter Details zeugt davon. Boito straffte die Handlung des Shakespeare-Dramas. Wo es möglich war, verwendete er die Worte des großen Engländers. Verdi versuchte, dem gesprochenen Wort so nahe wie möglich zu kommen. Statt mit umfangreichen mehrteiligen Arien drückte Verdi nun alles Nötige in knappen lyrischen Episoden aus - keine Note ist zu viel, kein Ausbruch zu heftig, keine Chorszene zu umfangreich. Verdi hat gemeinsam mit Boito ein geniales, minutiös durchgeplantes Konzept umgesetzt, das der Zuschauer nicht als solches wahrnimmt. So entstand ein Werk, mit dem das italienische Musikdrama seine vollendete Reife erreichte. Zwischenzeitlich wurde als Titel „Jago“ in Betracht gezogen, doch Verdi bestand schließlich auf „Otello“: „Man spricht und schreibt mir immer von Jago!!! Er ist (das ist wahr) der Dämon, der alles bewegt, aber Otello ist der, der handelt. – Er liebt, ist eifersüchtig, tötet und tötet sich selbst“, schrieb Verdi an Boito. Verdi selbst überwachte die Uraufführung am Teatro alla Scala in Mailand. Als sich am 5. Februar 1887 der Vorhang nach der Vorstellung schloss, brach ein Begeisterungssturm los.

 

Giuseppe Verdi war bereits 39 Jahre alt, als ihm 1842 die Uraufführung seiner Oper „Nabucco“ an der Mailänder Scala endlich den lange erhofften internationalen Durchbruch verschaffte. Die Werke der mittleren Schaffensperiode – „Rigoletto“, „Un ballo in maschera“, „La Traviata“ und „Troubadour“ – wurden Welterfolge. Er hatte das musikalische Erbe seiner Landsleute Rossini, Bellini und Donizetti mit neuen, eigenen Gedanken angereichert und führte so die italienische Oper zu einer neuen Blüte. In „Aida“ erreichte Verdis Entwicklung eine erste Vollendung. Er vereinigte den prunkhaften Stil der großen französischen Oper mit italienischem Gesangsausdruck. Wort und Musik waren zu einer Einheit verschmolzen. Nach dem Erfolg von „Aida“ wollte Verdi das Opernschreiben aufgeben. Doch Giulio Ricordi, sein langjähriger Freund und Verleger, wollte nicht an das Ende der Ära Verdi glauben und zog mit sicherem Instinkt einen Trumpf aus dem Ärmel: den Librettisten Arrigo Boito, ungefähr dreißig Jahre jünger als Verdi, selbst Komponist, erfahren als Autor und Übersetzer von Operntexten. Seit „Macbeth“ im Jahre 1847 war es Verdis Wunsch gewesen, noch einmal ein Shakespeare-Werk für die Opernbühne zu bearbeiten. Zu groß jedoch war sein Respekt vor dem Meister. Erst Arrigo Boito gelang es, Verdi für die Arbeit an Shakespeares „Othello“ zu gewinnen.

 

Das Inszenierungsteam

 

Frank Beermann (Musikalische Leitung)

feierte in den letzten Jahren große Erfolge im Opern- und Konzertrepertoire. Sein Interesse an unbekannten und neuen Werken hat zu spannenden CD-Veröffentlichungen geführt, die u. a. mit dem ECHO Klassik geehrt wurden. Seit 2007 ist er Generalmusikdirektor der Theater Chemnitz und Chefdirigent der Robert-Schumann-Philharmonie. Unter seiner Leitung fanden vielbeachtete Opernaufführungen statt, wie die von ihm initiierte Uraufführung der nunmehr komplettierten Meyerbeer-Oper „Vasco de Gama“ im Februar 2013, die von der Zeitschrift OPERNWELT zur „Wiederentdeckung des Jahres“ gewählt wurde. Gastdirigate führten ihn u. a. an die Staatsoper Unter den Linden und die Deutsche Oper Berlin, die Bayerische Staatsoper München, das Teatro Liceu Barcelona, die Königliche Oper Stockholm, die Finnische Nationaloper Helsinki, die Semperoper Dresden und die Opéra de Lausanne.

 

Michael Heinicke (Inszenierung)

ging 1977 als Oberspielleiter des Musiktheaters ans Stadttheater Freiberg, 1980 in gleicher Funktion zum Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen. 1990 kam er als Operndirektor und Chefregisseur nach Chemnitz. Seitdem hat er hier sowohl Opern, Operetten als auch Musicals inszeniert, u. a. die sogenannten zehn Bayreuther Wagner-Opern, mehrere Opern von Richard Strauss, die Verdi-Opern „Rigoletto“, „Nabucco“, „Aida“, Wills „Weg der Verheißung“, „The Rake’s Progress“, „Die wundersame Schustersfrau“, „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ sowie die Musicals „Fame“, „Les Misérables“, „Jekyll & Hyde“, „Anatevka“ und „PlayMe“. Als Gastregisseur war er an Theatern des In- und Auslandes tätig, u. a. in Bonn, Berlin, Köln, Ottawa, Washington und bei den Salzburger Festspielen.

 

Otello

Dramma lirico in vier Akten von Giuseppe Verdi

Libretto von Arrigo Boito

(Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln)

 

Musikalische Leitung: Frank Beermann

Inszenierung: Michael Heinicke

Bühne und Kostüme: Peter Sykora

Chor: Simon Zimmermann

 

Es singen:

Christian Juslin / Niclas Oettermann (Otello), Maraike Schröter (Desdemona), Pierre-Yves Pruvot / Adam Kim (Jago), Cordelia Katharina Weil (Emilia), Dan Karlström / André Riemer (Cassio), Edward Randall (Roderigo), Kouta Räsänen (Lodovico), Thomas Mäthger (Montano), Lukasz Wieloch (Ein Herold)

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 3., 21. und 28. Februar, jeweils 19.30 Uhr.

 

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