Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
»Roméo et Juliette« von Charles Gounod im Theater Magdeburg »Roméo et Juliette« von Charles Gounod im Theater Magdeburg »Roméo et Juliette« von...

»Roméo et Juliette« von Charles Gounod im Theater Magdeburg

Premiere am Sa. 3. 10. 2020, 19.30 Uhr, Opernhaus

Wieder ist es eine Oper, die auf literarischer Grundlage fußt: »Roméo et Juliette«. Shakespeares Liebestragödie »Romeo und Julia« beschäftigte Gounod bereits in den Jahren 1839/1840, nachdem er die gleichnamige »Symphonie dramatique« seines Kollegen Hector Berlioz gehört hatte, die sich programmatisch – unter Beteiligung von Gesangssolist*innen und eines Chores – am Romeo-und-Julia-Stoff abarbeitete.

 

Das Opern-Projekt Gounods, der populärste Komponist der französischen Opernschule des 19. Jahrhunderts, nahm erst ab dem Jahr 1864 konkretere Form an. Das Libretto lieferten ihm Michel Carré und Jules Barbier, die ihm auch schon den Operntext zu »Faust« verfasst hatten. Die Uraufführung erfolgte am 27. April 1867 im Théâtre Lyrique in Paris.

Die bekannteste Liebestragödie der Weltliteratur hier noch einmal kurz zusammengefasst: Schon seit langer Zeit leben die Familien Montaigu und Capulet in Fehde. Als Roméo Montaigu – uneingeladen – auf einem von Graf Capulet ausgerichteten Maskenball auftaucht, trifft er das erste Mal auf Juliette, die Tochter des Gastgebers. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Doch schnell droht Unheil: Roméo wird von Juliettes Cousin Tybalt erkannt, der sofort Rache für die Annäherungsversuche des Eindringlings nehmen will. Graf Capulet gebietet zunächst Einhalt, aber der Konflikt zwischen den beiden Familien eskaliert schließlich blutig. Ein letzter Versuch, die Liebe zwischen Juliette und Roméo zu retten, scheitert an einem tragischen Missverständnis …

Regisseurin Karen Stone spürt in ihrer Inszenierung den stofflichen Wurzeln nach und sucht den Shakespeare in der Gounod-Oper. Ohne den lyrischen Grundcharakter der Oper zu verleugnen, will sie »zurück zu einer Elisabethanischen Robustheit«, wie sie selbst sagt. Dabei nimmt sie insbesondere die Figur des Romeo in den Fokus und befreit ihn von seinem romantischen Zuckerguss, der ihm – als männlichem Part des größten Liebespaares der Welt – übergegossen wurde und der bis in die heutige Zeit prägend wirkt. Romeo – das ist für viele der ungebrochene, wenn auch tragische, Held der ewigen Liebe. Für Stone sind auch ein Hang zur Gewalt und eine Sprunghaftigkeit in dieser Figur. So sind in dieser Inszenierung auch viele Fechtszenen zu erleben.

Julia ist für sie eine junge Frau, die sich zunächst einmal nach Freiheit und Selbstbestimmung sehnt, wie sie es gleich in ihrer berühmten Auftrittsarie »Je veux vivre« (»Ich will leben in diesem Traum, der mich berauscht«) anklingen lässt. Ausgehend vom Liebespaar, das in dieser Welt nicht zueinanderkommen kann, lotet die Regisseurin in ihrer Inszenierung darüber hinaus das Spannungsfeld von innerer Nähe und äußerer Distanz aus – ein Thema, das in Zeiten des erzwungenen Social Distancing umso relevanter erscheint. Denn auch diese Inszenierung entsteht unter Berücksichtigung der coronabedingten Auflagen.

Bühnenbildner Ulrich Schulz hat für die Inszenierung einen abstrakten Raum entworfen, der sich für die einzelnen Szenen durch Spiegelwände, einen Katafalk und verschiedene Lichtein-stellungen verändert.

Für die Titelpartien in »Roméo et Juliette« kehren eine Sopranistin und ein Tenor an das Theater Magdeburg zurück, die beide das Magdeburger Publikum schon in mehreren Opern-Produktionen begeisterten. Raffaela Lintl (Juliette), bis vergangene Spielzeit festes En-semblemitglied am Theater Magdeburg, brillierte unter anderem in der Titelpartie von Dvořáks »Rusalka« sowie als Liù in Puccinis »Turandot«. Der philippinisch-USamerikanische Tenor Arthur Espiritu stand bereits in zwei Inszenierungen von Karen Stone am Theater Magdeburg auf der Bühne – zunächst als Ferrando in Mozarts »Così fan tutte«, dann als Rodolfo in Puccinis »La Bohème«. Nun debütiert er in der Rolle des Roméo am Theater Magdeburg. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des 1. Kapellmeisters Svetoslav Borisov.

Oper in fünf Akten
Libretto von Jules Barbier und Michel Carré nach William Shakespeare
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung                                         Svetoslav Borisov
Regie                                                         Karen Stone
Bühne, Kostüme                                         Ulrich Schulz
Choreografie                                                 David Williams
Fechtchoreografie                                         Johannes Wollrab
Dramaturgie                                                 Thomas Schmidt-Ehrenberg
Choreinstudierung                                         Martin Wagner/Philipp Schweizer

Juliette                                                 Raffaela Lintl
Roméo                                                 Arthur Espiritu/Benjamin Lee  
Stéphano                                                 Karina Repova
Gertrude                                                 Ks. Undine Dreißig
Tybalt                                                         Jonathan Winell/Benjamin Lee
Benvolio                                                 Anders Kampmann/Peter Diebschlag
Mercutio                                                 Johannes Wollrab
Pâris                                                         Marko Pantelić
Grégorio                                                 Thomas Matz
Capulet                                                 Zhive Kremshovski
Frère Laurent                                                 Johannes Stermann
Le Duc                                                 Paul Sketris
Frère Jean                                                 Frank Heinrich

Ballett Magdeburg
Opernchor des Theaters Magdeburg
Magdeburgische Philharmonie

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 21 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Forever young

Die Essenz zweier realer und eines fiktiven Lebens werden in dem Theaterstück "Dorian" von Darryl Pinckney und Robert Wilson miteinander verknüpft: die des Malers Francis Bacon, des Autors Oscar Wilde…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Mythos erwacht zum Leben

Widersprüchlich und nicht ganz greifbar ist die historische Figur der Johanna von Orléans. Schier unglaublich, wie es einem einfachen Bauernmädchen im 15.Jahrhundert gelang, bis zum König…

Von: Dagmar Kurtz

"Krabat", Ballett nach einem Buch von Otfried Preußler von Demis Volpi in der Deutschen Oper am Rhein

Das 2013 in Stuttgart uraufgeführte Handlungsballett „Krabat“ nach dem beliebten Roman von Ottfried Preußler, in dem er eine sorbische Sage verarbeitet, hatte jetzt an der Deutschen Oper am Rhein…

Von: Dagmar Kurtz

Rocky Horror Picture Show trifft auf Homer

Heftiges Klopfen an der Tür. Es ist nicht der verstorbene Komtur, sondern ein junges Paar, das Einlass begehrt. In ihrer Inszenierung des „Don Giovanni“ für die Deutschen Oper am Rhein“ nutzt Karoline…

Von: Dagmar Kurtz

Der schöne Schein

Täuschungen über Täuschungen, Doppelmoral und Betrug. In der Operette „Die Fledermaus“ macht jeder jedem etwas vor, allein die schwungvolle Musik mit Wiener Walzerseligkeit täuscht darüber hinweg und…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑