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Ruhrfestspiele Recklinghausen: Uraufführung „Arbeiterinnen“ von werkgruppe2 & Programmhighlights der vierten Festspielwoche

ab 27. Mai 2021

Digital: „Arbeiterinnen / Pracujace kobiety“ von werkgruppe2. Ein dokumentarisches Porträt von drei Frauengenerationen aus Arbeiterfamilien im Ruhrgebiet und in Niederschlesien, Koproduktion mit werkgruppe2, dem Schauspiel Essen und dem Teatr Polski – w podziemiu. Uraufführung am 27. Mai, 20:00 Uhr, Digitales Ruhrfestspielhaus (On-Demand bis zum 30. Mai verfügbar)

 

Copyright: Ruhrfestspiele Recklinghausen

Sechs Lebensgeschichten von Frauen in Polen und Deutschland, die anders verlaufen sind als erhofft: „Arbeiterinnen“ erzählt über drei Generationen hinweg von der Erfahrung eines sozialen Abstiegs, der mit dem Verlust von Arbeit zusammenhängt. Mal ist eine ganze Industrie-Branche abgewickelt worden, mal der Betrieb insolvent gegangen oder die Kinderbetreuung fehlte. Um der Frage näher zu kommen, was Arbeit für die eigene Identität bedeutet, hat die Kompanie werkgruppe2 über ein Jahr lang Interviews mit Frauen aus Arbeiterfamilien in den Industrieregionen Niederschlesien und Ruhrgebiet geführt.

So ist ein berührendes und intimes Porträt entstanden, von Frauen in Polen und Deutschland, die zu den gesellschaftlich Ausgeklammerten zählen. „Arbeiterinnen“ hätte bereits im letzten Jahr bei den Ruhrfestspielen Premiere feiern sollen und musste aufgrund der Absage der Festspiele verlegt werden. Das Thema hat seitdem nicht an Brisanz verloren. Schon wenige Monate nach dem Ausbruch der Pandemie ließ sich feststellen, dass von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen diejenigen – insbesondere Frauen – betroffen sind, die in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, und dass ein erschreckend starker Backlash auf traditionelle Rollenbilder in Familien zu beobachten ist. Der vergleichende Blick auf die europäischen Länder Polen und Deutschland macht deutlich, wie Arbeitsbiografien brüchig werden und Geschlechter- und Familienmodelle sich verändern. Und es entsteht die dringende Frage, wie gegenseitige Solidarität möglich ist.

werkgruppe2 ist eine freie Künstlerinnenkompanie, die Projekte des dokumentarischen Story-Tellings entwickelt. In vor allem Theater- und Filmarbeiten versucht werkgruppe2, soziale Wirklichkeit aus der Perspektive von Menschen zu beschreiben, die zu gesellschaftlichen Minderheiten, Unsichtbaren, Ausgeklammerten zählen. Beruhend auf einer ausführlichen journalistischen Recherche entstehen atmosphärisch und erzählerisch dichte Umsetzungen, welche die Grenzen von Dokumentation und Fiktion ausloten. Ausgangspunkt für die Texte sind narrative Interviews, die meist eine klar umrissene Perspektive auf ein Thema erfassen.

Regie Julia Roesler, Drehbuch Silke Merzhäuser, Julia Roesler, Musikalische Leitung Insa Rudolph, Visuelles Konzept/ Schnitt Isabel Robson, Kamera Miriam Tröscher (D), Piotr Jaxa (PL), Ausstattung Léa Dietrich, Viva Schudt, Dramaturgie Silke Merzhäuser, Piotr Rudzki, Judith Heese, Konzept und Recherche werkgruppe2, Piotr Rudzki, Übersetzungen Kasia Noga, Iwona Uberman, Andreas Volk. Postproduktion Cine Complete
27. Mai, 20:00 Uhr, Stream des Films

Weitere Programmpunkte der vierten Festspielwoche
Live: „Happiness“ von Dries Veroeven – Installation im öffentlichen Raum
Der niederländische Theatermacher und Bildende Künstler Dries Verhoeven erforscht mit der begehbaren Installation „Happiness“ die Welt des künstlichen Glücks. Den Raum, wo das Menschliche und Künstliche verschmelzen.

Auf dem Kirchplatz in der Recklinghäuser Innenstadt, gegenüber der Propsteikirche St. Peter, steht ab 25. Mai ein kleines Betongebäude. Eine seltsame Kreuzung aus Apotheke und öffentlicher Toilette. Man kann das Gebäude betreten. Im Innern sitzt an einer Art Verkaufstresen hinter einer Glasscheibe ein weiblicher Humanoid, ein menschlich aussehender Roboter und spricht zu den Eintretenden.

Dries Verhoeven ist Theatermacher und bildender Künstler. Er entwickelt Installationen, Performances und Happenings in Museen, an Originalschauplätzen und im öffentlichen Raum. Der niederländische Künstler erzeugt mit seinen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Theater und Installation ein irritierendes Spannungsfeld zwischen Zuschauer*innen und Performer*innen, Alltagsrealität und Kunst. Die Zuschauer*innen sind direkt in die Arbeit eingebunden. Dries Verhoevens Arbeiten waren u. a. bei den Wiener Festwochen, Salzburger Festspielen, Onassis Cultural Center/Athen und beim Holland Festival zu sehen.

Die Installation „Happiness“ ist zwischen 25. Mai und 6. Juni (außer am 31. Mai) täglich von 13:00 bis 21:00 Uhr geöffnet und kann jeweils von einer Person betreten werden. Jede Einzelvorstellung (in engl. Sprache) dauert rund 25 Minuten, der Eintritt ist frei. Alle Details finden Sie auf unserer Website. 

Schauspielhighlights im Digitalen Ruhrfestspielhaus
Gleich zwei große Schauspielproduktionen mit bekannten Schauspieler*innen zeigen wir in der kommenden Woche im Digitalen Ruhrfestspielhaus. Ab 28. Mai streamen wir „Don Quijote“ von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes, das in der vorletzten Woche extra im Deutschen Theater Berlin für die Ruhrfestspiele aufgezeichnet wurde. Es spielen Ulrich Matthes und Wolfram Koch. In der Inszenierung von Jan Bosse wird daraus eine Feier der Fantasie und der Schauspielkunst. Tagsdrauf ist die erste digitale Vorstellung von „Orlando“ nach dem Roman von Virginia Woolf in der Regie von Lily Sykes mit Corinna Harfouch in der Titelrolle. Witzig, boshaft, schillernd und voller Provokationen gilt „Orlando“ als Meisterwerk der literarischen Moderne und ist eines von Woolfs bekanntesten Bücher, nicht zuletzt, weil die Autorin in ihm scheinbar Unverrückbares demontiert: Stand, Status, Geschlecht und Geschichtsschreibung, Macht, Posen und Konventionen. Am 29. Mai gibt es zudem im Anschluss an die Vorstellung ein Künstler*innengespräch mit Beteiligten der Produktion.  
Don Quijote: 28., 29., 30. Mai, Stream, Digitales Ruhrfestspielhaus
Orlando: 29., 30., 31. Mai, Stream, Digitales Ruhrfestspielhaus  

„All Genius All Idiot“ – Neuer Zirkus aus Schweden (digital)
Die vier Ausnahmeakrobaten, Absolventen der Circus-Universität Stockholm, mischen Zirkus, Tanz, Slapstick und Musik, ein bisschen Glitzerkonfetti und viel Anarchie. Es ist ein schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn, aber die schwedische Svalbard Company balanciert besonders tollkühn darauf. Sie agieren in halsbrecherischen Höhen, am Vertikalseil und Chinesischen Mast, im Handstand und am Boden. Und nebenbei spielen sie nicht nur mit diversen Instrumenten den wunderschön bizarren Soundtrack dieser surrealen Show selbst ein, sondern jonglieren auch noch die großen philosophischen Fragen des Lebens, sexuelle Identitäten, genauso wie Schönheitsideale und banale Nichtigkeiten.

29. Mai, Stream, Digitales Ruhrfestspielhaus (On-Demand Sonntag, 30.5 bis 23:00 Uhr)
 

 

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