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Schwärmen in SevillaSchwärmen in SevillaSchwärmen in Sevilla

Schwärmen in Sevilla

"Il barbiere di Siviglia" von Gioacchino Rossini in der Deutschen Oper am Rhein

Es ist eine alte Geschichte um Liebe, Rivalität und Geld, wobei letzteres bei weitem das Hauptinteresse zu sein scheint. Die reizende Rosina wird von ihrem Vormund Doktor Bartolo wie eine Gefangene gehalten. Um sie sich und vor allen Dingen ihr Vermögen zu sichern, bereitet Bartolo die Hochzeit mit ihr vor. Graf Almaviva bekundet ebenfalls Interesse an der Schönen und schaltet Figaro als Vermittler ein. Rosina verfolgt eigene Interessen, sie will sich aus der Herrschaft von Bartolo befreien. Der Wettkampf um Rosina beginnt.

 

Das Summen der Musik Rossinis und der Text inspirierten Claus Guth dazu, den ersten Akt von Rossinis Oper "Il barbiere di Siviglia" ins Insektenreich zu verlegen. Das ist nicht so abwegig, wenn man das Treiben und die Triebe der Menschen einmal unter Aspekten der Verhaltensforschung betrachtet, zumal auch Übertragungen aus der Fabeldichtung bestens bekannt sind. Doktor Bartolo tritt daher als dicke Spinne auf, Rosina als Schmetterling, Figaro als Eintagsfliege, Graf Almaviva als Biene, Don Basilio als Grashüpfer, die Hausangestellte als Schnecke, die Mitglieder des Herrenchores als dicke Fliegen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Die wunderbaren Kostüme entführen in ein zauberhaftes Märchenland, in dem das Altbekannte noch einmal einen ganz neuen Reiz gewinnt. Die Liebesserenade von Jose Manuel Zapata als Graf Almaviva und Dmitri Vargin als Figaro, flamencoartig gesungen, werden ergänzt durch ein schmachtendes "Besame Mucho".

 

Diese Heiterkeit wird im zweiten Akt gedämpft, wenn sich die Dramatik des Geschehens zuspitzt und die Figuren wieder in Menschen zurückverwandelt sind, die statt unter einer Trompetenblume nun vor einer Excel-Tabelle agieren müssen. Das macht zwar Sinn, schließlich geht es jetzt auch mehr ums Kalkül, insgeheim hätte man sich aber eine Fortführung des Zaubers gewünscht. Offenbar war sich der Regisseur dessen bewusst und lässt ganz zu Schluss die Protagonisten wieder mit Versatzstücken der Insektenkostüme auftreten. Die gelungene Transformation ins Insektenreich steigert jedenfalls die Attraktivität der Rossinischen Oper ganz ungemein. Schade nur, dass die Sänger an diesem Abend offenbar meinten, sich stimmlich hinter der genialen Regiearbeit schonen zu können. So hatte Jose Manuel Zapata anfangs Schwierigkeiten in Fahrt zu kommen, auch Lena Belkina als Rosina hielt sich etwas zurück. Dmitri Vargin überzeugte als fetziger Figaro, auch Adam Palka als gehemmter Don Basilio und Romana Noack als frivole Berta schienen in Bestform zu sein. Die kleinen gesanglichen Einschränkungen schmälerten den Genuss aber keinesfalls! Viel Beifall für eine gelungene Inszenierung.

 

Musikalische Leitung: Axel Kober

Inszenierung: Claus Guth

Szenische Einstudierung: Nina Kühner

Bühnenbild und Kostüme: Christian Schmidt

Licht: Georg Boeshenz

Video: Andi A. Müller

Chorleitung: Christoph Kurig

Dramaturgie: Bettina Auer

 

Graf Almaviva: Jose Manuel Zapata

Figaro: Dmitri Vargin

Bartolo: Oleg Bryjak

Rosina: Lena Belkina

Don Basilio: Adam Palka

Fiorillo: Bogdan Baciu

Berta: Romana Noack

Ein Offizier: Attila Fodre

Chor der Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker

 

Premieren

02.12.2011 - Opernhaus Düsseldorf

17.03.2012 - Theater Duisburg

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