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Staatstheater Wiesaden: "Kiss Me, Kate" - Musical von Cole Porter

Premiere Sonntag, 11. Oktober 2009, 18.00 Uhr, Großes Haus

 

Mit Evergreens wie „Schlag nach bei Shakespeare“ und „Wunderbar!“ kommt des „Broadways liebstes Kind“ endlich mal wieder auf die Bühne des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden: das Erfolgsmusical „Kiss Me, Kate“ von Cole Porter.

 

In der Tat steht, steht bei Shakespeare was drin: über Irrungen und Wirrungen von Liebe und Eifersucht der wahren menschlichen Komödie, die sich manchmal auf und manchmal ebenso hinter der Bühne ereignet wird da erzählt. Und gerade dieses Durch- und Miteinander von Theater und Leben, das den Geist der Shakespear’schen Theaters ausmacht, ist in Porters und Spewacks Musical „Kiss Me, Kate“ zum dramaturgischen Prinzip erhoben.

 

Hinter der Bühne eines kleinen Provinztheaters streiten und lieben sich Lilli Vanessi, die Diva der Truppe, und ihr Ex-Ehemann Fred Graham, zugleich Hauptdarsteller und Produzent. Zunächst geht es um Rollen, die man auf der Bühne spielen oder nicht spielen will, dann aber vor allem um Liebe, denn obwohl schon lange glücklich geschieden, lieben sich die beiden heimlich doch immer noch. Umso deftiger ist der Streit, denn sie als Schauspieler der Hauptrollen von Kate und Petruchio auch auf der Bühne in einer Version von Shakespeare’es Tragödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ austragen. Wie das Leben und der Zufall so spielen: in Shakespeares Komödie geht es auch um den Dauerkrach eines Liebes- und späteren Ehepaares. Kate gibt sich widerspenstig, unangepasst und kratzbürstig, während sich Petruchio in der Rolle des Machos versucht, herrisch und männlich unwiderstehlich. Doch leider unterliegen beide im Geschlechterkrieg ihren wahren Gefühlen. Lilli und Fred können ihre Rollen ebenso mit wahrem Leben erfüllen wie sie umgekehrt ihren Bühnenkrieg heiter-lustvoll im wahren Leben fortsetzen. Fred liebäugelt mit der schauspielerisch minder begabten, aber dennoch hochtalentierten Blondine Lois Lane, während Lilli ihr neues Lebensglück bei dem Militärgeneral Harrison Howell zu finden hofft.

 

Die ewigen Eifersüchteleien sind den beiden vielleicht ein wahres Vergnügen, denn anderen Theaterangestellten aber eher peinlich. Zu allem Überfluss hat Fred auch noch Probleme mit zwei Kleinganoven, die angebliche Spiel-schulden bei Fred einlösen wollen, was ihm aber nur entgegen kommt, um Lilli als Hauptdarstellerin bei der Stange zu halten: das Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ muss der Kasseneinnahmen wegen ein Erfolg werden und dieser ist nur mit Lilli denkbar – auf den Bret-tern, die die Welt bedeuten und im wahren Leben.

 

Das amerikanische Broadway-Musical hat mit der Uraufführung von „Kiss Me, Kate“ am 30. Dezember 1948 nach Erfolgsstücken wie „Show Boat“ (1927) von Jerome Kern und „Oklahoma!“ (1943) von Richard Rogers und Oscar Hammerstein einen ersten Höhepunkt der Gattungsgeschichte erlebt. Die Verwendung literarischer Vorlagen für das Musical war eben-so eine Erfolgsgarantie wie die vom Jazz und Swing beeinflusste Musik. Bella und Samuel Spewack traten mit der Idee an Porter heran, Shakespeares Komödie „The Taming of the Shrew“ („Der Widerspenstigen Zähmung“) zu einer „musical comedy“ umzuformen und mit dem Alltag eines gewöhnlichen amerikanischen Broadway-Theaters zu verknüpfen, wo handfeste Streitereien und Eifersüchteleien unter den Künstlern ebenso auf der Tagesord-nung stehen wie Korruption und Kleinkriminalität.

 

Diese kunstvolle Verknüpfung von realistischem Theatermilieu und ästhetischer Illusionswelt des Shakespeare-Theaters öffnet ein komplexes thematisches Spektrum in der Wechselbeziehung zwischen Wirklichkeit und Kunst. So wird die Idee der Verwandlung auf verschiedenen Ebenen durchgespielt und führt schließlich in der Verknüpfung aller Handlungsfäden zum glücklichen Ausgang der Liebesgeschichte hinter und auf der Bühne. Die Illusionswelt der Bühne erscheint durch den Einbau der Ganovengeschichte als ebenso zerbrechlich wie die Gefühlswelt der Protagonisten, wor-in einmal gewählte Rollen und Masken bald fallen, wenn die Wahrheit des Lebens zutage tritt. Während Lilli/Katharina bei einer Szene der Bühnenkomödie noch Teile ihres vorge-schriebenen Shakespeare-Textes spricht, droht sie völlig aus der Rolle zu fallen, weil sie in einem Blumenstrauß leider nicht die Requisiten des Theaters entdeckt sondern einen Liebesbrief von Fred an Lois. Der unglückliche Zufall fügt die Geschicke geschickt zum glücklichen Ende.

 

„Kiss Me, Kate“ knüpft einerseits an Bühnenwerke an, die das Theater selber zum Thema machen, etwa wie Mozarts „Der Schauspieldirektor“, Lortzings „Die Opernprobe“, Donizettis „Viva la Mamma!“ und auch „Ariadne auf Naxos“ von Strauss/Hofmannsthal, ist aber andererseits ein amerikanisches Tanzmusical par excellence. Schwungvolle Tanznummern zwi-schen Foxtrott, Walzer und Swing, ironische Couplets wie „Bloß kein Mann!“, liedhafte Balla-den wie „Seltsam“ und pfiffige Ensemblenummern wie „Schlag nach bei Shakespeare!“ und „Es ist viel zu heiß!“ exponieren eine musikalische Bandbreite, die voller szenischer Schwungkraft und Emotionalität sind.

 

„Kiss Me, Kate“ gewann 1949 fünf „Tony Awards“ und war auch in den Jahren danach das erfolgreichste und meist gespielte Musical am Broad-way. 1953 wurde es von George Sidney verfilmt und eroberte in der deutschen Übersetzung des Berliner Kabarettisten Günter Neumann in den 50er Jahren die deutschen Theaterbühnen. Der amerikanische Arrangeur Don Sebesky hat für eine New Yorker Neuproduktion 1999 die Partitur von Cole Porter neu eingerichtet, den Jazz- und Big-Band-Sound verstärkt und auch die Gesangsnummern neu instrumentiert. Diese Version hatte 2008 als deutsche Erstaufführung einen Sensationserfolg an der Komischen Oper Berlin und wird nun auch am Hessischen Staatstheater Wiesbaden gespielt.

 

Nach dem großen Erfolg von „My Fair Lady“ inszeniert Iris Gerath-Prein nun auch diesen Klassiker des amerikanischen Broadway-Musicals. Die Berliner Choreografin Andrea Heil erarbeitet die Tanzeinlagen mit einer kleinen Kompanie von Musical-Tänzern. Wie schon bei „My Fair Lady“ werden die beiden Hauptrollen von Annette Luig (Lilli Vanessi/ Katharina) und Dirk Schäfer (Fred Graham/Petrucchio) verkörpert. Die musikalische Leitung übernimmt Wolfgang Wengenroth, der seit dieser Spielzeit als 2. Kapellmeister am Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert ist.

 

Buch von Samuel und Bella Spewack

Musik und Gesangstexte von Cole Porter

Neue Orchestration von Don Sebesky (Broadway 1999)

Deutsch von Susanne Felicitas Wolf

 

Musikalische Leitung Wolfgang Wengenroth

Inszenierung Iris Gerath-Prein

Choreografie Andrea Heil

Bühne und Kostüme Florian Etti

Choreinstudierung Christof Hilmer

Dramaturgie Bodo Busse

 

Mit: Annette Luig (Lilly Vanessi/Katharina), Dirk Schäfer (Fred Graham/Petruchio), Nina Vlaovic (Louise Lane/Bianca), Wolfgang Vater (Harry Trevor/Baptista), Rosemarie Schu-bert (Terrie, Gaderobiere), Eric Biegel (Erster Mann), Klaus Krückemeyer (Zweiter Mann), Brett Carter/Rainer Maaß (Bill Calhoun/Luccentio), Christopher Busietta (Hortensio), Rai-ner Maaß/Christian Burkhardt (Gremio), Axel Wagner (Harrison Howell), Simone Brähler (Raphi, Inspizientin), Thomas Braun (Tom, der Pförtner)

 

Orchester, Chor, Statisterie, Extraballett des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

 

 

Weitere Vorstellungen:

Fr 16.10., So 18.10., Do 22.10. und Di 27.10.

jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus

 

 

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