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Tanzgeschichte

"parades & changes, replays" von Anna Halprin/Anne Collod & Guests im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Anna Halprin (geb. 1920) zählt zu den Pionieren des amerikanischen modernen Tanzes. Ihr Ansatz, aus Improvisationen heraus ein Stück zu entwickeln und Alltagsgeschehen in die Choreographie zu integrieren, war seinerzeit eine völlig neue Herangehensweise. Die Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsstudien und Gestalttherapie und eine generelle Offenheit gegenüber den verschiedensten künstlerischen Genres führten zu einem neuen ästhetischen Ansatz, der die Entwicklung der Performancekunst maßgeblich beeinflusste.

 

Halprins 1965 uraufgeführtes Werk "Parades & Changes" untersuchte das Verhältnis von Alltag und Kunst. Aufgrund seiner Nacktszenen wurde es damals verboten. Die französische Choreographin und Tänzerin Anne Collod hat nun am Tanzhaus NRW eine Re-Edition dieses Stückes als deutsche Erstaufführung inszeniert.

 

Aus dem Publikum heraus erklingen die Stimmen von sechs Performern, die sich von einem Dirigenten auf der Bühne eingewiesen auf englisch und französisch erinnern. Im Hintergrund eine Geräuschkulisse, die nicht heutig klingt und eher Assoziationen an die Entstehungszeit des Stückes hervorruft. Auf der Bühne dann schälen sich die drei Frauen und drei Männer allmählich aus ihren schwarzen Anzügen heraus, um danach die Kleidung wieder anzulegen und abermals abzulegen. Ehe die Befürchtung aufkommen kann, dass das so den ganzen Abend weiterginge, gibt man sich beschwingt zu den Klängen von "Downtown" und den Beachboys.

 

Völlig nackt tollen die sechs Protagonisten zwischen riesigen Packpapierbahnen herum, die sie in einer eindrucksvollen Szene in große Fetzen zerreißen, herumwirbeln um sie schließlich zu einem bizarren Kostüm einzusammeln. Die poetische Szene wird abrupt beendet. Von nun an wird die Performance von der elektronischen Musik von Morton Subotnick begleitet. Auf farbigen Holzkisten stampft man flamencoartig exzessiv. Bizarre Gegenstände werden in Reihen auf dem Boden drapiert, aus deren Fundus sich dann die Performer bizarr kostümieren und dem Publikum präsentieren. Am Ende dieser Szene werden zwei mit all diesen Fundstücken beladen oder besser gesagt ausstaffiert. In der letzten Szene bepinseln sich die wieder nackten Performer mit Farbe.

 

Man merkt diesem Stück seine 40 Jahre an. So verdienstvoll es ist, den heutigen Zuschauer mit den Anfängen des modernen Tanztheaters bekannt zu machen - was damals innovativ und provokant war, wirkt heutzutage nicht mehr allzu ungewöhnlich. Dennoch ein schöner Gedanke, sich mit der historischen Entwicklung auseinander zu setzen.

 

Choreografie: Anna Halprin

choreografische Re-Interpretation/Konzeption: Anne Collod in Zusammenarbeit mit Anna Halprin und Morton Subotnik

Darsteller: Boaz K Barkan, Nuno Bizarro, Alain Buffard, Anne Collod, DD Dorvillier, Vera Mantero

Musik: Morton Subotnick

Kostüme: Misa Ishibashi

Bühnenelemente: Misa Ishibashi, Alain Gallissian

grafische Elemente: Mathias Poisson

 

Premiere 14.2.2009

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