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Theater Bremen: "Drei Schwestern" von Anton Tschechow / Denjenigen, die sich für die Gegenwart schämen und Angst vor der Zukunft haben, bleibt nur der Stolz auf die Vergangenheit.Theater Bremen: "Drei Schwestern" von Anton Tschechow / Denjenigen, die sich...Theater Bremen: "Drei...

Theater Bremen: "Drei Schwestern" von Anton Tschechow / Denjenigen, die sich für die Gegenwart schämen und Angst vor der Zukunft haben, bleibt nur der Stolz auf die Vergangenheit.

Premiere am Sonntag, dem 28. August 2022, 18 Uhr im Theater am Goetheplatz

Die Tage ziehen vorüber, die Jahre kommen und gehen, die Wehmut bleibt. In ihrem ruhigen Landleben blicken die Schwestern auf die vorüberfließende Zeit. Olga, Mascha und Irina führen ein Leben in der Provinz. Ihr Alltag ist lustlos und immer gleich. Ihre Sehnsucht gilt dem fernen Moskau. Aber der stete Fluss der Zeit, die Ruhe auf dem Landgut, all das wirkt gleichzeitig betäubend, erstickt die Lebensgeister.

 

Copyright: Theater Bremen

In Bremen führt bei Tschechows „Drei Schwestern“ Dušan David Pařízek Regie, der hier schon eine vielbesprochene Inszenierung von „Die zehn Gebote“ auf die Bühne gebracht hat. Seine drei Schwestern sind zu zweit auf der Bühne, gespielt von Irene Kleinschmidt und Verena Reichhardt. In ihren lückenhaften Erinnerungen tauchen die anderen Figuren auf, bleiben Leerstellen, verschwimmen …

„Unsere Schwestern blicken auf ihr Leben zurück – und zwar nicht nur als junge Frauen Anfang zwanzig, so wie ursprünglich von Tschechow geschrieben, sondern als reife Persönlichkeiten, die das ganze zwanzigste Jahrhundert überschauen. Und wenn man mit ihnen gemeinsam auf die Geschichte Russlands zurückblickt, gewinnen ihre Sätze wie: ‚Uns Schwestern gefallen Männer in Uniform‘ oder ‚Ich leide, also bin ich‘ noch mehr an Bedeutung“, so Viktorie Knotková, die den Abend als Dramaturgin begleitet: „Dušan David Pařízek arbeitet aktuelle Themen aus dem 1901 geschriebenen Stück ganz behutsam heraus: Symptome der gelernten Hilflosigkeit, Konsequenzen von Demütigung oder Bewunderung starker Männer-/Vaterfiguren.“

Dušan David Pařízek studierte Schauspiel und Regie an der Akademie für Darstellende Künste in Prag. Das von ihm 1998 gegründete und bis 2012 geleitete Prager Kammertheater wurde zur angesehensten Bühne des Landes. Pařízek wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet und sorgte mit Uraufführungen und tschechischen Erstaufführungen von Texten Rainer Werner Fassbinders, Heiner Müllers, Werner Schwabs, Elfriede Jelineks, Peter Handkes oder Thomas Bernhards auch über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen. Wiederholt adaptierte er in Prag Werke von Franz Kafka, Robert Musil oder Jaroslav Hašek für die Bühne.

Die Arbeit an Texten, in denen sich das wechselvolle Mit- und Nebeneinander von Nationalstaaten im Herzen Europas spiegelt, gipfelte in den Jahren 2008 bis 2011 im „Projekt Mitteleuropa“: je einer tschechischen, deutschen sowie österreichischen Spielzeit. Für seine Arbeit als Regisseur und Theaterleiter erhielt Pařízek in der Tschechischen Republik u. a. viermal den renommierten Alfréd Radok-Preis, den MAX-Preis der Allianz Kulturstiftung (2007 und 2008) sowie den Preis der Prager Theaterzeitung „Divadelní noviny“ (2012, 2013 und 2016). Seit 2002 führt Pařízek regelmäßig im deutschsprachigen Raum Regie: u. a. am Schauspiel Köln, am Schauspielhaus Hamburg, am Deutschen Theater Berlin, bei den Salzburger Festspielen, am Schauspielhaus Zürich, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Wiener Burgtheater. In der Regel zeichnet er auch für seine Bühnenbilder verantwortlich.

Sein „Faust 1–3“ am Zürcher Schauspielhaus wurde 2012 zu den Berliner Autorentheatertagen und 2013 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Seine Uraufführungsinszenierung von Wolfram Lotz’ „Die lächerliche Finsternis“ am Burgtheater Wien wurde 2015 mehrfach ausgezeichnet und zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2018 wurde Pařízek mit dem Nestroy Theaterpreis für die Beste Regie ausgezeichnet („Vor Sonnenaufgang“ von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann, Burgtheater Wien), für den er 2019 („König Ottokars Glück und Ende“ von Franz Grillparzer, Volkstheater Wien, in der Kategorie Beste Regie) und 2021 („Peer Gynt“ von Henrik Ibsen, Schauspielhaus Bochum, in der Kategorie Beste deutschsprachige Aufführung) wieder nominiert war. Am Theater Bremen inszenierte Dušan David Parízek bereits 2014 „Die zehn Gebote“.

Regie und Bühne:                                          Dušan David Pařízek
Kostüme:                                                       Mara Zechendorff
Musik:                                                           Peter Fasching
Licht:                                                             Joachim Grindel
Soufflage:                                                      Anna Zaorska
Dramaturgie:                                                Viktorie Knotková

Mit:                                                                
Martin Baum, Peter Fasching, Lisa Guth, Irene Kleinschmidt, Verena Reichhardt, Matthieu Svetchine, Alexander Swoboda, Anna Zaorska

Sonntag, 04. September 2022, 18:00 – 20:20 Uhr
Sonntag, 11. September 2022, 18:00 – 20:20 Uhr
Freitag, 23. September 2022, 19:30 – 21:50 Uhr
Montag, 03. Oktober 2022, 18:00 – 20:20 Uhr
Mittwoch, 12. Oktober 2022, 19:30 – 21:50 Uhr
Freitag, 21. Oktober 2022, 19:30 – 21:50 Uhr
Donnerstag, 17. November 2022, 19:30 – 21:50 Uhr
Mittwoch, 30. November 2022, 19:30 – 21:50 Uhr
Donnerstag, 08. Dezember 2022, 19:30 – 21:50 Uhr

 

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