Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Theater Gera: Zwei Projekte zur Erinnerung an die Gründung des Bauhauses vor 90 JahrenTheater Gera: Zwei Projekte zur Erinnerung an die Gründung des Bauhauses vor...Theater Gera: Zwei...

Theater Gera: Zwei Projekte zur Erinnerung an die Gründung des Bauhauses vor 90 Jahren

am 5. und 20. März 2009in der Bühne am Park

in diesem Jahr erinnert die Stadt Gera gemeinsam mit anderen Thüringer Städten an die Gründung des Bauhauses vor 90 Jahren. Neben mehreren hochkarätigen Ausstellungen wird sich auch das Geraer Theater mit zwei Projekten am Programm zum Bauhausjahr beteiligen.

 

Den Auftakt bildet eine „Hommage an Kurt Schmidt“ am 5. März 2009, 19:30 Uhr in der Bühne am Park. Das Ensemble für Intuitive Musik Weimar erfüllt darin, in Anlehnung an das Mechanische Ballett von Kurt Schmidt, abstrakte Bilder mit Leben. Unter dem Titel „Klang – Farbe – Bewegung“ wirken Ausdruckstanz, multimediale Projektion und Musik zusammen.

 

Die Ästhetik des Bauhauses war ebenfalls Inspiration für den Ballettabend „Déjà-vu: Mensch und Form“ des beliebten Geraer Choreographen Peter Werner-Ranke, der am 20. März 2009, 19:30 Uhr in der Bühne am Park Premiere hat. Darin ist das Mechanische Ballett" von Kurt Schmidt Ausgangspunkt für ein Gedankenspiel und bietet gleichzeitig einen strukturellen Rahmen. Der Bauhauskünstler kreierte seine Choreographie 1923. Darin fügen sich geometrische Formen zu lebendigen Figuren zusammen, die von Tänzern bewegt werden. Die Ballettbühne wird somit zum Schauplatz eines lebenden abstrakten Bildes.

 

Die Projekte im Einzelnen:

 

„Hommage an Kurt Schmidt“

 

Der erste Teil des vom „Ensemble für Intuitive Musik Weimar“ gestalteten Programms, FARBEN – KLÄNGE, sind Reflexionen für Ensemble, Violoncello und Live-Elektronik zu Bildern des Geraer Bauhauskünstlers. Dabei beziehen sich die Musiker auf Bilder, die ihnen Kurt Schmidt 1987 nach einem Konzert in seinem Atelier geschenkt hat.

Im zweiten Teil, der Uraufführung POLYVISION, verbinden sich Ausdruckstanz, multimediale Projektion und Ensemble. Das Projekt setzt bei den Visionen des Bauhausmeisters Laszlo Moholy-Nagy an, der bereits Mitte der 20er-Jahre eine Synthese von Form, Bewegung, Ton, Licht und Farbe anstrebte. Er suchte verbindende Kettenglieder zwischen diesen Elementen, um aus ihrer Wechselwirkung etwas Neues entstehen zu lassen.

 

Beim Projekt, de Uraufführung vn POLYVISON kommt es zu einem gleichrangigen Wechselspiel zwischen abstrakten Strukturen in Klang, Farbe und Bewegung, die sich in vielschichtiger Weise durchdringen. Zu erleben sind geheimnisvolle Strukturen zwischen Mikro- und Makrokosmos, die mit Bildern der realen Welt verschmelzen. Ein weiß gekleideter Tänzer agiert im sich ständig verändernden Projektionsgeschehen. Er wird dadurch vollkommener Bestandteil des Bühnenbildes, verschwindet in den Farbstrukturen, wird zur Bewegung ohne eigene Körperlichkeit.Die Besucher erwartet ein „Gesamtkunstwerk“, das in besonderer Weise die Fantasie der Zuhörer und Zuschauer anregen und damit Brücken zum Publikum bauen will.

 

Das „Ensemble für Intuitive Musik Weimar“ beschäftigt sich seit 1986 mit synästhetischen Konzeptionen, die Traditionslinien der Bauhauszeit aufgreifen. Den Ausgangpunkt hierfür bildeten Begegnungen mit Kurt Schmidt und Hans Heinz Stuckenschmidt, die 1923 zur Bauhauswoche im Theater Jena das "Mechanische Ballett" zur Uraufführung brachten. Farblich voneinander abgesetzte geometrische Figurinen wurden dabei von dahinter verborgenen Tänzern so bewegt, dass durch ihre Choreographie ein lebendiges, der abstrakten Malerei gemäßes Bildgeschehen ablief.

 

Déjà-vu: Mensch und Form, Ballettabend

 

»Das Ziel des Bauhauses ist aber kein 'Stil', kein System, Dogma oder Kanon, kein Rezept und keine Mode! Es wird lebendig sein, solange es nicht an der Form hängt, sondern hinter der wandelbaren Form das Fluidum des Lebens selbst sucht.« (Walter Gropius)

 

1991 starb in Gera Kurt Schmidt. Fast 70 Jahre zuvor hatte der ehemalige Bauhaus-Schüler mit seinem Kommilitonen Georg Teltscher ein „Mechanisches Ballett“ kreiert – die Figurinen und Entwurfszeichnungen können noch heute in der Kunstsammlung Gera bewundert werden. Sie zeigen farbige Flächenarrangements, hinter denen die Spieler verschwinden, das Theater wird hier zum abstrakten Bild, in dem der Körper als unsichtbarer Urheber der scheinbar „mechanischen“ Bewegung fungiert.

 

Im Bauhausjahr 2009 hat Peter Werner-Ranke, Hauschoreograf des ThüringenBallett, sich von diesem faszinierenden Theaterexperiment inspirieren lassen: „Déjà-vu: Mensch und Form“ ist keine Rekonstruktion des „Mechanischen Balletts“, sondern unternimmt eine ganz persönliche, ganz heutige Weiterentwicklung der Ideen der Bauhausbühne. Mit Referenzen an Kurt Schmidt, aber auch an Oskar Schlemmer und den Tanz der 1920er Jahre lässt das Stück den (tanzenden) Körper hinter der Form wieder zum Vorschein kommen. Von der zweidimensionalen Fläche bewegt es sich zum dreidimensionalen Objekt und schließlich zum Menschen im Sinne eines fühlenden, denkenden, sozialen Wesens.

 

In „Déjà-vu: Mensch und Form“ treffen Form und Emotion zu Musiken von Schostakowitsch, Berg und Satie, aber auch zu zeitgenössischen Klängen aufeinander – ein spannender Versuchsaufbau mit mal heiterem, mal tragischem, mal nachdenklichem Ausgang.

 

Choreographie: Peter Werner-Ranke

Bühne: Jan Hofmann

Kostüme: Wolfgang Ranke

Dramaturgie: Kathi Loch

 

Weitere Vorstellungen: 26. März, 7. und 17. Mai jeweils 19.30 Uhr

 

 

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 23 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑